Über die Qual der Wahl

Ein Tablet sollte es sein. Ja, ich stehe vor einer gewichtigen Kaufentscheidung. Ich will mir einen Tablet-Computer kaufen. Als Zusatzgerät, das ich nur gelegentlich auf der Couch nutzen möchte; zum Couch-Surfen könnte man ja fast sagen, wenn der Begriff nicht schon was anderes bedeuten würde. Besser vielleicht: Surfen für Couchpotatos. Zum Arbeiten habe ich einen normalen Desktop-PC, und mein Laptop ist mir zu unhandlich geworden. Daher kam ich auf die Idee, mir ein knuffiges Tablet als Drittgerät zuzulegen. Mit Android und einem 10-Zoll-Display am besten, eine gute Akkuleistung ist ein Muss, und ausreichend Speicher wär auch nicht schlecht, ein Office-Paket und ein paar Apps können drauf sein. Ganz simpel eben.

Hab nun schon zwei Abende bzw. Nächte lang die ganzen Charts und Listen der Onlinehändler durchsucht, gestern auch in einem Elektronikmarkt vor Ort gestöbert, aber ich kann mich einfach nicht entscheiden. Schwierig, denn jedes Mal, wenn ich ein scheinbar passendes Gerät gefunden habe, das mir vom Preis und von den technischen Daten her zusagen würde und auch eine gute Gesamtbewertung hat, schau ich noch kurz in die negativen Bewertungen rein. Ich beginne zu lesen und sage: Boah ey, nee, die Kritik ist derart vernichtend, dass ich wieder unsicher werde. Vielleicht doch nicht so das Gelbe vom Ei, sagt man sich, mal weitersuchen…  Und so kaufe ich nichts.

Dabei ist es interessant, an sich selbst zu beobachten, welch starken Einfluss negative Meinungen auf die Entscheidungsfindung haben. Da können zehn oder zwanzig sehr positive Erfahrungsberichte stehen, die aber durch zwei stark negativ gefärbte Meldungen relativiert oder sogar entwertet werden.

Negativen Meinungen wird im Bewusstsein wohl generell ein höheres Gewicht beigemessen als positiven Meinungen. Auch negative Empfindungen wirken immer stärker als positive Gefühle. Ist evolutionär bedingt und war früher auch überlebenswichtig, um auf potenzielle Gefahren rechtzeitig bzw. präventiv reagieren zu können. Na, kam mir jedenfalls in den Sinn, dass mein Negativitätssensor besonders empfindlich ausgeprägt sein könnte. Daher also die von mir so empfundene asymmetrische Gewichtung positiver und negativer Rezensionen bei Amazon. Oft denke ich auch unwillkürlich: Nun ja, diese oder jene Jubelmeldung ist vielleicht getürkt oder eine reine Gefälligkeitsrezension. Andererseits müsste man sich fairerweise auch ins Bewusstsein rufen, dass eh nur sehr wenige Leute überhaupt Produktbewertungen abgeben, vielleicht einer von Hundert Käufern, würde ich schätzen, und unter den Rezensenten sind dann mit hoher Wahrscheinlichkeit die Leute in der Überzahl, die sich über das Produkt geärgert haben. Klar, Rezensenten, die ihre Freude und Begeisterung über ein Produkt zum Ausdruck bringen wollen, gibt’s auch. Aber die große Masse jener Kunden, die einfach nur halbwegs zufrieden ist, gibt gar kein Feedback ab. Wozu auch? Kostet alles nur Zeit, die man sinnvoller verbringen kann. Statt z. B. sinnlose Produktrezensionen zu verfassen, könnte man „unterhaltsame“ Blogbeiträge schreiben…

PS: Übrigens, brauche ich dieses Tablet wirklich so dringend? Wozu eigentlich? Bisher hab ich es doch auch nicht vermisst, und in spätestens zwei Jahren ist es sowieso Elektronikschrott… Ach, ich denke, ich überschlafe das alles noch mal.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten auf Über die Qual der Wahl

  1. Philipp sagt:

    Ich kann die Vorteile dieser Dinger leider nicht erkennen.

    Mir ist das zu umständlich.

    Will Ich kurz was im Netz checken nehm Ich das Handy, für alles andere dann doch besser den PC. Zur Not kommt der dann eben auch mit ins Bett oder auf die Couch.

    Viel Glück bei der Auswahl.

    Grüße aus Dresden

    Philipp

  2. max sagt:

    Ja, wirklich brauchen tu ich es ja streng genommen auch nicht, aber was von dem ganzen technischen Spielzeug braucht man schon wirklich? Der ganze Kram, angefangen bei TV und Handy, ist auch nicht essenziell. Eben nur “nice to have”, weil etwas handlicher als mein Laptop, um es mal mitzunehmen und auf dem Sofa mal eine Mail zu schreiben, zu lesen und damit “rumzuspielen”… Ich würde das Tablet statt Smartphone nutzen (was ich nicht habe). Und was soll der Geiz, man gönnt sich ja sonst nichts. Gruß aus B. :-)

  3. Pat-Man1st sagt:

    Mein Lappi läuft und läuft und läuft ….. wie meine Nase manchmal …. oder ich wenn mein Bike kaputt ist ….

  4. Max sagt:

    Hehe, grüß dich Pat. :-)
    Oh, meine Nase läuft zum Glück nicht. Hoffe, dass die weihnachtliche Erkältung mich dieses Jahr verschont. Aber ein Glühweintrinken steht noch aus.
    Ah, ich hab mir übrigens tatsächlich so’n Tablet gekauft…
    Gruß nach M. aus B. ;-)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>