Dryland

Storm

Der hohe Wellengang machte der abgehalfterten Yacht schwer zu schaffen. Auf hoher See war sie von heftigem Wetter überrascht worden und hatte mit schweren Sturmböen von weit über 40 Knoten Windgeschwindigkeit zu kämpfen. Zu allem Übel schien jetzt auch noch der alte Dieselmotor zu versagen, der doch das Boot seit vielen Jahren zuverlässig angetrieben hatte. Er stotterte ab und zu und verlor spürbar an Leistung. Vielleicht hätte man auf die letzte planmäßige Wartung nicht aus Kostengründen verzichten sollen oder dem Boot auch mal eine Generalüberholung gönnen sollen. Egal, dachte die Frau in der Kabine. Nun war der Sturm eben da. Gegen die Natur war man ohnehin machtlos. Wenn der Bug in die Wellentäler abtauchte, spritzte schäumende Gicht an die beschlagenen Plexiglasscheiben der Kabine. Vom überspülten Deck aus floss ein allmählich stärker werdendes Rinnsal, den Gesetzen der Schwerkraft gehorchend, über die Treppe hinab. Unerträglich, seufzte die Frau und hielt dem erschöpften Kellner wortlos ihr geleertes Sektglas hin. Das letzte übrig gebliebene Besatzungsmitglied schenkte ihr noch ein letztes Mal wortlos nach und entfernte sich dann hastig, um seine Schwimmweste anzulegen. Er blickte sich nicht um. Eine unerträgliche Vorstellung, dachte die Frau, die einst Schauspielerin gewesen war und sich dann für einen Wechsel in die Politik entschieden hatte. Nein, die Vorstellung, nur noch Mineralwasser aus Flaschen trinken zu müssen, das um ein Vielfaches teurer als Trinkwasser aus der Leitung war, musste für jede engagierte Frau mit sozialem Gewissen empörend, einfach unerträglich sein. Solch ein Land wäre nicht mehr ihr Land, setzte sie ihren Gedankengang wie in einer eingefahrenen Schleife fort. Das wäre Dryland, ein eintöniges graues Land, in dem nur noch Sukkulenten, Kakteen und speziell angepasste Kartoffelsorten gedeihen würden und in dem die Menschen schlussendlich verdursten würden. Das durfte die couragierte Zivilgesellschaft nicht zulassen. Weiterlesen

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Dingdong …

Ich weiß nicht mehr genau, ob ich es bei Ernst Jünger oder Erich Maria Remarque las, aber einer von beiden schrieb, dass man unter heftigem Artilleriebeschuss bevorzugt in frischen Granattrichtern Zuflucht suchte und dort in Deckung blieb, da man es für unwahrscheinlich hielt, dass Granaten zweimal hintereinander am selben Ort einschlagen. Der sicherste Weihnachtsmarkt Deutschlands befindet sich in diesem Jahr bestimmt auf dem Breitscheidplatz in Berlin. Auch in Potsdam dürfte ein explosiver oder anderweitig verstörend wirkender Vorfall ab heute eher unwahrscheinlich sein, oder zählt ein entschärftes Böllerpaket mit Nägeln nicht? Zu unser aller Wohlergehen schießen derweil allerorten sog. Merkel-Steine und Stahlpoller aus dem Boden wie Pilze nach einem sanften Regenguss. Bunt bemalte und festlich geschmückte Lkw-Sperren bieten wertvolle Momente zum Innehalten – Winterzeit, Zeit der Entschleunigung, Zeit der Besinnlichkeit. Dingdong, Klingeling …

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Marxistische Genderisten

Bin vorhin noch einmal über einen Artikel gestolpert, in dem der wackere Hadmut Danisch eine Genderistin zitiert, die sich auf Marx beruft. Hatte ich ja schon mal erwähnt, warum ich derlei Zeugs für Unsinn halte. Aber amüsant schon: Geschlechterverhältnisse seien Produktionsverhältnisse, weil sie Leben produzieren.  ;-)
Nach meinem Verständnis widerspricht der ursprüngliche Marxismus, dessen Kern die materialistische Philosophie ist, dem Genderismus diametral. Keine Ahnung, ob man dann Kultur-, Neomarxismus, Frankfurter Schule usw. ins Spiel bringt, da kann man wahrscheinlich sowieso jeglichen Unsinn ableiten (vielleicht so ähnlich wie bei „Neoliberalismus“ (als Totschlagvokabel) versus „klassischer Liberalismus“). Weiterlesen

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Pfeiffer, setzen, sechs!

Ich find’s ja eigentlich immer etwas peinlich, wenn in den Talkshows, in die ich zufällig kurz reinschalte, SPDler oder sonstige verstrahlte Leute sitzen, die immer wieder den gleichen Stuss in abgewandelter Form erzählen; aufgrund der bekannten Teilnehmerkonstellation hakt niemand ein, es bleibt unwidersprochen, und der Redestrom plätschert weiter. Der Kriminologe Pfeiffer ist z. B. so ein Kandidat, der u. a. unverdrossen immer wieder behauptet, die steigende Migrantenkriminalität läge vor allem in der unterschiedlich hohen Anzeigebereitschaft der Opfer gegenüber deutschen und nicht deutschen Tätern begründet. Je fremder der Täter, desto höher die Anzeigebereitschaft, behauptet er. Das sei der Grund für die Zunahme der verübten  Gewaltdelikte durch Zugereiste, denn die würden von Deutschen viel eher angezeigt, als wenn die Täter Deutsche wären.
Das ist zynisch, menschenverachtend und dreist, denn Pfeiffer unterstellt den Opfern zu ihrem Schaden überdies noch ein unterschwellig rassistisches Verhalten. Betreffende Opfer würden ihre Täter schließlich allzu oft nur anzeigen, weil sie Fremde seien.
Belegen lässt sich die Mär von einer per se höheren Anzeigebereitschaft bei Straftaten von Ausländern ohnehin nicht. Urteilt man nach halbwegs gesundem Menschenverstand eines schon länger hier Lebenden, ist sie auch weder schlüssig noch nachvollziehbar. Weiterlesen

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Monkey Business

Mal ausnahmsweise eine kurze themenfremde Einlassung. „Höhle der Löwen“ mit diesem Maschmeyer u. a. finde ich zum Gähnen, aber ein anderer Sender, der ein Konkurrenzformat produziert, hatte mich vor einiger Zeit mal kontaktiert. Die wollten auch, dass ich da mein Produkt vorstelle und einen Deal an Land ziehe. Irgendwie hatten die von mir gehört. Das war aber nicht Höhle der Löwen, wo sich natürlich nur noch die Leute präsentieren, die anderswo keinen Stich sehen und bei den Banken unten durch sind: Versager, Blender, verkrachte Existenzen, Lindner-Avatare usw. Deren überteuerter Schund türmt sich ja mittlerweile auf den Grabbeltischen aller Super- und Baumärkte. „Käfig der Tiger“, kurz Tigerkäfig, so lautete der Arbeitstitel dieses neuen Sendeformats; kann auch noch geändert werden, irgendwas mit Affen statt Tiger war da noch im Gespräch – und die wollten mich da auch engagieren für eine abendfüllende Sendung, in der Unternehmer mit innovativen Produktideen auftreten und gegen eine prozentuale Firmenbeteiligung dann eine bestimmte Kapitalsumme von Kapitalgebern einwerben. Selbstredend etwas spannender gestaltet als bei Vox, will aber nicht vorgreifen … Soll bei den Öffis laufen, d. h. auf einem der öffentlich-rechtlichen Sender soll das ausgestrahlt werden. Tigerkäfig, wie gesagt, müsst Ihr mal drauf achten. Sendetermin der ersten Staffel steht noch nicht fest. Kommt aber. 100 Pro. Weiterlesen

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Die Joggerin im Gebüsch

Mir kam gerade der Gedanke, dass die einzigen beiden großen Nationen (und hoch entwickelten Volkswirtschaften), die sich gegen die Segnungen der Islamisierung und unkontrollierten Einwanderung aus muslimischen und/oder afrikanischen Ländern sperren und sich davor zu schützen wissen, nämlich China und Japan, zugleich auch laizistische Gesellschaften ausgebildet haben, die frei von christlicher Einflussnahme auf Politik und veröffentlichte Meinung sind. In Japan stellen Shintoismus und Buddhismus die Hauptreligionen, während in China u. a. Daoismus, Buddhismus, Konfuzianismus, Schenismus und Taoismus vertreten sind. Bezeichnend ist vielleicht auch, dass es sich da um keine strengen oder dogmatischen Religionen/Ideologien handelt, sondern Glaubensrichtungen, die eher sozialethische Grundsätze, spirituelle Heilslehren, Lehrtraditionen, Volksglauben usw. verkörpern. Christentum hat dort historisch gesehen keine Tradition. Ich frage mich gerade, ob künftige Generationen daraus vielleicht einen Zusammenhang konstruieren würden, wenn gerade jene Völker ihre Kulturen bewahren und als Nationen letztlich überleben könnten, in denen christliche Kirchen nie einen Fuß in die Tür bekommen haben. (Osteuropa bzw. die Visegrad-Staaten z. B. Polen würde ich erstmal ausblenden.)
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Zum Poststrukturalismus

Viele Idioten von der Gender-, Soziologen- und Philosophenfront seien ja mit Marx, Michel Foucault, Judith Butler fest davon überzeugt, dass die Welt nicht von Natur aus existiert, sondern erst durch „Sprechakte“, durch „Diskurse“ geschaffen wird, schrieb der ehrenwerte Hadmut Danisch in einem gestrigen Beitrag (hier verlinkt).

Zu Foucault und Butler fällt mir nichts ein, aber Marx tut man natürlich unrecht, wenn man seinen Namen in einem Atemzug mit den beiden anderen Figuren nennt. Genderismus und Poststrukturalismus stehen nämlich im völligen Widerspruch zum Marxschen Materialismus. Marx hatte ja erkannt und war davon überzeugt, dass die objektive Wirklichkeit außerhalb und unabhängig vom menschlichen Bewusstsein existiert. (Sinngemäß sagt er passenderweise: Wie auch immer man die Welt interpretiert, man verändert sie dadurch nicht.) Menschliche Gedanken, Gefühle, Äußerungen (bzw. das Bewusstsein) sind demzufolge auf Materie zurückzuführen und liegen in der objektiven bzw. stofflich manifestierten (gesellschaftlichen) Realität begründet. Marxsches Denken wäre somit unvereinbar mit der irrigen These, dass objektiv vorhandene Gegebenheiten, z. B. materielle/physische Unterschiede oder biologische Geschlechtsmerkmale, allein mit sprachlichen Mitteln sozial „dekonstruiert“ bzw. durch Sprechakte, also durch sprachlich manifestierte Gedanken oder Gefühle, beliebig verändert werden könnten. Das wäre ja das genaue Gegenteil dessen, was Marx postulierte. Grundlage des Marxschen Denkens ist, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt, nicht umgekehrt. Egal, wie lange und oft ich diskutiere, schreibe und Sprechakte vollführe, ich verändere allein dadurch die außerhalb des Bewusstseins existierende Wirklichkeit nicht. Nur das biologisch entstandene „Mannsein“ oder „Frausein“ prägt somit ein männliches oder weibliches Bewusstsein aus. Die objektive Realität lässt sich allein aus ihrer materiellen Existenz und deren Entwicklung erklären, so Marx. Poststrukturalisten leugnen somit eigentlich den Materialismus; daher würden die sich sicher auch nicht auf Marx berufen können oder wollen. Linke, sofern sie sich noch als Marxisten verstehen, müssten somit eigentlich die Gender-Ideologie als unwissenschaftlich (und unmarxistisch) verwerfen.

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Shadow Banning

Das sogenannte „Shadow Banning“ (etwa: verdeckte Sperre von Kommentatoren) ist zwar eine perfide Verarschung der User, zugleich aber aber auch irgendwie genial. Diese (noch relativ neue) Funktionalität ist meines Wissens in den meisten sozialen Netzwerken und auch in der zentralisierten und anpassbaren Kommentarplattform Disqus implementiert, wie man in dem Screenshot unten sieht. Der Online-Dienst Disqus wird ja mittlerweile in vielen Blogs und Portalen eingesetzt und bequemerweise anstelle eines internen Diskussions- und Kommentarbereichs genutzt. Bei einem aktiven „Shadow Ban“ kann nun der betreffende gesperrte Kommentator nicht mehr erkennen, dass seine Kommentare für die Öffentlichkeit ausgeblendet sind. Für ihn (und den Moderator) sind sie weiterhin normal sichtbar, doch kein anderer User bekommt sie angezeigt. Weiterlesen

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Klick

ReaktionenHabt Ihr solche Buttons schon mal unter Beiträgen gesehen? Klar, bestimmt. Totaler Schwachsinn oder? Diese netten kleinen Widgets sieht man schon seit einiger Zeit, jetzt immer häufiger auf reichweitenstarken Websites und populären Nachrichtenportalen. Wie nennt man diese Buttons eigentlich?
Emotionsleisten, Stimmungsbarometer? Reaktionsableiter? Meinungspuffer? Worin liegt da der Sinn, welche Funktion erfüllen diese kindischen Buttons auf einer Site, die einen wie auch immer gearteten Informationsanspruch hat? Weiterlesen

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Entfernte Verwandtschaft – Kommentar

Der Bahnhof der Kuscheltiere ist ja mittlerweile jedem ein Begriff oder? Denke schon. Jedenfalls las ich zufällig vor einigen Tagen auf achgut.com einen interessanten Beitrag, in dem Alexander Meschnig die deutsche Kriegsbegeisterung im Sommer 1914 mit dem stürmischen Willkommensfuror anlässlich der bedingungslosen Grenzöffnung im Herbst 2015 verglich und diesbezüglich einige überlegenswerte Analogien aufzeigte. Weiß gar nicht, wie ich darauf kam. Ach so, der Michael Klonovsky, bei dem ich immer mal gern reinschaue, weil der nicht so lange Texte schreibt und … der hatte also den Beitrag verlinkt, nur daher stieß ich darauf. Na ja, und irgendwie bekam ich das Thema nicht aus dem Kopf, was ja immer ein Indiz dafür ist, dass man da einen anregenden Beitrag gelesen hat, der jedenfalls einen Gedankengang angestoßen hat. Selten genug kommt’s ja vor.
Zum Thema: Oberflächlich gesehen bestehen da vielleicht wirklich einige Ähnlichkeiten zwischen beiden Ereignissen (1914 versus 2015), dachte ich zunächst. Aber dann … Wenn man sich den Text im Einzelnen durchliest, merkt man halt doch, wie weit hergeholt und eben oberflächlich solch ein Vergleich ist. Viele der erwähnten Ähnlichkeiten, so wie beschrieben, sind für sich gesehen schon plausibel, trotzdem halte ich den Vergleich für unpassend bzw. verfehlt. Natürlich kann man historische Ereignisse vergleichen, ohne sie gleichzusetzen, und bestimmte Parallelen aufzeigen. Inwieweit man die Wahl der Vergleichspunkte für fragwürdig hält und ob man geschichtliche Ereignisse (die teils auch noch nicht abgeschlossen sind) und überlieferte massenpsychologische Reaktionen aus völlig verschiedenen Epochen, aus ihrem geschichtlichen Kontext gelöst, miteinander vergleicht, ist egal – man verfolgt natürlich immer eine Intention; man will natürlich Muster aufzeigen, Parallelen und ein Fazit ziehen. Ist legitim.
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