Die Joggerin im Gebüsch

Mir kam gerade der Gedanke, dass die einzigen beiden großen Nationen (und hoch entwickelten Volkswirtschaften), die sich gegen die Segnungen der Islamisierung und unkontrollierten Einwanderung aus muslimischen und/oder afrikanischen Ländern sperren und sich davor zu schützen wissen, nämlich China und Japan, zugleich auch laizistische Gesellschaften ausgebildet haben, die frei von christlicher Einflussnahme auf Politik und veröffentlichte Meinung sind. In Japan stellen Shintoismus und Buddhismus die Hauptreligionen, während in China u. a. Daoismus, Buddhismus, Konfuzianismus, Schenismus und Taoismus vertreten sind. Bezeichnend ist vielleicht auch, dass es sich da um keine strengen oder dogmatischen Religionen/Ideologien handelt, sondern Glaubensrichtungen, die eher sozialethische Grundsätze, spirituelle Heilslehren, Lehrtraditionen, Volksglauben usw. verkörpern. Christentum hat dort historisch gesehen keine Tradition. Ich frage mich gerade, ob künftige Generationen daraus vielleicht einen Zusammenhang konstruieren würden, wenn gerade jene Völker ihre Kulturen bewahren und als Nationen letztlich überleben könnten, in denen christliche Kirchen nie einen Fuß in die Tür bekommen haben. (Osteuropa bzw. die Visegrad-Staaten z. B. Polen würde ich erstmal ausblenden.)

Ich hatte ja schon in einigen früheren Beiträgen gefragt, warum christlich geprägte Länder der Islamisierung keinen nennenswerten Widerstand entgegensetzen und warum es gerade die christlichen Amtskirchen sind, die sich als eifrige Befürworter und aktive Unterstützer einer unregulierten, illegalen (und vornehmlich durch islamische und tribalistische Strukturen geprägten) Einwanderung an der Zertrümmerung tradierter westlicher Gesellschaften beteiligen. Man kann natürlich drüber streiten, wie stark der christliche Einfluss im Westen jetzt überhaupt noch ist, aber es geht mir da eher um überlieferte Normen, Werte und Einstellungen, die unser Bewusstsein allgemein geprägt haben.

Das institutionalisierte Christentum wirkt in unserer multikulturellen Gesellschaft durch seine Pazifizierung und den von der Kirchenführung propagierten Verzicht auf die Verteidigung der eigenen Kultur gesellschaftlich destruktiv – als beschleunigender Faktor in der Endphase eines Prozesses, den man als aktive Selbstauflösung deuten könnte. Ein Prozess, der auch nicht erst mit der bedingungs- und alternativlosen Grenzöffnung begonnen hat, sondern schon Jahrzehnte früher. 2015 wurde da lediglich der Turbo gezündet.

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In diesem Zusammenhang erinnerte ich mich an ein Buch, das ich vor einigen Jahren las. Frank Lisson, „Die Verachtung des Eigenen – Ursachen und Verlauf des kulturellen Selbsthasses in Europa“, 2012 erschienen. Der Autor kommt darin zu dem Schluss, dass der Keim für den Niedergang der europäischen Kulturen schon in ihren Wurzeln angelegt ist, d. h. in der europäischen Religionsprägung. Dieselben kulturellen Kräfte, die einst den Aufstieg der europäischen Gesellschaften ermöglicht haben, seien es, die jetzt ihre eigene Infragestellung, passive Selbstvergessenheit und schließlich aktive Selbstauflösung befördern.
Ein m. E. wichtiger Punkt war, dass das Christentum den Menschen die Vorstellung von der Sündhaftigkeit des Menschen eingepflanzt hat, so dass der (gläubige) Mensch dem christlichen Dogma von der Erbsünde und einer abstrakten unauslöschlichen Schuld nicht entrinnen könne.
„Wer ein Bewusstsein für die Sünde entwickelt hat, steht in einem anderen Verhältnis zu sich und der Welt als jemand, dem ein solches Bewusstsein fehlt. Das Abendland hat den Begriff der Sünde bis ins Pathologische verfeinert und ihm dadurch jene Tiefendimension gegeben, die den kulturellen Selbsthass als kollektiv tradiertes Wesensmerkmal europäischen Denkens psychologisch begründet. Im Zentrum dieses Denkens steht die Frage nach der Schuld. Und schuldig ist nach jüdisch-christlicher Vorstellung prinzipiell jeder, sobald er die Freiheit hat, „Böses“ zu tun, das heißt, sobald er weiß, was gut und böse ist, also seit der Vertreibung aus dem Paradies.“
„Denn jeder Mensch ist „schuldig“ durch die Freiheit, die ihn zur Unvollkommenheit verurteilt, sobald er davon weiß.“ (F. Lisson, S. 169, 170)
Der Sozialdemokrat als “postkultureller Nachfolger des Christen” 
hat dieses Denken übernommen.
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Hat das europäische Christentum letztlich Flagellantenkollektive produziert, weinerliche saturierte Gesellschaften, denen im Laufe der Generationen die Kraft zur Selbstbehauptung abhanden gekommen ist? Natürlich wird die niemand daran hindern, sich abzuschaffen. …

„Der Mensch erblindet buchstäblich für die eigene Lage, in der er sich befindet. Oder er kann daran einfach nichts Negatives mehr erkennen. Er fragt: Was ist denn so schlimm daran, wenn wir, die Schuldigen von diesem Planeten, den wir mit so viel Unglück, Krieg und Unterdrückung überzogen haben, endlich verschwinden oder in einer Weltgesellschaft aufgehen, in der uns niemand mehr beachtet, weil wir ununterscheidbar geworden sind?“ (ebd. S. 168)
Da Chinesen und Japaner mangels jüdisch-christlicher Prägung an derlei Dogmen nicht glauben, sind ihnen unsere unbewusst ererbten Schuld- und Bußkomplexe fremd. Sie teilen den christlichen Glauben nicht, fühlen sich somit auch nicht schuldig für all das Elend auf der Welt und sehen keinen Grund, ihre Kulturen aufzugeben und ihren Lebensraum preiszugeben. …

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2 Antworten auf Die Joggerin im Gebüsch

  1. FDominicus sagt:

    “Sie teilen den christlichen Glauben nicht, fühlen sich somit auch nicht schuldig für all das Elend auf der Welt und sehen keinen Grund, ihre Kulturen aufzugeben und ihren Lebensraum preiszugeben. …”

    Da habe ich ja was mit denen gemeinsam ;-)

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