Don Alphonso und Birgit Kelle

Eine Podiumsdiskussion zum Thema „#Metoo statt Freiheit für Frauen“. Ich las darüber andernorts einen recht ausgewogen klingenden Bericht (bei Danisch) und stieß dann auf einen Artikel in der Welt. Frappierend, wie unterschiedlich Schwerpunkte gesetzt werden. Systempresse (Welt): Totalausfall (wie nicht anders zu erwarten). Der einleitende Satz gibt die Zielrichtung vor und schlägt grobe Pflöcke ein:

20.01

„Galionsfiguren der Provokationsindustrie“ – dieser einprägsame Begriff wird später noch einmal wiederholt, damit es auch der dümmste Leser checkt. Und Ergebnisse gab es natürlich auch kaum, wie auch nicht anders zu erwarten von solchen hölzernen Figuren, die auf den Schlachtkreuzern der Provokationsflotte an den Bug genagelt wurden … Eine von vielen wirksamen Methoden zur medialen Bekämpfung oppositioneller Meinungen (sofern man diese nicht einfach ignorieren kann) besteht darin, missliebige Positionen ohne Befassung mit der eigentlichen Sache von vornherein auf mehr oder minder subtile Weise abzuwerten, indem man Personen als solche diskreditiert, ihnen die Seriosität abspricht und es somit dem Leser überlässt, deren Meinungen für irrelevant zu erklären.

20.10.2

Diese Birgit Kelle und ein gewisser Don Alphonso seien also „Galionsfiguren der Provokationsindustrie“ (ganz originell; ein echter Schenkelklopfer), und letzterer sei ohnehin (laut Zitat eines vorgeblichen Linguisten) der „skandalträchtigste Blogger“. Wüsste nicht, welche Skandale der (liberalkonservative) FAZ-Blogger vom Tegernsee Don Alphonso verursacht hätte, aber vielleicht ist mir da auch was entgangen. Die Aufdeckung und Widerlegung der infamen „Oktoberfestlüge“ kann ja wohl nicht gemeint sein oder? Vielleicht hat ihn der Welt-Journalist auch mit dem kleinen Akif verwechselt?

Oder ist nicht eher dieser Schluss naheliegend: Wer als journalistische Null klug und pointiert schreibenden Leuten vom Schlage einer Birgit Kelle und eines Don Alphonso nicht das Wasser reichen kann und von einer ehrlichen Behandlung der Ursachen für die zunehmende Unfreiheit von Frauen ablenken will, unterstellt halt einfach, diese Skandalnudeln hätten es eh nur auf Provokation abgesehen. Gut zu wissen, was Presseluschen heutzutage unter objektivem Journalismus verstehen. Der Grund für all die Heuchelei und Hinterfotzigkeit (großer Teile) der Pressemeute? Feigheit? Die Feigheit, sich sein eigenes, ungeheures Versagen einzugestehen?

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2 Antworten auf Don Alphonso und Birgit Kelle

  1. R. Metzger sagt:

    Unangefochten als Provokateur ist Henryk M. Broder die wahre und einzige Galionsfigur! Birgit Kelle ist eine emanzipierte Frau, die auf ihr Recht pocht, Frau zu bleiben. Und Don Alphonso pocht auf die Traditionen, auf denen der Fortschritt erwächst. Was den Bayern übrigens besser gelingt als den anderen Bundesländern.

    Die FAZ hat leider das Konservative weitgehenst verloren. Einige wenige nichtlinke Artikel dienen nur dazu, konservative Leser bei der Stange zu halten. Diese Strategie gelingt den ehemaligen Leitmedien aber immer weniger. Einzig bei der WELT sehe ich momentan bei Teilen der Redaktion ein gewisses Umdenken. Nur ein Strohfeuer?

    • Max sagt:

      Ja, unterschreib ich alles. Stimmt natürlich, Henryk M. Broder … könnte man vielleicht sogar tatsächlich als (ungekrönten) König (ach nee, mal nicht übertreiben, sagen wir Meister) der Provokation bezeichnen. Oh ja, beherrscht er meisterhaft. Hatte ich in dem Kontext gar nicht dran gedacht, weil schon eine Weile nichts von ihm gehört o. gelesen ;-) Der WELT würde ich gelegentlich eine Art taktisches Manövrieren unterstellen – ist aber auch nur eine Vermutung, die ich nur von der Seitenlinie mal in den virtuellen Raum stelle …

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