Pfeiffer, setzen, sechs!

Ich find’s ja eigentlich immer etwas peinlich, wenn in den Talkshows, in die ich zufällig kurz reinschalte, SPDler oder sonstige verstrahlte Leute sitzen, die immer wieder den gleichen Stuss in abgewandelter Form erzählen; aufgrund der bekannten Teilnehmerkonstellation hakt niemand ein, es bleibt unwidersprochen, und der Redestrom plätschert weiter. Der Kriminologe Pfeiffer ist z. B. so ein Kandidat, der u. a. unverdrossen immer wieder behauptet, die steigende Migrantenkriminalität läge vor allem in der unterschiedlich hohen Anzeigebereitschaft der Opfer gegenüber deutschen und nicht deutschen Tätern begründet. Je fremder der Täter, desto höher die Anzeigebereitschaft, behauptet er. Das sei der Grund für die Zunahme der verübten  Gewaltdelikte durch Zugereiste, denn die würden von Deutschen viel eher angezeigt, als wenn die Täter Deutsche wären.
Das ist zynisch, menschenverachtend und dreist, denn Pfeiffer unterstellt den Opfern zu ihrem Schaden überdies noch ein unterschwellig rassistisches Verhalten. Betreffende Opfer würden ihre Täter schließlich allzu oft nur anzeigen, weil sie Fremde seien.
Belegen lässt sich die Mär von einer per se höheren Anzeigebereitschaft bei Straftaten von Ausländern ohnehin nicht. Urteilt man nach halbwegs gesundem Menschenverstand eines schon länger hier Lebenden, ist sie auch weder schlüssig noch nachvollziehbar.
Wenn man eine (unterstellte) unterschiedliche Anzeigebereitschaft überhaupt thematisieren wollte, könnte man eher das Gegenteil vermuten, nämlich dass das Anzeigeverhalten der Deutschen gegenüber Fremden zurückhaltender ist als gegenüber indigenen Straftätern. Zwischen Deutschen verübte Straftaten werden meines Erachtens eher häufiger zur Anzeige gebracht als Fälle, in denen ein migrantenbezogener bzw. interkultureller Kontext im Spiel ist. Denn bei „intrakulturellen“ Straftaten (z. B. zwischen Deutschen) hat man ggf. eine deutlich geringere Scheu, einen Täter anzuzeigen, da jener mit rechtlichen Mitteln greifbar ist, gewissermaßen für „satisfaktionsfähig“ gehalten wird – geht man doch instinktiv bzw. ungewollt davon aus, dass Täter und Opfer, die Landsleute sind, einem gemeinsamen deutschen Rechtsverständnis bzw. Regel- und Normensystem unterworfen sind.
Hingegen haben die meisten Deutschen tatsächlich erstmal ein positives Bias gegenüber Fremden. Wenn dem nicht so wäre, würden angesichts der in den letzten Jahren veränderten Bevölkerungskonstellation längst bürgerkriegsähnliche Verhältnisse herrschen. Man ist positiv voreingenommen, (mag sein, vielleicht auch etwas zu naiv und nachsichtig) und gesteht dem Fremden (unbewusst) auch regelwidrige (oft kulturspezifisch begründete) Verhaltensweisen zu, für die man einen deutschen Nachbarn bzw. Täter mit juristischen Mitteln angreifen würde.
Dazu käme auch, dass einheimische Opfer von Migrantenkriminalität aufgrund von Berichten oder Erfahrungen (und beeinflusst durch das allgemeine politische Klima (vgl. auch Kuscheljustiz vs. ausl. Intensivtäter)) zuweilen von einer gewissen Sinn- und Aussichtslosigkeit ihrer Strafanzeige ausgehen dürfen oder eben auch – vor allem im urbanen Umfeld – eine begründete Zurückhaltung im Anzeigeverhalten an den Tag legen, dies gilt um so mehr, wenn der Täter möglicherweise einer „Großfamilie“ angehört oder mit einer solchen verbunden sein könnte. Eingedenk all dieser Faktoren wäre da ein Opfer im Zweifelsfalle nicht eher dazu geneigt, von einer Anzeige abzusehen? Ist also Unsinn, was der Typ erzählt.
Genau wie dies:
„Von 100 Ausländern geht mehr Kriminalität aus als von 100 Deutschen“, sagte Pfeiffer. Das liege vor allem an der altersmäßigen Zusammensetzung der Gruppe der Migranten. Diese Bevölkerungsgruppe sei im Schnitt jünger und männlicher als die einheimische Bevölkerung in Deutschland.“
Klar, keine geeignete Vergleichsbasis. Aber: Warum vergleicht er dann nicht einfach die Kriminalitätsrate von 100 muslimischen Jungmännern mit der von 100 gleichaltrigen deutschen Jugendlichen? Sollte doch ein Kinderspiel sein. Und warum sollte man sich überhaupt damit abfinden, Kriminalität zu importieren?
Nee, Herr Pfeiffer, das war nix. Setzen, sechs!

Dieser Beitrag wurde unter Notizen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten auf Pfeiffer, setzen, sechs!

  1. FDominicus sagt:

    Ende 2015 hielt ich fest: https://www.q-software-solutions.de/blog/2015/11/der-punkt-ohne-umkehr/
    Schon damals waren die Ausländer grundsätzlich krimineller und zwar nicht um Nuancen sondern annähernd 300 % und da hatten wir den Zustrom gerade am kommen, die Statistiken waren aber schon älter. Ich bin mal dran geblieben und hier ging es weiter: http://www.freiewelt.net/blog/fluechtlingskriminalitaet-ii-10070348/
    Komisch, daß ich wohl eher an die Wahrheit herangekommen bin, obwohl ich mit Flüchtlingen so gut wie nichts zu tun habe, außer meine Steuern zu bezahlen. Aber gut das tue ich auf für BER, die Elbharmonie und jetzt auf einmal auch ganz überraschend mehr für Stuttgart 21.

    Sie können gerne auf meinem Blog nachlesen, wie und wann ich den ganzen Kram so behandelte….

    • Max sagt:

      Ja, stimmt. :-( Eine grundlegende Faustregel gilt natürlich immer: Staatliche Maßnahmen (Bauvorhaben, Programme, Entscheide, Gesetze) erweisen sich immer als teurer, länger und wirkungsloser oder sogar schädlicher als angekündigt/befürchtet.

      • Max sagt:

        Hmm, Kritik und Selbstkritik: Ich selbst muss mir doch eingestehen, dass ich mit meinen Prognosen in Bezug auf gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Entwicklungen (in meinem bisherigen Leben) doch etliche Male danebenlag. Man hat einfach nicht alle Einflussfaktoren, Akteure und Interessengruppen auf dem Schirm und kann letztlich nie wissen, welches Gewicht sie jeweils haben und wie einzelne Entscheidungsträger reagieren werden, so z.B. Lehmann-Pleite, Bankenkrise, GR, ESM und schließlich Herbst 2015 – (oder künftig Nordkorea). Konkrete Vorhersagen, sollte ich mal welche äußern, wären also eh mit Vorsicht zu genießen, (besonders dann, wenn sie die Zukunft betreffen). Betonung auf “konkret”. Mir fiel nämlich heute früh vor dem Einschlafen ein, dass ich mich da doch schon einige Male geirrt habe (seit Ende der 80er Jahre) … ;-)
        Die Crux ist ja eigentlich, dass man selbst bei düsteren Prognosen im Innersten hofft, dass sie sich nicht bewahrheiten mögen, ja?

  2. FDominicus sagt:

    “Die Crux ist ja eigentlich, dass man selbst bei düsteren Prognosen im Innersten hofft, dass sie sich nicht bewahrheiten mögen, ja?”

    Ja, ist so.

    “Hmm, Kritik und Selbstkritik: Ich selbst muss mir doch eingestehen, dass ich mit meinen Prognosen in Bezug auf gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Entwicklungen (in meinem bisherigen Leben) doch etliche Male danebenlag. ”

    Wenn ich mir die Situation so anschaue (und da tue ich mit meinem Blog dokumtiert seit nunmehr 9,5 Jahre, hätte ich gerne mit meinen Prognosen ehere daneben gelegen. Aber es ist wie in einem Film den man schon kennt. Egal wie man es sich wünscht es ergibt sich keine Änderung der Handlung.

    Ich war darüber einst mal so sauer, daß ich das Ende eines Buches umschrieb. Das Buch hieß
    Antennenaugust. Ich schrieb das Ende mit einem Filzstift um und damit war’s eine gute Geschichte.
    Was meinen Blog angeht:
    Ich wollte absolut nicht, daß die Geschichte sich so entwickelt wie dort beschrieben. Fakt ist leider, alles negative ist eingetroffen und wurde teilweise noch schlimmer.
    Nur ein Bsp: https://www.q-software-solutions.de/blog/2014/08/blick-in-die-zukunft/
    oder https://www.q-software-solutions.de/blog/2014/01/ausarbeitung-des-vergleichs-2013-1913/

    Und leider auch vorher. Ich quittierte es einst mit: https://www.q-software-solutions.de/blog/2016/12/deutschland-unter-schock/#comment-1611

    Klar kann man behaupten, es läuft doch noch alles. Nur was läuft alles schon nicht mehr?
    1) Verteidigung durch die BW (wohl maximal noch kurzfristigst möglich)
    2) Recht auf Eigentum (ernsthaft?. GÖA, Mietpreisbremse, Mindestlohn, jede Menge EU-Richtlinien für alle Berufe)
    3) Offene Inflation (EZB irgendwo um 1,5 Billoinen und immer noch “druckend”) mit Preisinsflationen in einigen Bereichen
    4) Wie sieht es mit der Sicherheit im Inneren aus?
    5) Überwachungsparagraphen
    6) Aufhebung Bankgeheimnis
    7) Kriminalisierung von Bargeld
    8) Datenaustausch hinter dem Rücken der eigenen Bevölkerung (wie war das noch mit der Empörung um die Überwachung unser GröKaZ? )
    9) Kultivierung der Verantwortungslosigkeit (ganz vorne unsere Politiker, wann genau wurden Politiker für eklatante Mißwirtschaft abberufen. (BER, Nürburgring, Elbphilharmonie, Stuttgart 21, Anschaffung Eurofighter, Neuanschaffung Sturmgewehre, Subventionen für die Solarbranche, bei der nun so gut wie alle dt. Firmen Pleite sind)
    10) Wie war das mit dem der Extrasteuer auf Brennelemente und die dann zwangsweise Abschaltung
    11) Wer kennt noch all die EU-Gesetze?

  3. FDominicus sagt:

    Sorry ich bin es noch einmal, gerade mal in die Anfänge meines Blog geschaut: http://www.q-software-solutions.de/blog/2008/07/einmal-in-deutsch-bitte/. Ich schreib jetzt mal – ohne Kommentar.

Hinterlasse einen Kommentar zu FDominicus Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>