Über Gerechtigkeit und den ganzen Rest

Irgendwann kommt wohl bei jedem Kind oder Jugendlichen –  manchmal auch erst später – der Tag, an dem man sich fragt, warum die Welt so ist, wie sie ist.
Warum der Kampf gegen das Böse nicht zu gewinnen ist? Warum es keine universelle Gerechtigkeit gibt?
Vielleicht hattet Ihr ja auch ein solches Schlüsselerlebnis, wie ich es gerade geschildert habe, zum Beispiel als euch der stärkere Nachbarsjunge oder der ältere Bruder euer liebstes Spielzeug, den Teddy, Bummi, eure Barbie oder das neue Feuerwehrauto oder gar das Bobbycar wegnahm. Was habt Ihr da gesagt und gedacht? Na?

Habt Ihr laut geheult oder auch leise gewimmert, so wie es eurem Naturell entsprach, und euch insgeheim oder auch offen über die Ungerechtigkeit der Welt beschwert, sofern Ihr euch überhaupt artikulieren konntet? Seid doch mal ehrlich… Dabei hattet Ihr doch so viel besseres und viel mehr Spielzeug als der Kevin oder Justin von nebenan. Warum habt Ihr ihm nichts freiwillig abgegeben? Der unterprivilegierte oder minderbemittelte Nachbarsjunge dachte vielleicht, die Güter dieser Welt seien nicht gerecht verteilt und wollte diese Gerechtigkeitslücke nur schließen?

Später habt Ihr euch vielleicht gewehrt oder seid selbst zum Rabauken geworden.

Ihr habt das Recht des Stärkeren am eigenen Leibe zu spüren bekommen und es dann verinnerlicht. Nichts ist lehrreicher als die eigene schmerzvolle Erfahrung.

Das Gerechtigkeitsproblem habt Ihr aber nie so richtig lösen können, oder habt Ihr es etwa verdrängt?

Der Kampf gegen die Ungerechtigkeit gehört zu den vielen Scheingefechten, die nicht zu gewinnen sind und dennoch seit vielen Jahrzehnten aus Prinzip weiter gefochten werden: Es ist insbesondere kurios, dass sich im Kampf gegen die Armut und für allumfassende soziale Gerechtigkeit oder gar für Gleichheit besonders die bestversorgten Repräsentanten bürgerlich-sozialistischer Parteien gern als aufrechte Streiter für die gute Sache geben und doch mit kurzsichtigem Aktionismus und einem auf kurzfristigen Erfolg bei ausgewählten Wählergruppen ausgerichteten Populismus neue Gerechtigkeitslücken aufreißen. Die Gerechtigkeit hat nämlich wie eine Medaille bzw. Münze zwei unterschiedliche, einander entgegengesetzte Seiten. Was dem einen gerecht und billig erscheint, nimmt dem anderen die Freiheit und vielleicht den Lohn seiner ehrlichen Arbeit.

Ein Kampf endet gewöhnlich mit einem Sieg oder einer Niederlage, selten mit einem Remis. Die Bekämpfung der Armut ist hingegen ein von Wohlstandsbürokraten, Sozialfunktionären und Entwicklungshelfern sorgsam gepflegter Prozess, der kein Endziel kennt – allein schon deshalb, weil Frösche kein Interesse an der Trockenlegung ihres Sumpfes haben können und es bekanntlich immer eine Frage der Definition bleiben wird, ob jemand als arm zu gelten hat.

Indem man im Namen der Gerechtigkeit ein immer größeres Umverteilungsrad dreht, den einen immer mehr nimmt, um die anderen in Unmündigkeit und Abhängigkeit von staatlichen Almosen zu bringen, verkehrt sich jede gut gemeinte steuerfinanzierte Wohltat mit ihr in ihr Gegenteil, da sie langfristig den Leistungswillen der zwangsrekrutierten Zahler und den gesellschaftlichen Frieden schädigt, den man doch eigentlich bewahren möchte.

Freiheit kommt in den Reden unserer Politiker hingegen kaum noch vor, wenn überhaupt, dann höchstens, um Kriegseinsätze in fremden Landen mit dem verlogenen Vorwand zu rechtfertigen, einem fremden Volk doch endlich die lang ersehnte Freiheit und Demokratie zu bringen…

Auch der Kampf gegen die Korruption oder organisierte Kriminalität scheint solch ein aussichtsloses Unterfangen und wie der sprichwörtliche Kampf gegen die Windmühlenflügel zum Scheitern verurteilt zu sein.

Doch anders als bei den Abenteuern des edlen Ritters Don Quijote, der unterstützt durch seinen wackeren Knappen Sancho Panso heutzutage wohl gegen Windkraftanlagen anreiten würde, wird die Sinnhaftigkeit der Kämpfe, die wir heute führen, selten einmal in Frage gestellt. Wenn ein solcher Kampf ausgerufen wird, werden gern alle gesellschaftlichen Kräfte mobilisiert und alle möglichen Kosten generiert.

Dabei werden jedoch nur Scheingefechte geführt, oft wird auch mit unfairen und falschen Argumenten hantiert, wie im Kampf gegen den Klimawandel, bei dem Wissenschaftler und Journalisten gern mal an den Pranger gestellt werden.

Getäuscht durch einen moralischen Wertekompass, der uns nach Belieben wie eine Möhre vor die Nase gehalten wird, werden wir im vermeintlichen Kampf für das Gute aufgerieben und verstehen doch nicht, was die Welt im Innersten nicht etwa zusammenhält, sondern immer weiter auseinandertreibt…

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Eine Antwort auf Über Gerechtigkeit und den ganzen Rest

  1. “Der Kurzsichtige ist selbstsüchtig, der Weitsichtige wird in der Regel bald einsehen, dass im Gedeihen des Ganzen der eigene Nutz am besten verankert ist.”

    Silvio Gesell

    Um das zu verstehen, muss der Kurzsichtige nicht nur sprichwörtlich, sondern tatsächlich bei Adam und Eva anfangen:

    Die Rückkehr ins Paradies

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