Lehrer-Blues

Stichwort: Verfall und Niedergang der Institutionen.
In Berlin ist wohl der Lehrermangel mittlerweile so groß, dass Nachwuchslehrer und für den Schuldienst angeworbene Quereinsteiger im Schnellverfahren nur noch von unerfahrenen Berufsanfängern ausgebildet werden können, schreibt der Tagesspiegel.
Das letzte Aufgebot an der Bildungsfront. Dazu bestimmt, verheizt zu werden. Die können einem echt Leid tun. Lehrerbildung in den Händen von Leuten, die selbst noch grün hinter den Ohren sind. Kann natürlich nicht gut gehen und lässt für die Zukunft nichts Gutes erahnen. Hat wiederum aber auch handfeste Gründe, warum gerade im rotgrünen Berlin kaum jemand mehr Lehrer spielen will …


Nach dem Krieg wurden mangels geeigneten pädagogischen Personals in der späteren DDR auch massenweise Quereinsteiger eingestellt. Neulehrer nannte man die. Die verfügten aber zumindest noch über wertvolle Lebenserfahrung, bekanntlich durch nichts zu ersetzen … Als ich in den 70ern und 80ern zur Schule ging, arbeiteten da auch noch einige Neulehrer, die damals natürlich schon etwas älter waren – eben ehemalige Quereinsteiger. Diese Neulehrer konnten zuvor alles Mögliche gewesen sein – Flakhelfer, Arbeiter, Bauern, oder auch mal Akademiker ohne pädagogische Vorbildung, die man nach dem Krieg in kurzen, mehrmonatigen Kursen zu Lehrern ausgebildet und dann auf die Schüler losgelassen hatte. Viele von denen sind dann auch später im Schuldienst geblieben. An einen dieser Lehrer erinnere ich mich heute noch oft. Der konnte halt nicht unterrichten, aber die richtige Gesinnung hatte er, und mit der konnte man damals mangelnde didaktische Fähigkeiten und fachliche Lücken überspielen. Heute sicher auch, nehme ich mal an. Als Pädagoge war er wahrscheinlich ein Totalausfall, also nach heutigen didaktischen Maßstäben war sein Unterricht eine ziemliche Katastrophe, trotzdem oder vielleicht gerade deswegen erinnere ich mich bis heute noch an ihn. Bei vielen anderen Schülern hat der auch einen bleibenden Eindruck hinterlassen, wie ich weiß. Der unterschied sich halt auch deutlich von den anderen Lehrern, da er sich eher als Welterklärer, Geschichtenerzähler und Agitator verstand. Streng musste er natürlich zuweilen sein, und eine natürliche Autorität strahlte er auch aus. Ist auch etwas, worauf es bei Lehrern ankommt. Junge Lehrer/-innen hatten es damals übrigens ganz schwer, von uns ernst genommen zu werden. Daher auch meine Skepsis bezüglich der heutigen Berliner Praxis. Ich las auch vor kurzem mal ein Buch eines gefeierten norwegischen Autors, in dem der beschrieb, wie er als frischer Schulabgänger (ohne Ausbildung) ein Jahr als Aushilfslehrer in irgendeinem abgelegenen Ort gearbeitet hat. Das schien dort die übliche Praxis zu sein, da die sonst keine Lehrkräfte gehabt hätten. Hab gerade vergessen, wie der Autor hieß, ist aber auch nicht mehr wichtig. Aus der Schilderung hat man jedenfalls erkannt, wie problematisch es ist, unreife, komplexbeladene und völlig unerfahrene Jugendliche als Lehrer einzusetzen und wie nachteilig sich dies wiederum auf manche Kinder auswirkte. Na ja, andererseits hatten die eben einfach keine anderen Lehrer für diese entlegenen Orte. In Berlin ist ja der Mangel hausgemacht. Na okay, diese Bedarfslücke dürfte bald durch Koranschulen und fähige Imame geschlossen werden.

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4 Antworten auf Lehrer-Blues

  1. FDominicus sagt:

    Bin da nicht so eindeutig festgelegt. Manche Lehrer von heute wären besser nie Lehrer geworden und ich sehe nicht warum es nicht Leute die Lebenserfahrung haben auch mit dem lehren aufnehmen können. Können einem die Lehrer leid tun? Kommt drauf an. Erst einmal gibt es absolut keine Grund warum Lehrer Staatsangestellte sein müßten. Es gibt auch keinen Grund, daß es politische Vorgaben für den Unterricht gibt. Wenn ich an die Sexualerziehung denke, kann einem schon übel werden.

    Ich sehe eine Grundausbildung als wichtig an. Nur braucht es dazu 80 % des Lehrplans von heute nicht – IMHO. Wenn ich daran denke wie Kinder in der Schule darauf gedrillt werden zu “funktionieren” werde ich stinksauer. Wenn ich an Religion oder Sozialwissenschaften denke, sehe ich hier massive Probleme. Wenn ich sehe wie Schulbildung vergöttert wird, kann ich mich des Grausens nicht erwehren.

    Können mir die Lehrer leid tun? Ja denn Sie haben ja keine Kunden, deren Zufriedenheit etwas bedeute sondern müssen anderen Staatsangestellten gefallen. Wozu braucht man da Zensur? Die findet im eigenen Kopf statt. Und da die meisten Lehre links und grün orientiert sind, wird das den Jugendlichen aufgezwungen. Das halt ich für ganz schlecht.

    Nein das nehme ich liebe die Möglichkeit von inkompetenten Quereinsteigern auf mich, dann kommt wenigstens etwas mehr nicht linkes Gedankengut auch unter die Schüler.

    • Maxx sagt:

      Na ja, jemand, der “nicht linkes” Gedankengut vertritt, bewegt sich als Lehrer auf dünnem Eis . Sie wären da wahrscheinlich nicht lange Lehrer, es sei denn, Sie würden sich strikt auf Informatikthemen beschränken … ;-) Heutige Schulen unterscheiden sich da nach meiner Erfahrung nicht groß von den DDR-Schulen in dem Sinne, dass sie Instrumente der staatlichen Propaganda und Indoktrination sind – mit dem Ziel, die Herrschaft über die Köpfe der Jugend zu erringen -> um die Zukunft zu prägen. Und die Leute aus’m Schwarzen Block, die Teddybärenwerferinnen und die jungen SPD/Links/CDU-Wähler – das sind ja in erster Linie auch Produkte “unseres” Bildungssystems. Aus der Generation kommen eigentlich die Kräfte, die für die nächsten Jahrzehnte den Ton angeben werden.

      • FDominicus sagt:

        Oh, ich denke ich wäre ein wirklich brauchbarer Lehrer für Wirtschaft ;-) Auch denke ich mein Politikunterricht wäre besser. Looser wäre ich – leider – in Deutsch. Mathe könnte besser sein. Physik dürfte gehen, Soziologie – ungeeignet. Psychologe, zumindest wären meine Schüler wegen Lachattacken um ihren Schlaf gebracht. Religion Totalausfall eine fiktive Welt in denen man dann logische Aussagen über etwas trifft was man glaubt.

        Ja ich denke Informatik wäre eher eine meiner Stärken Aber auch da würde ich die Leute ziemlich schütteln. Ich schreib mal nur so: Smalltalk, Haskell, Ocaml, Eiffel, D, Prolog, Common Lisp, Scheme, Tcl/Tk, Lua, Assembler ;-) lassen Sie mich mal kramen was ich dazu festhielt: http://www.q-software-solutions.de/blog/2016/11/mal-was-aus-dem-computer-bereich/

        Mir fielen noch ein paar Sachen ein die man auch an der Schule durchaus schon mal hören dürfte. Fremdkapital, Eigenkapital, Rendite statt work balance, Kinderkrippen für die “armen” Mütter, Gesetze und hier dann auch die Überlegungen ob es sich dabei um Recht handelt. Nein ich glaube in einigen Fächern außer Informatik wäre ich durchaus besser geeignet als so mancher “gelernter Lehrer”.

        Dann wäre es wirklich gut in der Schule Sachen zu reparieren, praktisch Arbeit. Wie funktioniert etwas, wie kann ich was reparieren. Ich denke das gäbe es durchaus auch geeignetere Kandidaten als Teile unserer aktuellen Lehrerschaft….

        • Max sagt:

          Natürlich, klar haben Sie Recht. :-)
          Ich wünschte, wir hätten damals solche Lehrer gehabt. Wobei … wir hatten auch hervorragende Lehrer, und es ist ja immer auch etwas wohlfeil oder vielleicht unfair, aus heutiger Sicht, mit dem heutigen Wissen frühere Personen zu kritisieren, die ja in einem anderen zeitlichen Kontext lebten, anderen Befindlichkeiten, Zwängen und Beschränkungen unterlagen. Na ja, da müsste man (eigentlich) viel weiter ausholen, wenn man ein halbwegs objektives Bild vermitteln wollte.

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