Vabanque

Es gibt ja gewisse Widersprüchlichkeiten, die eigentlich keine sind, sondern eher versteckte Kausalitäten ummanteln, ähnlich diesen widerwärtig süßen Pralinen, die außen mit Bitterschokolade überzogen sind. Hab vergessen, wie die heißen. Vielleicht ist es auch kein so treffender Vergleich. Scheinbare Paradoxien meine ich jedenfalls, wie z. B. die hier:
Obwohl Deutschland so weltoffen und freigebig ist wie nie zuvor, sind wir auf der Weltbühne zugleich auch so isoliert wie nie zuvor. Stimmt nicht? Überlegt mal, mit wem die Merkel-Administration alles über Kreuz liegt. Unsere wichtigsten Beziehungen zu einstigen Partnern sind gestört. Ganz Osteuropa, Russland, USA (das merkeldeutsch-amerikanische Verhältnis unter einem Präsidenten Trump dürfte eisig werden bzw. erstmal gestört sein), England bzw. Großbritannien, Türkei und noch einige andere Staaten, z.B. Dänemark und schon traditionell der europäische Süden (Club Med) – die grenzen sich deutlich von uns ab. Vorbehalte (z. B. in Fragen der Geldpolitik) gegenüber D. gab es auch vorher schon, aber jetzt verweigern die meisten Staaten (schon aus reinem Selbsterhaltungstrieb) Mutti die Gefolgschaft. Auch in Österreich und Frankreich kündigt sich eine politische Zeitenwende an. Merkeldeutschland hat im Grunde keine Verbündeten mehr, die unserem bzw. ihrem Sonderweg folgen wollen. Wie gesagt, nur scheinbar ein Widerspruch. Offene, ungesicherte Grenzen, dazu frei zugängliche Sozialsysteme für alle Erdenbürger, und außenpolitische Isolation gehen eigentlich Hand in Hand. Denn Ersteres ist nur zum Preis der Selbstaufgabe und Selbstauflösung (und daher auch nur temporär) zu haben; demokratisch verfasste (und andere) Staaten mit nicht suizidal eingestellter Regierung/Bevölkerung werden diesem Beispiel nicht folgen wollen. Einem Ertrinkenden, der unbedingt mit Betonschuhen schwimmen gehen wollte, springt auch niemand mit Bleiweste hinterher. Normalerweise nicht. Merkel hat Deutschland in die außenpolitische Isolation getrieben. Riskantes Spiel, was die Frau Dr. Merkel da treibt – va banque. Ob sie wirklich noch weiß, was sie tut, oder verharrt sie in postfaktischer Beratungsresistenz oder einem mentalen Zustand störrischer Indifferenz? Hat sie einen Plan, oder fährt sie weiterhin nur noch auf (kurze) Sicht? Es wird nach außen hin natürlich der Schein gewahrt, auch ist Deutschland auf europäischer Ebene als Zahlernation (für Bankenrettung, europ. Staatsschulden via EZB, Subventionen etc.) unentbehrlich; und Deutschland zahlt verlässlich, das weiß man. Aber der Zusammenhalt auf Ebene supranationaler Organisationen ist brüchig, wird in erster Linie durch Zahlungsströme und -verpflichtungen gekittet. Deutschland ist natürlich unermesslich reich und solvent, so wird man nicht müde zu versichern. Apropos: Je reicher ein Staat, desto ärmer seine Bürger – auch kein Widerspruch in sich, sondern nur eine logische Folgerung.

Gibt übrigens noch mehr solcher scheinbaren Widersprüche, ich meine Zusammenhänge, die nur auf den ersten Blick paradox erscheinen: Obwohl erneuerbare Energie fast nix (nur die ominöse Tasse Kaffee) kosten sollte, weil Sonne und Windgott keine Rechnung schicken, hat sich Energie hierzulande exorbitant verteuert und zu einem echten Kostentreiber entwickelt. Nur in Dänemark ist Strom derzeit noch teurer. Aber die Dänen überholen wir auch noch. Schaffen wir.
Oder dies hier: Obwohl Geld so billig ist wie nie zuvor (Nullzinspolitik), bekommt der klamme Normalbürger natürlich kein Geld für umme von der Bank. Stattdessen steigen die Vermögenspreise, Mieten usw. immer schneller, und aufgrund fehlender verzinslicher Anlagemöglichkeiten kollabieren demnächst reihenweise Altersvorsorgefonds und Versicherungen (natürlich werden „Rettungspakete“ geschnürt); und der Bürger darf darüber hinaus fremde Banken und Staaten retten. Obwohl doch die Geldschleusen dauerhaft weit geöffnet wurden, stagniert das Wachstum. Seltsam? Ja, nicht wirklich (gähn).

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