Die Geschichte von Schwarzland

Es war einmal ein Land, ein sehr reiches Land …

Ja, es ist eine Parabel. Ich bitte, dies zu beachten. Gut, ich fange noch mal neu an. Meinen Gedankengang bitte nicht unterbrechen!

In Mittelerde gab es einst ein wohlhabendes Land mit einer wechselvollen Geschichte. Dieses Land hieß Schwarzland. Die Schwarzländer wurden in der Fremde zwar nicht unbedingt geliebt, aber aufgrund ihres Fleißes, ihrer Leistungsbereitschaft und vielfältigen Errungenschaften respektiert, bewundert, oft auch beneidet. Seltsamerweise verachtete oder gar hasste ein Teil der eigenen Landsleute aus urschuldlichen Gründen ihre schwarzländische Heimat. Sie fühlten sich dadurch den anderen Schwarzländern moralisch überlegen und hätten das ganze Schwarzland am liebsten gleich abgeschafft. Manche verstanden sich auch gar nicht mehr als Schwarzländer, sondern nur noch als Erdlinge oder Weltenbewohner. Freilich wollten sie auf die Schwarzländern gewährten Vorteile, etwa eine staatliche Alimentierung und dergleichen auch nicht verzichten. Dies wirkte natürlich immer etwas befremdlich auf Besucher aus anderen mittel-, nord- und süderdischen Ländern, die nicht im Traum daran gedacht hätten, ihre nationale und kulturelle Identität je aufzugeben. Sie konnten über derlei Narretei nur den Kopf schütteln. Nun, aber im Großen und Ganzen blieb es doch friedlich, und die Bewohner des mittelerdischen Landes hatten sich untereinander und mit ihren Nachbarn versöhnt und lebten seit Jahrzehnten glücklich und zufrieden vor sich hin. Man gab dem Kaiser, was des Kaisers war, und hielt sich möglichst aus allen Streitigkeiten heraus. Und so hätte es vielleicht auch bleiben können, wenn man von unvermeidbaren Veränderungen durch den mittel- und globalerdischen Handel und Wandel absieht. Viele fleißige und lebensfrohe Schwarzländer gründeten Familien und bekamen zum Wohlgefallen der Obrigkeit auch kluge und ebenso leistungswillige Kinder. Kinder, die künftigen Dienst- und Fronleistenden, waren schließlich unabdingbar zur Aufrechterhaltung der schwarzländischen Steuer- und Versorgungssysteme. Der mediale Hofstaat wurde nicht müde, diese Notwendigkeit zu betonen. Im Laufe der Zeit verweigerten sich allerdings viele Untertanen dem archaischen Gebärkult, so dass die Vermehrungsraten die von der Obrigkeit gesetzten Zielquoten deutlich verfehlten. Das Land schien den Untertanen mittlerweile zu klein, es gab zu wenige Behausungen und Aufzuchtstationen, die Arbeitsplätze waren trotz gegenteiliger Verkündigungen knapp und oft schlecht bezahlt, so dass die schwarzländischen Untertanen immer weiter verarmten, je wohlhabender ihr Staat wurde. Je reicher der Staat, desto ärmer seine Bürger, so lautete das eherne Gesetz der quasi staatlichen Schwarzwirtschaft. Aber das war nicht weiter schlimm, solange der schwarzländische Staat für seine Bürger sorgte. Die langjährige gütige Herrscherin hatte (wie auch ihre Vorgänger) ein implizites Versprechen abgegeben, all ihre Untertanen zu hegen, zu pflegen und zu beschützen, sollte ihnen größeres Leid zustoßen oder Unglück widerfahren. Im Gegenzug durften ihre Untertanen freilich nicht aufsässig werden und mussten einen im Laufe der Jahre zunehmenden Anteil ihres Einkommens oder Lohns an die schwarzländische Staatskasse abtreten. Aber auch dies war nicht weiter schlimm, denn die meisten Untertanen hatten sich mehr oder weniger mit den herrschenden Zuständen arrangiert und sich daran gewöhnt.

Die Herrscherin von Schwarzland war eine sehr gläubige, wohlmeinende Frau, die es als ihre Pflicht ansah, Gutes zu tun. Im Namen und auf Kosten aller Schwarzländer, denen es doch unverdienterweise – wie sie dachte – so gut ging. War denn der Wohlstand des Landes nicht ein Gottesgeschenk, von dem man einen Teil abgeben musste, so wie es auch die obersten Prediger ihrer Religionsbehörde empfohlen hatten? Es herrschte doch mittlerweile so viel Elend, Krieg und Armut auf dieser Welt, dass der Herrscherin beim opulenten Abendmahl immer die Tränen kamen. Indem man den schwarzländischen Wohlstand teilte, könnte man doch die Übel dieser Erde bekämpfen? Gesagt, getan. Man gab Geld, dann mehr Geld und noch mehr Geld, aber es reichte nicht aus, um all das Elend zu beseitigen. Säcke voller Gulden und Taler wurden regelmäßig aus Schwarzland herausgeschafft und in aller Welt an Bedürftige verteilt. Es war jedoch nie genug. Nein, das Elend wurde erstaunlicherweise immer größer. Die Preise stiegen. Viel Geld versickerte oder wurde verschwendet, Korruption grassierte, nur die schwarzländischen Steuerzahler ächzten unter der steigenden Belastung.

Eines Tages, so wird berichtet, kam der Herrscherin die zündende Idee, die schwarzländischen Grenzen vollends zu öffnen und jeden armen Menschen willkommen zu heißen, der kommen wollte. Wenn das Elend nicht im Ausland bekämpft werden kann, müssen wir das Elend eben zu uns kommen lassen, um es direkt vor Ort zu beseitigen, so dachte die weise Herrscherin. Schließlich herrschte sie über ein unermesslich reiches Land. Da stand man in der Pflicht, allen zu helfen. Selbst Zuwanderer aus dem fernen Bösistan oder Satanistan, so fremd und feindlich gesinnt sie uns auch sein mögen, bewiesen schon allein durch ihr Kommen, wie leistungswillig und ehrgeizig sie waren. Zudem würden sie sich schnell vermehren und das Geburtendefizit der alternden schwarzländischen Bewohner ausgleichen, die ohnehin entbehrlich waren. Dann würde wieder alles passen, und die Welt wäre ein besserer Ort. All diese Menschen werden es uns sicher gleichtun und so werden wie die braven Schwarzländer. Ein Geschenk des Himmels sind die Fremden, so sprach die Herrscherin auch noch, als man sie später abholte und in eine Zwangsjacke steckte.
Aber für Schwarzland war es da bereits zu spät. Es existierte nicht mehr. Die meisten einstigen Bewohner hatten ihre einstige Heimat aufgegeben, waren in alle Winde zerstreut, sofern sie noch lebten. Und Jahr für Jahr wuchs das Elend auf der Welt.

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4 Antworten auf Die Geschichte von Schwarzland

  1. Philipp sagt:

    Ich weiss nicht was Ich von dem Text halten soll. Ehrlich.

  2. DarkLord sagt:

    Interessante Art, es in eine Parabel zu packen. Aber irgendwie ist das Bild nicht so stimmig, mir fehlt da noch das gewisse Etwas. Eine Parabel … mhmm. Die sieht irgendwie, anders, aus.

    • Max sagt:

      Ja, muss ich zustimmen, nachdem ich es mir mit Abstand nochmal durchgelesen hab. Es ist zu direkt für eine Parabel. Vielleicht nur eine parabelhaft maskierte Meinungsäußerung, ohne implizite Lehre, die eine gleichnishafte Geschichte in verschlüsselter Form enthalten müsste. Oder erkennt man etwa eine? Das hätte einem der/die Deutschlehrer(in) wahrscheinlich um die Ohren gehauen. Thema verfehlt, Setzen 6, Kopfnuss gratis (damals), Verweisung an den Schulpsychologen (heute) ;-)
      Aber gute Parabeln sind eh schwierig (zu schreiben und zu verstehen) …

  3. Max sagt:

    Ja, was mir gerade einfällt. Es fehlte auch der Bezug zu einer konkreten Gesprächssituation, in der man eine Parabel jemandem erzählt, um etwas verschlüsselt auszudrücken – na ja, nur dann kann man sie entsprechend deuten und als Rat oder auch Handlungsempfehlung/Warnung wie auch immer auslegen.
    Das ist hier nicht der Fall..
    Wiederum fällt mir eben ein, wo einige spitzenmäßige Parabeln erzählt wurden. In der TV-Serie “Fargo”, und da erschloss sich der Sinn auch nur im Kontext der Handlung.
    Na ja, spannende Sache, aber danke für euer Aufmucken ähm eure Resonanz! ;-)

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