Ausgeträumt

Befragt man das Volk, pardon, die Bürger, kann auch ein für die Initiatoren unerwünschtes Ergebnis herauskommen. Ja. Ich meine nein. Hamburg hat nein gesagt.
Nein zu Olympia, wie sich auch die Bayern vor einiger Zeit beharrlich weigerten, eine Bewerbung für die Winterspiele abzugeben. Nein zu einem weiteren Milliardengrab, und nein zur korrupten IOC-Clique. Schade, schade, dabei hätte man doch wieder mal Steuergelder in Milliardenhöhe versenken bzw. investieren können. Obwohl das doch immer so konjunkturfördernd ist. Fremder Leute Geld auszugeben, ist unbeschreiblich. Geil. Man tut Gutes, und irgendwie profitieren ja alle und haben sich lieb. Gefühlsmäßig so. Nicht zu vergessen: Brot und Spiele, in der Geschichte tausendfach bewährtes Konzept, unter dem Zeichen der bunten fünf Ringe – das gibt dem tumben Pöbel genau das, was er braucht. Gestählten und medikamentös optimierten Gladiatoren aus aller Welt zujubeln und bei dieser Gelegenheit ausnahmsweise mal ein schwarzrotgüldenes Fähnchen schwenken. Da freut sich der Michel und vergisst seine Probleme. Hat ja auch keine echten. Bei dem riesigen Wohlstand, den er teilen kann, wow! Noch besser, wenn man zum Kreis der Profiteure gehört hätte. Wen würde es kümmern, wenn nach der zweiwöchigen kommerzialisierten Freakshow die traurige Realität einzöge: negative finanzielle Schlussbilanz für den Steuerzahler (was natürlich nicht für den IOC gilt), gestiegene Mieten. Verrotten dann die teuer errichtete Sportanlagen, wie in Athen und anderen Austragungsorten solcher Großveranstaltungen zu besichtigen ist? Nicht auszuschließen. Das wär dann halt eben eine negative Entwicklung, die man so nicht erwartet hätte. Ach, diese ganzen kleingeistigen Pfennigfuchser! Die sehen ja den großen Image-Gewinn gar nicht. Die ganze Welt wäre dann bei uns zu Hause. Hmm, was ja eigentlich schon der Fall ist.

Aber mal anders gefragt: Was wäre passiert, wenn das Votum anders herum ausgefallen wäre, wenn sich knapp 51% für, aber 49% gegen die Olympiabewerbung ausgesprochen hätten – bei 50 % Wahlbeteiligung? Meint Ihr, man hätte das Ding dann eisern durchgezogen? Wäre jedenfalls interessant zu sehen, ob die Befürworter das dann durchgeprügelt hätten. Klar. It’s democracy, stupid. Na gut, in der IOC-Endauswahl wäre die Bewerbung wahrscheinlich eh gescheitert, da man aus falscher Zurückhaltung nicht oder nicht ausreichend geschmiert hätte. Wer nicht schmiert, verliert.
Ich find eh, dass Olympia dem Breitensport mehr schadet als nützt. Der IOC-Konzern, der von einer bis ins Mark korrupten neofeudalen IOC-Funktionärsclique beherrscht wird, sollte endlich entmachtet werden. Okay, okay. Traum ausgeträumt? Wohl nicht. The Games must / will go on anyway, come what may be.

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4 Antworten auf Ausgeträumt

  1. DarkLord sagt:

    Ach Mensch. Da hätte ich ja noch ein wenig klauen können. :D War wohl etwas voreilig heute früh mit dem: https://www.contra-magazin.com/2015/11/olympia-in-hamburg-die-buerger-haben-entschieden/

    • Max sagt:

      Ah, Klasse. Ich hatte deinen Artikel nicht gesehen, sonst hätt ich nix geschrieben, sondern nur verlinkt. ;-)

      • DarkLord sagt:

        Nur du hast es spitzer formuliert… fand ich besser ;)

        • Max sagt:

          Im eigenen Blog kann man ja immer etwas ungezwungener schreiben und auch mal robustere stilistische Mittel einsetzen. Die Freiheit hat man ja zum Glück. In einem Online-Magazin, das ja einen höheren Anspruch als ein kleines privates Blog hat, hätte ich das auch nüchterner formuliert, also da hast du den Ton m.E. im Hinblick auf die breite Leserschaft schon super getroffen.

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