Wir sind nicht mehr Papst und haben fertig!

Die kultige Schlagzeile „Wir sind Papst!“, von der Bild-Zeitung 2005 nach der Wahl des Kardinals Ratzinger zum Papst Benedikt XVI im Jahre 2005 getextet, hat nun endgültig ausgedient. Wir, als Papst, haben fertig.
Heute morgen wurde bekannt gegeben, dass Papst Benedikt XVI in wenigen Tagen aus Altersgründen zurücktreten wird. Diese Mitteilung soll laut dem Dekan der katholischen Kirche, Angelo Sodano, wie ein „Blitz aus heiterem Himmel“ eingeschlagen sein.
Die Bundesregierung zeigte sich überrascht und betroffen.
Zu spekulieren bleibt, ob tatsächlich rein gesundheitliche Gründe oder vielleicht auch innerkirchliches Machtgerangel und die in vielen Ländern immer schärfer diskutierten Missbrauchsskandale mit zu dieser Entscheidung beigetragen haben.
In der Tat überrascht der Schritt und erscheint mir auf den ersten Blick äußerst ungewöhnlich, da zwar dem Papst die kirchenrechtliche Möglichkeit zugestanden wird, von seinem Amt zurückzutreten, aber bislang in der Geschichte der katholischen Kirche erst ein Papst – Coelestin V. im Jahr 1294 – von diesem Rücktrittsrecht Gebrauch gemacht hatte und damals, wie berichtet wird, bereits nach einigen Monaten wegen offensichtlicher Überforderung den Rückzug aus dem Amt des obersten Stellvertreter Gottes ins Privatleben antrat.
Bei Benedikt, der zwar häufig als „Übergangspapst“ bezeichnet worden war, aber hohes Ansehen genoss und sein Amt bis auf einige Querelen in ordentlicher Weise wahrzunehmen vermochte, gab es jedoch keinen Anlass zu der Vermutung, er könne seinem Amt nicht gewachsen sein. Jedenfalls war ich davon ausgegangen, dass sich ein Papst, insbesondere ein deutscher, dem man tja eigentlich besonders hohes Pflichtgefühl unterstellt, daran gebunden fühlt, sein Amt unbefristet auszuüben. Irgendwie klingt es seltsam: Der Stellvertreter Gottes auf Erden stellt sein Amt freiwillig zur Verfügung? Inwieweit Benedikt bleibende Akzente setzen und seine kurze Amtszeit die katholische Kirche in irgendeiner Weise prägen konnte, bleibt wohl künftigen Bewertungen von Kirchenhistorikern überlassen.
Dennoch dürften die genauen Beweggründe für den Amtsverzicht möglicherweise auch in Zukunft noch Anlass zu Spekulationen bieten.

Quelle: http://www.faz.net/aktuell/politik/der-ruecktritt-des-papstes/habe-nicht-mehr-genug-kraft-papst-benedikt-xvi-tritt-am-28-februar-zurueck-12058885.html

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