Siegaue

„The Times They Are a-Changin’ “
(Bob Dylan, US-Barde und Nobelpreisträger für Literatur)

Nein, da irrt der Focus sicherlich. In den Reihen der Bonner Polizei wird der verzögerte nächtliche Einsatz unter der Kennziffer 479 schon bald in Vergessenheit geraten. Täglich passieren andere Dinge, furchtbare Dinge, grausame Dinge, und die Zeit vergeht, während die Bürger in mürrischer Indifferenz verharren. Da muss man jetzt kein Fass mehr aufmachen wegen eines dieser freilich bedauerlichen, sich häufenden Einzelfälle, an die man sich gewöhnen wird, gewöhnen muss. Auch Deutsche tun schlimme Dinge, dies sollte man an dieser Stelle zunächst einschieben …

In der Nacht des 2. April hatte also ein Mensch aus Afrika, aus der Wiege der Menschheit gewissermaßen, mit einer Machete (Focus spricht von „machetenähnlicher Astsäge“, das klingt wohl weniger martialisch) ein Camperpärchen in der Bonner Siegaue überfallen und die Frau brutal vergewaltigt, während der Freund im Zelt ausharrte. In dem verlinkten Focus-Artikel geht es u.a. darum, dass sich die Polizei da wohl auch nicht mit Ruhm bekleckert habe, weil eine Beamtin am Notruftelefon den verzweifelt um Hilfe rufenden Freund erst nicht ernst genommen bzw. ziemlich gleichgültig, jedenfalls nicht angemessen, reagiert habe:
“Die Beamtin der Polizeileitstelle in Bonn glaubte in jener Nacht erst an einen Fake. „Hallo, meine Freundin wird gerade vergewaltigt“, flüsterte Patrick B., „von einem Schwarzen. Und zwar in der Siegaue unter einer Brücke“. Misstrauisch erkundigte sich die Polizistin: „Und da geht jemand ihre Freundin an oder wie?“ Aus dem Hintergrund drang das Wimmern einer Frau durch den Hörer, begleitet von einer männlichen Stimme.
Er hat eine Machete“, antwortete der Gesprächspartner. „Sie wollen mich nicht verarschen, oder?“, hakte die Polizistin nach. Nein, nein, erwiderte der Student, der Täter habe eine Riesen-Machete dabei.     
„Hm“, entgegnete die Ordnungshüterin zweifelnd. Panisch versicherte ihr der junge Mann, er hege Todesängste. Er fürchte, dass der Angreifer seine Freundin gleich umbringen werde. Die Polizistin erkundigte sich nach seinem Namen, versprach ihm, die Kollegen zu schicken und verabschiedete sich mit „Danke, tschö“. Dann hängte sie ein.

Worauf ich hinauswill: Könnte durchaus sein, dass die Beamtin aufgrund staatlicher/medialer Indoktrination, d.h. ihrer vorgefassten oder verordneten uneingeschränkt positiven Meinung über Zuwanderer a) unsicher war, was sie angesichts dieser politisch brisanten Täter-Opfer-Konstellation tun solle oder b) davon ausgegangen ist, es mit einer böswilligen Fake-Meldung eines deutschen Rassisten zu tun zu habe, von denen man ja immer so viel hört? Sie wollte es nicht glauben oder war (durch Medien oder aufgrund polizeiinterner Weisungen) innerlich blockiert, was eine schnelle Reaktion verhindert hat. Schlimmstenfalls wäre … na, egal …
***
In einer US-Doku sah ich mal irgendwann, wie ein Vergewaltigungsopfer, also eine junge Frau von den Ermittlern oder einem Anwalt gefragt wurde, warum sie denn zu ihrem späteren Vergewaltiger in den Fahrstuhl gestiegen sei, obwohl sie, wie sie zugegeben hatte, bei seinem Anblick bereits ein äußerst ungutes Gefühl und den Verdacht gehegt hatte, jener könnte ihr Gewalt antun. Das Mädel erwiderte daraufhin, sie hatte eben nicht rassistisch sein bzw. keinen solchen Eindruck erwecken wollen. Nicht allein als (weiße) Frau mit einer dubios erscheinenden Figur (einem Schwarzen) im Fahrstuhl fahren zu wollen, hätte ihr den Vorwurf des Rassismus einbringen können, d. h. sie wollte nicht, dass man „hätte denken können, sie hätte etwas gegen Schwarze“.
Sie handelte somit aus anerzogener politischer Korrektheit gegen ihre eigene Intuition, die lediglich dem Selbstschutz dient. Die Intuition, also ein Gefühl für gefährliche Situationen und Menschen zu entwickeln, ist ein evolutionärer und kulturell entstandener Schutzmechanismus. Sollte man sich mal bewusst machen, ob es so klug ist, seine innere Stimme, seine Intuition in diesen Zeiten gänzlich zu ignorieren, nur um vielleicht in vorauseilendem Gehorsam jedem untergeschobenen Vorwurf zu begegnen, man könne „rassistisch“ oder „fremdenfeindlich“ erscheinen. Könnten vielleicht auch Eltern und Lehrer mal drüber nachdenken, wie sie ihre Kinder und Schützlinge aufs Leben vorbereiten, wenn die irgendwann vom Ponyhof wegziehen oder aus der Schule ohne Rassismus kommen, wo man keine (richtigen) Zensuren mehr kriegt, aber seinen Namen tanzen kann und dann ins pralle bunte Leben entlassen wird.
***
Und was war mit der Bonner Beamtin am Polizeinotruf? Die Schlüsselwörter „Schwarzer“ und „Machete“ (zudem noch von einem männlichen biodeutschen Anrufer geäußert) haben bei ihr möglicherweise eine typische Anti-Rassismus-Reaktion ausgelöst, die dazu geführt hat, dass sie diesen Anruf als „hetzerischen Fake“ einstufte. Daher konnte sie nicht angemessen reagieren. Eine anerzogene Verhaltensweise führt zur subjektiven (gesellschaftlich positiv eingestuften) Voreingenommenheit und verhindert eine schnelle Reaktion zur Rettung der Opfer. Wie gesagt, die Täter-Opfer-Konstellation wäre auch zu beachten. Auch die spezielle weibliche Perspektive der Beamtin scheint hier eine Rolle gespielt zu haben, vermute ich. Kann und möchte ich aber nicht weiter drauf eingehen.
Fazit: Bei einem künftigen Notruf wäre es also wichtig, die richtigen Formulierungen zu verwenden: Freundin wird von Mann (besser noch: Nazi oder Reichsbürger) mit ner abgebrochenen Flasche bedroht, oder Mann wird homophob von anderem Mann beleidigt – dies wäre z. B. eine politisch sinnvolle Meldung, die unverzügliche polizeiliche Aktionen auslösen würde. Im eigenen Interesse sollte man als Opfer auch unter Todesangst darauf achten, unter keinen Umständen rassistisch oder fremdenfeindlich zu erscheinen. Sicherheitshalber zu vermeiden, so meine Empfehlung, wären folgende und ähnliche Keywords: Schwarzer, Türke, Ausländer, Machete, Dönermesser u.a., denn der Gebrauch derartiger Begriffe könnte zu Irritationen und/oder Verzögerungen bei nötigen polizeilichen Hilfs- und Rettungsmaßnahmen führen. Na ja, war nur so ein Gedanke. Ein blogschädliches Thema, aber Realität bleibt Realität, egal wie unschön …

Nachtrag:  Noch eine generelle Frage, die mir in den Sinn kam: Wie werden sich wohl Rolle und Charakter der Polizei verändern? Denn die werden sich ja zwangsläufig wandeln; passiert ja schon. Und ob da ein libanesischstämmiger Polizist oder schwarzer Schutzmann aus Eritrea dem unzüchtig gekleideten deutschen Mädchen, das sexuell genötigt wurde, auch so viel Verständnis entgegenbringt wie …. wobei’s, wie man oben sieht, mit der Empathie der Bonner Polizistinnen gegenüber ihren Landsleuten auch nicht so weit her war. Da werden sich insbesondere die Polizisten und -innen vielleicht einfach dem Stärkeren unterwerfen, genau wie es bei Houellebecq beschrieben ist. Schon klar, dass die alle „einfach nur ihren Job machen“ … (Kommentar übrigens unnötig)
Aber ob da vielleicht noch so personelle Säuberungswellen auf die deutsche Polizei zukommen, wie sie von Leyen in der Bundeswehr anstrengt? Ich meine, um die Polizei selbst von den vielen verkappten Rassisten, Reichsbürgern und Rechten zu säubern und eventuell durch vitale Neubürger zu ersetzen? Kommt bestimmt noch oder? Na ja, bleibt spannend – ich verbleibe dann erstmal in heroischer Gelassenheit und hoffe auf die segensreiche Wirkung des Schulz-Zuges. Voll die Zugkraft hat der Martin. Das ist euer Mann! Der hat’s drauf, so das Ding mit der Gerechtigkeit für die kleine Krankenschwester und so, bringt der ja voll glaubwürdig rüber, bo eh, Mann … und hat sein Pulver noch lange nicht verschossen. Hoffen wir mal, dass er trocken bleibt. Mal schauen übrigens auch, ob bei dem Sigmar Gabriel der Jojo-Effekt eintritt …

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