Die heutige Topfkuch-Story

Tram in BerlinTypische Nichtmeldung aus der heutigen Lokus-Presse. Bin über Google News drauf gestoßen, da ich ja meist nur noch die Schlagzeilen lese. Ich würde ja fast schon wetten, dass diese Story erlogen ist, obwohl ich mich da natürlich etwas weit aus dem Fenster lehne. Stinkt jedenfalls. Angeblich habe da eine Frau gehört, wie eine Vierzehnjährige behauptet habe, ein Straßenbahnfahrer habe sie angeblich wegen ihres Kopftuchs aufgefordert, die Bahn zu verlassen. Aufgrund dieser auf reinem Hörensagen (vielleicht auch einem Hörfehler oder akustischen Missverständnis) beruhenden Behauptung einer bewegten Frau hat nun der polizeiliche Staatsschutz Ermittlungen aufgenommen.
Man achte auf das Muster, das sich so oder ähnlich oft wiederholt: Ein (weibliches) Kind behauptet irgendetwas Empörendes, was ein Mann gesagt oder auch getan habe (gern wird dies heutzutage von einer engagierten Frau, Typ Kindergärtnerin, noch ausgeschmückt und durch Mutmaßungen angereichert). Die Anschuldigung aus zweiter Hand wird von der Pressemeute sogleich aufgegriffen und aufgeblasen. Dankbarerweise lässt sich dann an der Legende vom fiesen Deutschen, dem tumben Fremdenfeind oder abgehängten Rassisten oder den (für Ausländer) angeblich so gefährlichen No-Go-Areas weiterstricken (es sei mal erinnert an den Trubel um das vor Jahren ertrunkene Kind in Sebnitz, an erfundene Hakenkreuz-Ritzereien oder den von einem anderen Flüchtling erstochenen Migranten in Dresden vor zwei Jahren). All diese Fälle wurden doch von merkeltreuen Medien sofort instrumentalisiert und dem rechten Lager angelastet. Es folgten wochen- und monatelange Aufreger, Bekenntnisse und Lichterketten gegen angebliche Fremdenfeindlichkeit und dergleichen üble Gesinnungen – die tatsächliche Aufklärung der Fälle (oder Dementis) haben nur wenige wahrgenommen. Die Botschaft hatte sich längst eingeprägt, tatsächlich ist sie (wie oben) im Moment des Lesens angekommen. Obige Nichtmeldung passt ins Schema – es ist das Spiel auf der üblichen Empörungsklaviatur, auch um von den skandalösen Zuständen in Berlin abzulenken etc.
Meine unverbindliche Einschätzung: Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass hier in Berlin ein Straßenbahnfahrer, der noch halbwegs bei Verstand ist, ein Mädel wegen ihres Kopftuchs aus der Bahn werfen sollte. Bullshit, Bullshit, Bullshit. In Berlin wohlgemerkt, wo Multikulti-Verkleidungen in den meisten Bezirken zum gewohnten und täglichen Straßenbild gehören. Ist ja nicht so, dass so ein Anblick hier exotisch wäre, wo Polizisten bestimmte Straßen in Hundertschaftsstärke betreten müssen, wo man sich stellenweise im Orient wähnt und die Fahrer froh sein müssen, wenn sie jeden Tag unbeschadet und unverletzt ihren Dienst verrichten können. Da soll sich ein Tram-Fahrer wegen eines Kopftuchs mokiert haben? Ist doch völlig lächerlich. Glaube ich nie im Leben (jedenfalls nicht aufgrund solch eines Berichts). Vielleicht hat der Berliner Fahrer auch irgendwas Nettes oder auch Flapsiges gesagt, was missverstanden wurde. „Berliner Schnauze“, you know? Aber bin mal gespannt, ob man zu dem Fall nochmal was lesen wird.

Quelle: http://www.focus.de/regional/berlin/trambahn-in-berlin-strassenbahnfahrer-soll-14-jaehrige-wegen-kopftuch-rausgeworfen-haben_id_6276681.html

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3 Antworten auf Die heutige Topfkuch-Story

  1. FDominicus sagt:

    Manche benutzen den Ausdruck: Lückenpresse….

    • Max sagt:

      Stimmt, kenn ich auch. :-) Hatte nicht Michael Klonovsky ursprünglich diesen Begriff geprägt?
      Auch so betrachtet: Die Macht der Presse zeigt sich darin, was sie verschweigt.

  2. Max sagt:

    Nachtrag/Auflösung: http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/berlin-friedrichshagen-maedchen-laut-bvg-wegen-doener-aus-der-tram-geworfen/14918966.html
    Der Klassiker schlechthin:
    Ein Mädel mit Kopftuch sei, so berichtet ein anderes Presseorgan, vom Fahrer mehrmals angesprochen und aufgefordert worden, ihren (vor Sauce triefenden) Döner nicht in der Bahn zu essen (ist hier nicht erlaubt).
    Das Mädel entschied sich, lieber auszusteigen. Schien aber schon genau zu wissen, welche Knöpfe man drücken muss, um die Empörungsmaschinerie auszulösen. Man sollte sich künftig genau überlegen, ob man auf die Erwähnung eines Kopftuchs als Unterscheidungsmerkmal bei der direkten Ansprache nicht lieber verzichten sollte…
    Sie da hinten mit dem Kopftuch – geht ja gar nicht …

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