Nr. 261

Letztes Jahr kam ich zufällig mal mit einem Paketboten bzw. Kurierfahrer ins Gespräch, der (nach eigener Aussage) exklusiv für Amazon arbeitete (oder dort angestellt war) und eben nur Amazon-Pakete im Stadtgebiet auslieferte. Weil der sich etwas Zeit nahm und nicht unter hohem Zeitdruck zu stehen schien, fragte ich ihn, ob es sich für Amazon überhaupt rentieren würde, eine eigene Logistikkette bis zum Endkunden aufzubauen, da doch die Versandinfrastruktur der bestehenden Logistiker in Deutschland ziemlich effektiv, engmaschig und auch günstig nutzbar sei. Der Kurier meinte, dass man bei Amazon wegen der hohen Verlustquoten im Paketversand dazu übergegangen sei, Sendungen vermehrt selbst auszuliefern. Muss natürlich nicht stimmen, aber warum sollte der lügen? Fiel mir jetzt nur ein, aber ich kenne ja die genaue Entwicklung der Verlustquoten nicht, kann also auch nur mutmaßen.
Bisher hatte ich Pakete und Lieferungen von Amazon eigentlich immer mit der Post und DHL bekommen. Hab ich immer auch positiv registriert und es als selbstverständlich hingenommen, dass die schnell und zuverlässig ankamen, meist schon am Folgetag.
Dass Amazon einen konzerneigenen Versanddienst aufbaut, konnte ich mir (aus Kostengründen) eigentlich nicht vorstellen.
Was mir aber schon auffiel, war, dass Amazon jetzt verschiedene Versandunternehmen nutzt, Logistikpartner heißen die ja korrekterweise. Kann ich natürlich nicht beurteilen, ob das nur Kostengründe hat.
Ich kam jetzt nur auf das Thema zu sprechen, weil mir dieser Tage tatsächlich wieder eine dicke Sendung von Amazon auf dem Versandwege verloren gegangen ist, die mit einem alternativen Logistikpartner geliefert werden sollte. Scheint also wirklich auch etwas lässiger gehandhabt zu werden im Versandhandel. Die Sendung ist auch nach anderthalb Wochen nicht angekommen; Ersatzlieferung ist nicht möglich, sagt Amazon, d. h. der abgebuchte Betrag wird mir natürlich rückerstattet, aber mehr auch nicht.
Meine Vermutung ist ja, dass Amazon (und andere Konzerne) eben auch irgendwie versuchen, die Logistikkosten auf Teufel komm raus weiter zu drücken, was nun irgendwann auch zu Lasten der Zuverlässigkeit und Lieferqualität geht.
Vielleicht führt’s aber auch dazu, dass das Pendel wieder etwas zugunsten des stationären Einzelhandels ausschlägt?
Wenn eine zuverlässig funktionierende Versand- und Rücksendeinfrastruktur mittelfristig (nur eine Mutmaßung) zu tragfähigen Kosten nicht mehr gewährleistet werden kann oder zu teuer wird, verliert der Online-Handel seine preislichen Vorteile. All dies nur mal am Rande notiert …

Nachtrag: Eine Kuriosität vielleicht noch, dass als „Grund der Erstattung“ in der Gutschriftbestätigung angegeben ist: Artikel kam mit Verzögerung an. Hmm. Der Artikel kam ja eben nicht verzögert, sondern gar nicht an, d. h. Sendung ist auf dem Versandweg verloren gegangen, müsste es heißen. Auch irgendwie seltsam oder? Aber vielleicht geht man davon aus, dass das Paket irgendwann wider Erwarten noch eintrudeln könnte und verzichtet für diesen unwahrscheinlichen Fall vorab auf die dann eigentlich wieder fällige Rückforderung.

Dieser Beitrag wurde unter Notizen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten auf Nr. 261

  1. ocjm sagt:

    Hallo Citronimus
    wir hatten Kontakt auf den Goldseiten.
    Zu deinen Überlegungen darf ich anfügen, das Amazon alle in Deutschland getätigten Geschäfte nur in Luxemburg der Umsatz- und der Einkommensteuer unterwirft.
    Das ist allein im Buchhandel ein Vorteil von rund 20 % gegenüber dem stationären Handel, da es für Bücher eine Preisbindung gibt.http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/4993090/LuxLeaks_Amazon-soll-400-Mio-Steuern-zahlen.
    Bis heute ist der Vorgang nicht abschließend geklärt.
    Grüsse
    ocjm

    • Maxx sagt:

      Ja, ocjm, generell ein großes Thema – (weiß nicht, ob ich das nicht auch schon mal erwähnt hatte), aber ein Fass, das ich hier (in diesem Beitrag) nicht aufmachen wollte: Steuerliche Verlagerungs-/Vermeidungs- und Gestaltungsmöglichkeiten, die primär multinationalen Konzernen zur Verfügung stehen, die daraus folgende Wettbewerbsverzerrung und langfristige Zementierung der Marktmacht weniger Konzerne im Inland, Einflussnahme durch Lobbyisten zwecks weiterer steuerlicher Optimierung etc.
      Aber hier nur mal so nebenbei meine Beobachtung bezgl. Paketversand zum Besten gegeben, weil’s mir in dem Zusammenhang aufgefallen ist … ;-)

  2. Max sagt:

    Apropos … was mir gerade einfiel. Vor einigen Tagen ging auch die Meldung durch die Presse, dass Amazon-Boss Jeff Bezos seine, d. h. “Amazons Lobbyisten in Washington damit beauftragt habe, Gesetzesinitiativen gegen Trumps Einreisebestimmungen auf den Weg zu bringen und Trumps Gegner zu unterstützen …”
    Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Konzerne bzw. deren Bosse (sicherlich nicht nur in den USA) sind bereits derart einflussreich und mit der Politik verwoben, dass sie quasi im Alleingang über Lobbyisten Gesetzesänderungen zu eigenen Gunsten “auf den Weg bringen” und dies (die versuchte politische Einflussnahme auf die Gesetzgebung) offen verkünden können und selbst eine Machtprobe mit dem gewählten US-Präsidenten nicht mehr scheuen müssen.
    Quelle: https://www.welt.de/wirtschaft/article161702998/Mit-Jeff-Bezos-trifft-Trump-auf-einen-maechtigen-Gegenspieler.html

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>