Bound

EichhörnchenManchmal sind mir buchstäblich die Hände gebunden. Ja, auf dem Rücken zusammengebunden. Lange starre ich auf die schwarze Tastatur vor mir. Schreib es! So schreib doch auf, was dich bewegt oder quält, flüstert mir das hübsche Teufelchen auf meiner rechten Schulter mit einschmeichelnder Stimme ins Ohr. Lass es raus, danach geht’s dir besser. Das Teufelchen ähnelt einem Eichhörnchen, einem rotbraunen, so wie sie hier in heimischen Gefilden noch häufig vorkommen. Es ist sehr süß und kitzelt mich mit seinem buschigen Schwanz oft an der Nase. Teufelchen fürchtet nichts, höchstens die frechen amerikanischen Grauhörnchen.
Plötzlich spüre ich, dass ich meine Hände nicht bewegen kann. Sie sind hinter meinem Rücken zusammengebunden.

Treues Teufelchen, ich möchte ja, doch mit gefesselten Händen ist nicht gut schreiben.
Mein Teufelchen kichert. Es weiß Bescheid. Ich habe mich selbst gefesselt, vorsorglich, wie Odysseus, der sich einst am Mast festbinden ließ.

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6 Antworten auf Bound

  1. DarkLord sagt:

    Manches Mal ist es wirklich besser, die Klappe zu halten. Oder die Finger still. auch wenn es schwer fällt. Aber ausgerechnet ein Eichhörnchen? Als Teufelchen?

    • Max sagt:

      ;-) Gerade weil die so süß sind, meinst? Solch ein possierliches Wesen würde im Normalfall niemand mit einem Teufelchen in Verbindung bringen … Mir gefiel gerade dieser Gegensatz, das Widersprüchliche -> der dialektische Gedanke gewissermaßen. ;-)

      • DarkLord sagt:

        Ich sehe in Eichhörnchen irgendwie mehr als ein possierliches Tierchen. Die finden 30% ihrer Verstecke der Wintervorräte wieder, eine beachtliche Gedächtnisleistung, wenn man die stetige Umweltveränderung bedenkt und die Größe ihres Hirns.

        • Max sagt:

          Ja, die sorgen für schlechte Zeiten vor … Kluge Tierchen, trotz kleinerem Hirn – wobei, wie wir mittlerweile wissen: auf die Größe kommt’s net an … ;-)
          Das fleißige Eichhörnchen – wohnt ja hier quasi vor meinem Balkon; hoffe, es taucht bald auf – musste, wie gesagt, hier nur wegen des bildlich-assoziativen Gegensatzes als symbolisches Teufelchen herhalten.

    • Max sagt:

      Manches Mal ist es wirklich besser, die Klappe zu halten. Oder die Finger still.
      Ja, zumindest im Blog. Ich diskutiere dann doch lieber anderweitig in einem Forum z.B. oder einer anderen Plattform. Ich spüre eben manchmal, dass ein thematisch nicht so klar fokussiertes und eher schwach frequentiertes Privatblog (wie meines) gegenwärtig nicht der richtige Ort für bestimmte monologisierende und zugleich kontroverse Texte ist. Ja, ich empfinde schon geradezu körperlichen Widerwillen bei bestimmten Themen: Der rosa Elefant im Raum bzw. der Gorilla auf der Party, den keiner erwähnt. Dann fragt man sich, warum, wozu, oder ist die Sache überhaupt einen Beitrag wert? Vielleicht wär es mal wieder besser, zur Ablenkung mal wieder eine Geschichte im Selfpublishing zu veröffentlichen … ;-)
      Weißt, ich meine, mein Blog war so ursprünglich als gedanklicher “Überlauf” gedacht, aber der ist jetzt verstopft, so dass das eben nicht mehr funktioniert wie angedacht, daher …
      Aber ich schreibe hier trotzdem immer, was ich meine… Denn wer nicht schreibt, was er meint, kann nicht meinen, was er schreibt. Klar, ja?

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