Lemminge usw.

MeerschweinchenMeerschweinchen mag ich eigentlich nicht besonders. Die sind zwar süß, aber irgendwie langweilig und verweichlicht. Die Viecher wollen immer nur fressen und faulenzen. Ich betreue manchmal welche von unseren netten Nachbarn, wenn die im Urlaub sind. Das ist schon toll, weil man da noch eine sinnvolle Aufgabe hat, die einen ausfüllt. Arbeiten tu ich ja auch nur so nebenbei, und weil’s uns allen eh so gut geht – dafür danken wir ja jeden Abend dem Herrgott und der Obrigkeit – da mach ich wenigstens noch was für die Tiere. Als Kind hab ich mir übrigens immer ein Kaninchen gewünscht. Leider gab es damals wohl wegen des Fleischmangels keine, nicht mal Zwergkaninchen; und ich hätte in unserer kleinen Wohnung sowieso keins unterbringen können. Futtersituation wäre auch schwierig gewesen. Dieses wunderbar nach bayrischen oder schweizerischen Bergwiesen duftende Heu, was man heute im Supermarkt kaufen kann, das gab’s ja damals auch nicht. Den Duft der großen, weiten Welt, den hätten unsere Kaninchen also auch nicht schnuppern können. Für unsere Nager waren das karge Zeiten, Freunde. Zeitweise hatte ich aber mal eine weiße Maus. Die lebte allerdings nicht lange. Mutter hatte auch gar nichts übrig für Nagetiere.

Lemminge hätte ich auch gern gehabt. Bin aber nicht sicher, ob man Lemminge in Gefangenschaft halten kann. Die sind wohl sehr freiheitsliebend, glaube ich. Echte Lemminge halten übrigens keinen Winterschlaf, wusstet Ihr das? Ja, die sind ganzjährig auf den Beinen, tag- und nachtaktiv und graben sich ca. 30 cm tief in die Erde ein, wo sie für ihre Familien einen warmen Bau anlegen. Sind also auch sehr häuslich und fleißig. Viele Exemplare sind übrigens sehr hübsch bzw. ansehnlich, da sie ein stylishes Camouflage-Fell tragen, das in verschiedenen Erdfarben gemustert ist. Untereinander verständigen sie sich mittels quiekender oder knurrender Laute, ähnlich wie Meerschweinchen, wobei die Stimme der Jungtiere etwas heller klingen soll als die der Elterntiere.
In guten Lemmingjahren kommt es zu einer zweiten Brutzeit bei den Schleiereulen, mit denen sie sich einen Lebensraum teilen. Bekanntlich (man erinnere sich an Twin Peaks) sind die Eulen nicht, was sie scheinen, d. h. (in korrektem Deutsch) sie sind nicht das, was sie zu sein scheinen. Dies jedoch nur am Rande erwähnt. Beide Arten scheinen also in einem gemeinsamen Biotop gut miteinander auszukommen. Hmm, oder sollte es da eine Korrrelation (oder Kausalität) zwischen den schwankenden Populationsdichten beider Arten geben? Die friedlichen Lemminge lassen sich auch gut mit Polarfüchsen vergesellschaften. Füchse mögen Lemminge bzw. deren Fleisch. Lemminge sind sehr genügsame Nagetiere (übrigens verwandt mit den auch hierzulande heimischen possierlichen Wühlmäusen) und ernähren sich von dem, was die heimische Tundra an Essbarem bietet. Sie sind (wohl oder übel) überzeugte Vegetarier und ernähren sich daher vorwiegend von Moosen, Wurzeln und Beeren. Als vitaminreiche Nahrungsergänzung stehen auch aromatische Baumrinden auf ihrem Speiseplan. Sicher würden sie auch nahrhafte Nüsse nicht verschmähen, sollten Papa oder Mama Lemming dieser Köstlichkeiten habhaft werden. Dies dürfte jedoch in der kalten Tundra nur selten der Fall sein. Hingegen sollen Berichte über Massenselbstmorde migrierender Lemminge nach heutigem Kenntnisstand ins Reich der Fantasie gehören bzw. unter das Fakenews-Strafrecht fallen. Schon aufgrund des fehlenden Populationsdrucks dürften solche Wanderungen mittlerweile kaum noch vorkommen. Der oft noch in sozialen Netzwerken von Populisten verbreiteten Legende von Lemmingherden, die sich bis zum letzten Tier von Klippen stürzen würden, soll daher an dieser Stelle noch einmal aufs Schärfste widersprochen werden.

Tunturisopuli Lemmus Lemmus

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