Einfach nur mitfahren

DSCN4191Er wolle Beifahrer werden, schrieb mal vor vielen Jahren einer meiner Mitschüler, als wir zu Beginn eines Schuljahres unsere Berufswünsche aufschreiben mussten. Beifahrer zu werden, sei sein innigster Wunsch, denn dieser Aufgabe fühle er sich gewachsen. Vorsichtig ausgedrückt, zählte er nicht unbedingt zu den beliebtesten Schülern. War auch keiner der hellsten Köpfe in unserer Klasse, aber zumindest ehrlich, doch das war er. Alle lachten wir, als unser Klassenlehrer die Liste mit den notierten Berufswünschen durchging und dabei wohl irgendeinen spöttischen Kommentar abließ.
Jedenfalls sprach sich die Beifahrergeschichte im Laufe des Tages an der Schule herum, und in der großen Hofpause kamen die älteren Schüler auf dem Schulhof auf uns zu und fragten: „Wo iss’n der Blödmann, der Beifahrer werden will?“
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Rettungsszenario

Das Retterszenario: Zwei Ertrinkende im Wasser. Welchen der beiden rettest du, wenn zwei deiner Feinde im Wasser treiben und zu ertrinken drohen?
Erinnerte mich entfernt an meine Schwimmerproblematik, nur aus einer etwas anderen Perspektive betrachtet.
Angenommen, du kannst nur einen Ertrinkenden retten, weil du als einzelner Rettungsschwimmer draußen unterwegs bist – auf dich allein gestellt. Oder aus Sicht eines Bootsführers: Es wäre sicher nicht klug, zwei deiner ärgsten Feinde mit in dein Rettungsboot zu nehmen. Riskant. Mit einem kannst du es noch aufnehmen, aber zwei könnten dich, den früheren Retter, vielleicht später überwältigen und über Bord werfen. Ein moralisches Dilemma, wenn man so will.

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Die Letzten ihrer Art

„Hmm, diese Terraner  …“, murmelte der Necromonger, der als erster Wissenschaftsoffizier der anatomischen Abteilung auf dem schweren Raumkreuzer 33QW-Alpha seinen Dienst versah. Gerade setzte er sein Laserskalpell zu einem präzisen Schnitt auf der bleichen Haut des warmen, noch zuckenden Körpers an. „Man muss sich doch wundern, wie es eine Zivilisation solch primitiver Wesen überhaupt geschafft hat, so lange auf diesem Planeten zu existieren, ohne sich selbst auszulöschen. Ihren Heimatplaneten haben sie doch ziemlich umgekrempelt, um nicht zu sagen, zugemüllt und verwüstet. Die Qualität des genetischen Materials dieser humanoiden Kreaturen liegt auch unter unserem gewohnten Standard.“ In diesem Winkel der Galaxis scheint Vernunft zudem rar gesät zu sein, sponn er seinen Gedanken weiter. Könnte wohl eine Auswirkung des ungewöhnlichen Strahlungsspektrums der hiesigen Sonne sein, vielleicht hängt es auch mit fehlenden Spurenelementen oder Mineralien in den Böden oder atmosphärischen Besonderheiten zusammen. Nicht mal Quecksilbersümpfe gab es auf diesem räudigen Planeten. Er warf einen Blick auf die Werte auf dem Bildschirm. Ein hauptsächlich aus Stickstoff und Sauerstoff bestehendes Gemisch, dazu geringe Anteile von Argon und Kohlendioxid. Schon ungewöhnlich, eine Laune des Universums, die diese selbstzerstörerisch agierenden Säuger hier am Rand der bewohnten Sektoren hervorgebracht hat. „Nur noch einige letzte Präparate für meine zoologische Sammlung und die Datenkristalle mit den Aufzeichnungen ins Archiv einstellen; dann sind wir hier fertig.“ Es war nicht klar, ob er zu sich selbst oder zu der neben ihm stehenden hochgewachsenen Gestalt gesprochen hatte. Weiterlesen

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In eigener Sache

Ich muss jetzt zwischendurch doch mal was loswerden bzw. was in eigener Sache schreiben, was viele hier vielleicht schockieren oder zumindest einigermaßen überraschen wird. Oder vielleicht auch nicht, denn Leute, die mich kennen, wissen ja eigentlich oder müssten wissen, was sie von mir zu halten haben oder wie sie mich nehmen müssen und was ich für ein Mensch bin. Kein schlechter jedenfalls oder? Ach ist ja auch egal, jedenfalls müssen manche Dinge trotzdem mal klipp und klar gesagt werden, auch wenn man damit den einen oder anderen Freund, Bekannten oder Leser vor den Kopf stößt oder dessen Gefühle verletzt, was dann dazu führt, dass die nichts mehr mit einem zu tun haben wollen. Man weiß ja oft nicht, wie sensibel oder tolerant der eine oder andere da wirklich ist. Hab lange drüber nachgedacht, ob ich das überhaupt mal schreiben soll. Aber mir ist gerade so. Manche wussten es vielleicht schon, andere ahnten es oder hatten diesbezüglich einen leisen Verdacht. Ja? Wenn, dann wart Ihr so taktvoll, es nicht zu erwähnen. Oder es war euch sowieso egal. Okay, auch gut so, aber jedenfalls will ich euch auch nicht anlügen. Das wäre nicht fair, und darum mach ich mich jetzt mal ehrlich, selbst wenn ich auf Ablehnung stoße oder folgendes Bekenntnis mein Image irreparabel beschädigen sollte. Damit muss ich dann leben.
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Vermischtes

Was mir des Öfteren auffällt, ist, dass ich die Handlung vieler Bücher, die ich in meiner Jugend oder Kindheit mit Begeisterung gelesen habe, völlig vergessen habe. Oder verdrängt? Gut, es gab da auch eine lange Lücke in meiner Lesehistorie. Ich hatte ja lange Zeit gar nichts gelesen. Ich glaub, das ging vielen so oder? Irgendwann mit 14 oder so, jedenfalls in dem für Jungs kritischen Alter, hörte ich schlagartig auf zu lesen und hab dann erst viel später wieder ein gewisses Interesse an Literatur entwickelt. Ich will nicht sagen, dass ich es für Zeitverschwendung gehalten habe, aber es waren eben andere Dinge wichtiger. Irgendwie fiel mir dann auf, dass viele Autoren aus meiner Kindheit irgendwie verschwunden sind. Ich meine, dass viele auch nicht mehr verlegt werden, obwohl die schon gut waren. Speziell auf den SF-Bereich bezogen. Weiterlesen

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Zündmodus

Was mir gerade einfiel: Ich habe vor einer Woche noch einmal meine letztjährige Kurzgeschichte „Zündmodus“ als kostenloses Ebook in den Buchportalen eingestellt. Wer die also noch nicht gelesen hat, ist hiermit freundlichst und explizit eingeladen, dies zu tun. Ach, diese Links bringen mich zur Verzweiflung …

Es ist eine leicht überarbeitete Fassung des Textes, der in „Sprünge“ enthalten ist. Also Leute wie Dark Lord und andere Hardcore-Leser hier kennen die bestimmt schon, aber ich dachte trotzdem, es wär nicht schlecht, wenn ich wenigstens mal eine kleine Story als Auskopplung wieder anbieten kann. Zum Anfüttern  … so wie beim Angeln oder? Zumal ich auch den Nante letzte Woche auch wieder getroffen habe, aber okay, das ist schon wieder eine andere Geschichte …

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Zur Hörnchenfrage

Ich mag gar keine Hörnchen. Die sind mir zu trocken oder zu süß. Oder beides. Die bescheuerte Form gefällt mir auch nicht. Ein Hörnchen sieht immer missglückt oder halbfertig aus. Und schmecken tuts eh nicht, sagte ich ja schon. Donuts sind ja wenigstens noch formschön. Runde Gebäckstücke mit einem Loch in der Mitte. Perfekte Geometrie, irgendwie ästhetisch. Das Auge isst mit, wa?
Ein Donut ist zwar auch nichts im Vergleich mit nem dicken Berliner oder nem schönen runden warmen Brötchen, aber immerhin. In einer Pension in Paris bin ich immer hungrig vom Frühstückstisch aufgestanden, weil’s nur so ein knochentrockenes Hörnchen und ne Tasse Kaffee gab. Genau abgezählt, ein verficktes Hörnchen pro Nase. Danach musste man natürlich erstmal irgendwo frühstücken gehen … und dann kacken. Schlimmer als hungrig vom Tisch aufzustehen ist nur, wenn dir beim Essen ein Ohr abgekaut wird. Ich kann es auf den Tod nicht ausstehen, wenn mich jemand vollquatscht, während ich esse. Diese Hörnchen mit Nougatfüllung mag ich schon gar nicht. Widerwärtig süß. Ich mag überhaupt nichts Süßes zum Frühstück, keine Marmelade, Konfitüre oder diese Nutellakacke, die mag ich schon gar nicht. Höchstens Honig oder Löwenzahnsirup, aber auch nie zum Frühstück. Morgens will ich nur satt werden. Da brauchts ordentliche Brötchen, Semmeln, Bemmen, Brot und Käse, Wurst, Tomaten, eben alles, was das teutonische Herz begehrt – nur keine Hörnchen. Die fresst mal ruhig alleine, eure trockenen Hörnchen …
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Haruki Murakami: 1Q84

1Q84 war der erste Roman Murakamis, auf den ich vor Jahren zufällig stieß. War wirklich reiner Zufall: Jemand, den ich gut kannte, hatte es seinerzeit als ungekürztes Hörbuch gekauft bzw. heruntergeladen. Ich glaub, ich wäre sonst nie auf Murakami gestoßen. Mir wären dann auch seine anderen Romane entgangen, z. B. „Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt“, was mindestens genauso gut, wenn nicht sogar noch besser ist. Dacht ich mir, okay, kannst ja mal reinhören, was der so schreibt. Vielleicht taugt es was.
Hat mich jedenfalls schon schwer beeindruckt, wenn ich recht drüber nachdenke. Da stimmte eben nach meinem Empfinden alles. Sprache, Handlung, Ton, Sprecher und diese mystischen Klänge zwischen den Kapiteln, die für eine passende Atmosphäre sorgen. Alles in epischer Breite ausgewalzt auf 1.600 Seiten (in drei Büchern), so wie ich es (bei diesem Autor) mag. Wird übrigens dem Genre der Urban Fantasy zugerechnet, was ich zuvor gar nicht kannte. Muss aber niemand befürchten, dass ich jetzt zu einer Rezension ansetze. Zum Glück haben das schon andere Leser getan, hier z. B. in Form einer Leseempfehlung: http://forum.sf-fan.de/viewtopic.php?f=16&t=9019#p186826

Wer den Roman gar nicht kennt, für den werden die folgenden Ausführungen eher unverständlich oder uninteressant sein; wer die Bücher noch selbst lesen will, sollte vielleicht auch einfach wegklicken, weil ich ja notgedrungen etwas von der Handlung verraten muss. Ich mag das Werk jedenfalls sehr, hab es mir bestimmt schon drei Mal in Gänze angehört. Murakami war übrigens vor ein paar Jahren auch mal für den Literaturnobelpreis im Gespräch, soviel ich weiß, aber den hat er natürlich bisher nicht bekommen. Ja, ich wär durchaus der Meinung gewesen, dass es berechtigt gewesen wäre, aber gut – derartige Preise werden auch eher nach (für mich) undurchschaubaren Kriterien vergeben. Weiterlesen

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Frei am Freitag

Ich war heute auf dem Friedhof in meiner alten Heimatstadt. Kostete mich knapp zwei Stunden Autofahrt. Ist nicht weit, aber der Rückweg zieht sich dann immer ewig. Ich hasse die Rückfahrten. Wenn ich zu spät losfahre, werde ich auch manchmal schläfrig. Je nachdem, wie man die Nacht zuvor geschlafen hat. Viele Leute vergessen ja, wenn sie wohin fahren, dass sie auch wieder zurück müssen. Wer irgendwohin fährt, muss auch wieder zu seinem Ausgangspunkt zurückkehren. Simple Physik. Stell dir vor, du hängst an einem gespannten vollelastischen Gummiband. Dieses lang gezogene Gummiband muss immer wieder in seine Ausgangsform zurückschnellen. So ist es mit den Reisenden auch. Es sei denn, dieses Gummiband reißt gewissermaßen. Dann bleibt man da, wo man ist, oder man kann woanders hin. Na ja, wo war ich gerade?
Ja, die Fahrtzeit ist jedenfalls immer auch abhängig von der Verkehrslage in Berlin. Freitag ist eher ungünstig, aber das war heute egal. Scheiß drauf, sagte ich mir. Weiterlesen

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Bound

EichhörnchenManchmal sind mir buchstäblich die Hände gebunden. Ja, auf dem Rücken zusammengebunden. Lange starre ich auf die schwarze Tastatur vor mir. Schreib es! So schreib doch auf, was dich bewegt oder quält, flüstert mir das hübsche Teufelchen auf meiner rechten Schulter mit einschmeichelnder Stimme ins Ohr. Lass es raus, danach geht’s dir besser. Das Teufelchen ähnelt einem Eichhörnchen, einem rotbraunen, so wie sie hier in heimischen Gefilden noch häufig vorkommen. Es ist sehr süß und kitzelt mich mit seinem buschigen Schwanz oft an der Nase. Teufelchen fürchtet nichts, höchstens die frechen amerikanischen Grauhörnchen.
Plötzlich spüre ich, dass ich meine Hände nicht bewegen kann. Sie sind hinter meinem Rücken zusammengebunden.

Treues Teufelchen, ich möchte ja, doch mit gefesselten Händen ist nicht gut schreiben.
Mein Teufelchen kichert. Es weiß Bescheid. Ich habe mich selbst gefesselt, vorsorglich, wie Odysseus, der sich einst am Mast festbinden ließ.

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