Jenseits der Zeilen

Der Einsatz verschleiernder sprachlicher Codes geht auch mit allmählichen semantischen Verschiebungen einher. Die Bedeutung bestimmter Wörter bzw. Begriffe verändert sich allmählich. Wer z. B. in Polizeiberichten ständig dieselben Schlüsselbegriffe (Trigger) liest, weiß intuitiv Bescheid. Da braucht es die Kunst des Lesens zwischen den Zeilen nicht mehr. Lest euch mal folgende Begriffe durch (Kontext steht in Klammern): Großfamilien (gehen mit Eisenstangen aufeinander los), Schubser (stoßen Leute auf die Gleise oder die Treppen hinunter), Grabscher (vergewaltigen und belästigen) und Antänzer (rauben), Rangelei, Streitigkeit (stattgefunden in der Notaufnahme eines Krankenhauses), Familienstreit, Polizeieinsatz bei Hochzeits-/Familienfeier, ein psychisch gestörter Einzeltäter, ein „gebürtiger“ Deutscher, Däne, Engländer – was stellt man sich da vor seinem geistigen Auge vor? Traumatisierte Menschen, die Hilfe brauchen. Fachkräfte! Need I say more? Auch (oder gerade) im Zeitalter der massenmedial geprägten Wirklichkeitskonstruktion kann jede verharmlosende, diskriminierungsfreie oder neutral gemeinte Begrifflichkeit oder Bezeichnung letztlich doch nur die Realität (auf der Straße) abbilden, so dass man z. B. das Wort „Großfamilie“ jetzt naturgemäß mit einem arabischen, türkischen oder libanesischen Familienclan assoziieren würde. Stimmt’s oder hab ich Recht? Das Sein bestimmt das Bewusstsein, und das Bewusstsein prägt die Semantik. Terminologische (im Kopf bestehende) Widersprüche lösen sich im Alltag auf. Lasst mal jemanden aus eurem Freundeskreis z. B. in Berlin beschreiben, was er sich unter einer „Großfamilie“ oder „Gruppe junger Männer“ vorstellt, die sich eine „Rangelei“ liefern. Eben, eine typische Großfamilie und eine im Stadtbild typische Gruppe junger (Respekt einfordernder) Männer. Fazit: In der BRD braucht man eigentlich nicht zwischen den Zeilen zu lesen. Es reicht, mit geöffneten Augen durch die Stadt zu gehen. Apropos: Und nie vergessen, ein frisches Paar Hofmann-Linsen (oder ne Sonnenbrille mit Hofmann-Gläsern) zu tragen. An die Kopfschmerzen gewöhnt man sich.

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8 Antworten auf Jenseits der Zeilen

  1. FDominicus sagt:

    Tja und kaum geht der eine Schock etwas zurück.
    https://no-hate-speech.de/

    Na denn, schauen Sie mal auf die “üblichen Verdächtigen”. Alles auch dank Ihrer Steuern und (leider) meinen auch…. Eine Option beim dem Wahnsinn nicht mitzumachen oder mitzubezahlen habe ich nicht. Es lebe der #deutsche #denunziant

    • Max sagt:

      Zum Glück bin ich nett. Da betrifft mich das ja nicht. Wenn ich nicht nett bin, ist das nur ein Schrei nach Liebe oder so ähnlich … ;-)

      • FDominicus sagt:

        Was mich irritiert auf der Seite ist ein Sticker der lautet:
        Bundestrollamt für gegen digitalen Hass.

        Und die Verlinkungen, man mir wird schlecht….

        • Max sagt:

          Ja, Bundestrollamt gegen digitalen Hass. Ist eine Joke- oder Fake-Site oder nicht? Na, kann man nie wissen heutzutage. Was gestern noch Satire war, wird heute Realität. Aber sogar in “leichter Sprache” verfügbar, sehr vorbildlich.

          • FDominicus sagt:

            Ich befürchte nein. Die Seite gibt es schon länger und die Verlinkungen zeigen, die meinen es ernst. Mir wird schon wieder schlecht oder war es immer noch?

  2. Max sagt:

    Na ja, ich halte ja die meisten Leute für schlau genug, um diesen Schwachsinn zu durchschauen. Um die jüngeren tut’s mir halt leid, wenn die keine Eltern haben, deren Gehirn noch nicht vernebelt ist.
    Hatespeech und Fake News sind nur rhetorische Kampfbegriffe, die natürlich selektiv angewendet, d.h. immer nur der einen Seite zum Vorwurf gemacht werden sollen. Das wird jetzt mit hohem medialen Aufwand vorbereitet und als “neues” Konzept eingeführt. Ein “neues” Phänomen erfordert folglich auch neue Bekämpfungsmethoden, mehr Steuergeld, neue Straftatbestände, ja? So kann man das rechtfertigen, denn Hatespeech usw. das wird ja als neue große Gefahr dargestellt, die es bislang nicht gab…
    Eigentlich ist das alles so absurd, dass das schon gar keinen Blogeintrag mehr lohnt, höchstens mal einen Kommentar. ;-)
    All das, was sich hinter diesen Begriffen verbirgt, gab es schon immer in jeder menschlichen Gesellschaftsform (starke emotional begründete Ablehnung, scharfe Polemisierung, Diffamierung, Beleidigung, Verbreitung von Falschmeldungen und Gerüchten, Fälschung von Fotos).
    Die Maskierung unscharfer (künftiger) Repressionsmittel durch diese englischsprachigen Begriffe, die da in den letzten Jahren aus dem Hut gezaubert wurden, soll die Leute verunsichern und einschüchtern.

    • FDominicus sagt:

      “Na ja, ich halte ja die meisten Leute für schlau genug, um diesen Schwachsinn zu durchschauen. ”

      Das Wahlverhalten widerspricht Ihnen.

      • Maxx sagt:

        Tja, stimmt schon. Wahrscheinlich (oder möglicherweise) bringen aber viele Leute reale negative Aspekte und Auswirkungen – sofern sie überhaupt davon betroffen sind – aber auch gar nicht in Verbindung mit ihrer Wahlentscheidung für eine “Partei”.
        Die meisten (wollen natürlich gute Demokraten sein und) wählen ohnehin gewohnheitsmäßig so, wie sie immer schon gewählt haben oder nach Bauchgefühl oder nach Sympathien für die “Personen”, nicht unbedingt Parteien, aber Spitzenkandidaten, die ihnen ja täglich in den Medien von ihrer Schokoladenseite präsentiert werden. Die nette Frau Merkel, der resolute Herr Schulz/Gabriel/Steinbrück/-meier (austauschbar), der Klartext redet, der umweltbewusste Grüne, der gerechte Linke etc. pp. Das sind Grundstimmungen und Emotionen, von denen sich Wähler leiten lassen.
        Aber dumm sind die Wähler deswegen eigentlich nicht, meine ich …. die raffen das (zumindest in Teilen) schon, aber verhalten sich opportunistisch oder sind politisch desinteressiert.
        Und ganz viele Leute profitieren ja gerade von den herrschenden Zuständen … die haben ja schon gar kein Interesse mehr an Veränderungen. Aber “Gedöns” und Geschwafel lassen die alle an sich abperlen.

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