Network

Was die Attraktivität sozialer Netzwerke ausmacht, ist sicher die Möglichkeit, sich auf recht bequeme Weise zu vernetzen und auch zu entfernten Freunden oder Bekannten einen – wenn auch losen – Kontakt über längere Zeit aufrechtzuerhalten. Letztlich sind das oft solche Kontakte, die man früher ohne E-Mail und Internet gar nicht erst geknüpft oder nicht auf Dauer bewahrt hätte, da man sich eben ohne entsprechende Bemühungen zur Kontaktpflege in der realen Welt im Laufe des Lebens aus den Augen verliert. Leute, denen man früher begegnet ist und mit denen man Visitenkarten oder Telefonnummern ausgetauscht hat, die sind damals allmählich aus dem Blickfeld verschwunden, wurden vergessen; man selbst wurde natürlich auch vergessen…

Ich frage mich aber, ob viele Promis oder Parteifunktionäre nicht die potenziellen Reputationsrisiken ihrer Aktivitäten in sozialen Netzwerken unterschätzen, wenn sie diese Plattformen einerseits als wirkungsvolle Marketing- und Werbeplattform, jedoch andererseits auch als virtuellen Stammtisch oder als persönliche Flüstertüte nutzen wollen, um der Welt ihre eigene Meinung als „Privatperson“ kundzutun. Problematisch wird es, wenn sich eine Divergenz zwischen dem von Anhängern oder Nutzern wahrgenommenen bzw. öffentlich vermittelten Bild dieser medialen Gestalt und eben dieser Privatperson ergibt, die sich auf einmal in irgendeiner Weise anders äußert, als man vielleicht erwartet oder erhofft hätte. Obwohl das auch Quatsch ist, denn was erwartet man da schon zu lesen? Wahrscheinlich genau das, worüber man sich dann empören kann.

Immer mehr Promis oder Politiker müssen wohl am eigenen Leibe erleben, was es bedeutet, sich hier sprichwörtlich ins eigene Knie zu schießen. Ein unbedachtes Posting auf Facebook, ein „Like“ bei einer anstößigen Karikatur oder eine schnoddrige Bemerkung getwittert, vielleicht politisch nicht korrekt oder sonstwie der Mainstream-Meinung zuwider laufend, wird sogleich aufgegriffen, genüsslich ausgewälzt und der Meute hinsichtlich einer Prüfung des medialen Empörungspotenzials vorgeworfen. Dann schaut man als unbeteiligter Beobachter nur noch zu, was passiert… Droht es, den Typen ins berufliche Aus zu katapultieren? Knickt er ein und frisst Kreide? Wird er shitstormartig an den Pranger gestellt, egal, ob er zurückrudert? Letzteres, also nicht zu dem stehen, was man geschrieben hat, finde ich persönlich noch unglücklicher oder peinlicher… Aber was geht’s mich an? Bin ja nicht mal bei Facebook angemeldet.
Trotzdem, warum tut man sich als echte oder vermeintliche „Celebrity“ diesen Facebook-Zirkus nur an? Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Leute täglich nur im Netz herumlungern, um irgendwelche Feinde oder Hasssubjekte aufzuspüren, bloßzustellen, eine neue Empörungswelle loszutreten usw. Dann schreibt halt nichts, was Ihr nicht verantworten könnt, oder lasst Eure Seiten extern betreuen und pflegen.

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6 Antworten auf Network

  1. Er hat es schon wieder getan :D

    Aber schön, eine zweite Meinung dazu zu lesen.

  2. Max sagt:

    Danke, Dark Lord. :-) Das Social Network-Ding könnte ich ja auch völlig ignorieren oder links liegen lassen, aber die Brisanz gerade für diesen PR- und Promi-Bereich fand ich mal interessant… Es ist ja schon so, dass manche Äußerungen, die über FB, Twitter etc. von Promis oder Politikern getätigt werden, derart peinlich oder entlarvend sind, dass man sich wundert, wie einfach gestrickt die Leute sind… – und das ist jetzt nicht abwertend gemeint. Aber sonst hätte man aus vorbereiteten Statements, aus der wohlgesinnten Boulevardpresse oder gestellten Interviews nie erfahren, wie die wirklich ticken, ja? Aber damit meine ich nicht den Martin Kesici…

    • Ach weißt Du, was die sogenannten Prominenten aus ihrem Gehirn quetschen interessiert mich überhaupt nicht die Bohne. Ich nehme es dann zur Kenntnis, wenn es denn mal sinnvoll sein sollte, was eben so gut wie nie vorkommt. Was mich eher nervt sind die Netzwerke unter den kleinen Leutchens… Da bekommt man den wahrscheinlich Lebenslauf schon in den ersten 4 Wörtern mit. Facebook wäre da dann gut mit RTL zu vergleichen ;)

  3. Philipp sagt:

    Genau deswegen lass ich den Mist mit FB & Co. sein.

    Davon abgesehen dass Ich keine Lust habe aus den 99,9 % Nonsens Meldungen wie “Kuck mal mein Baby” oder dem millionen mal geteilten “Heftig”-Quatsch das sinnvolle rauszupicken, stimmt es dass man sich da schon ganz dolle die Finger verbrennen kann.

    Ist mir auch schon passiert.

    Ich nutze es wirklich nur zur Pflege alter Kontakte. Ohne einen solchen Kontakt wäre Ich heute übrigens auch nicht in Dresden, also kann es so ganz böse nicht sein.

    Grüße aus Dresden

    Philipp

    • Maxx sagt:

      Ja, das wollt ich auch zum Ausdruck bringen: Es kommt drauf an, wie man es nutzt.
      Nebenbei: Immer interessant, wie das Leben so spielt, denn oft ist es ein bestimmter Kontakt, der u.U. den Unterschied macht, der eine Veränderung im Leben anstößt. Kommt doch oft vor: Eine zufällige Begegnung oder Kontaktaufnahme, die die Richtung deines Lebens verändert, so wie eine Weichenstellung, die einen Zug auf ein anderes Gleis lenkt. Fast so, als ob im Stellwerk des Lebens ein Hebel umgelegt wird, und du weichst von dem gewohnten Weg ab, gehst in eine andere Richtung. Ohne das, also ohne diese Umlenkung wärs natürlich auf dem gewohnten Gleis weitergegangen, vielleicht ein totes Gleis, vielleicht auch nicht… Wobei es natürlich eine bewusste Entscheidung ist, ob man umsteigt… Na ja, fiel mir nur gerade ein.

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