Zum Türkei-Referendum

War der Ausgang des Türkei-Referendums wirklich solch ein großer Schock? Nö oder? Das Ergebnis war insgesamt, wie zu erwarten, knapp. Konnte aber auch nicht wirklich überraschen, dass die übergroße Mehrheit der im europäischen Ausland lebenden Türken sich für eine weit reichende Präsidialherrschaft des Mannes entscheiden, der verspricht, der Türkei – ihrer Heimat – wieder zu alter Größe und Bedeutung zu verhelfen, ja? Inhalte waren m.E. sogar zweitrangig. Da ging’s natürlich darum, Emotionen zu wecken – ethnisch-kulturelle Zugehörigkeitsgefühle, nationale Stimmungen zu nutzen – eben all das, was unter Deutschen verpönt ist. Erstens: Eine Diaspora ist immer ein Stück weit nationalistischer eingestellt als die Nation selbst. Zweitens: Ein schallendes „Make Turkey great again!“ hat naturgemäß für einen Türken mehr Zugkraft als das hierzulande übliche kollektive Flagellantentum und irgendein verklemmter, entkernter Verfassungspatriotismus sozialdemokratischer Provenienz.
Hatte man da von Türken ernsthaft Loyalität zu den demokratischen Werten ihrer „zweiten“ Heimat erwartet? Der Ersatzheimat, dem Land der Kartoffeln? Lachhaft. Nummer 2 bleibt Nummer 2. Werden wir künftig noch oft erleben: Niemand will (wahrhaftig) einer Nation (in Abwicklung) angehören, die sich selbst verachtet oder gar hasst, die quasi an einer inneren Autoimmun-Erkrankung leidet. Die hinterhergeworfene doppelte Staatsbürgerschaft nimmt man gern mit, der Pass verpflichtet ja zu nichts. Dann: Im Inneren bei uns werden doch Islamkritiker bekämpft und verfemt (und z. B. bei Facebook gesperrt), also genau Leute, die auch die von Erdogan betriebene Re-Islamisierung der türkischen Gesellschaft kritisieren. Hat das Merkel-Regime nicht den Niedergang des Laizismus in der Türkei auch mit wohlwollender oder zumindest stillschweigender Duldung begleitet? Im Wahlkampf hat Merkel, wie ich mich entsinne, Erdogan durch ihren Besuch und ein deutliches Zeichen von Unterwürfigkeit aufgewertet. Nato-Partner haben zugesehen, wie Erdogan nach und nach den Generalstab, die Armeeführung und die Gerichte von Kemalisten gesäubert hat. Absehbar. Eine laizistische Türkei ist nun Geschichte, und der Westen hat diese Entwicklung doch begünstigt. Und über die sogenannte „Nato-Partnerschaft“ und Merkels heuchlerischen Flüchtlingsdeal hat Erdogan die Deutschen sowieso bei den Eiern. So sieht das aus, Freunde. Findet euch damit ab. Optimismus ist Feigheit (Spengler).

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12 Antworten auf Zum Türkei-Referendum

  1. Max sagt:

    Anmerkung bezieht sich auf dieses Posting (lesenswertes Blog übrigens auch):
    https://www.q-software-solutions.de/blog/2017/04/warnung-vor-60-der-hier-lebenden-tuerken/
    Werter FDomicus, ich kann leider gelegentlich ihre Captcha-Schwelle nicht überwinden (scheint technisch zu haken). Daher poste ich meinen Kommentar ausnahmsweise hier, da er ja hier auch thematisch passt.

    Also, Sie schrieben, dass “60 % der hier lebenden Türken für die Etablierung des Faschismus in der Türkei gestimmt haben”. Dem würde ich auf jeden Fall widersprechen.
    1. Ihr Blog = Ihre Meinung.
    2. Durch seine Beliebigkeit entwertet sich der Faschismusvorwurf selbst. Ein Diktator war und ist nicht automatisch ein “Faschist”. (Und ein autokratisch regierender Präsident muss auch nicht zwangsläufig ein Diktator sein.) Diktatur ist mit Faschismus nicht gleichzusetzen.
    Der Oberbegriff “Faschismus” taugt m. E. überhaupt nicht zur Charakterisierung von Erdogans Herrschaft und wird erstens der Person und zweitens der historischen, politischen, kulturellen und religiös geprägten Spezifik (und Dynamik) der Türkei überhaupt nicht gerecht.
    Der Begriff des Faschismus ist viel zu unscharf; zuverlässig ist der m. E. nur aus dem historischen Kontext der italienischen Faschisten herleitbar und so auch präzise verwendbar (auch da finden sich ja bereits große Unterschiede zwischen dem italienischen Faschismus u. dann dem deutschen Nationalsozialismus).
    Als Ideologen den Begriff nach dem Krieg erweiterten und verallgemeinerten, mutierte er zum Totschlagargument und Kampfbegriff (ähnlich dem Nazi).
    Trump und Merkel wurden und werden doch auch ständig als Faschisten bezeichnet. Merkel wird in Griechenland und Polen als Hitler mit Bärtchen dargestellt; praktisch jeder, der nicht spurt, kann heutzutage ein Faschist sein etc.
    Man sollte mal überlegen, ob man mit dem “Faschistenvorwurf” nicht eher ein linkes Narrativ bedient, das im Sinne z.B. eines Jakob Augsteins gepflegt wird?
    Auch wenn der Begriff nicht umstritten wäre, würde ich den hier nicht verwenden. Ich frage mich gerade auch, ob “Faschist” aufgrund der Beliebigkeit und Häufigkeit, in der dieser Vorwurf erhoben wird, nicht schon verharmlosend wirkt. Ist es da nicht ähnlich wie damals auf dem Schulhof: Zwei Kinder streiten sich und behaupten, der andere sei ein doofes Schwein? Lässt man sich darauf ein, gewinnt der, der am lautesten schreit. Denn das Doofsein ließ sich nicht begründen, außer mit einem Faustschlag. (An sowjetischen Schulen war Faschist übrigens auch ein gebräuchliches Schimpfwort unter Kindern für Deutschrussen.)

    • FDominicus sagt:

      Ich habe Ihnen auf meinem Blog eine Antwort gegeben. Warum kann man von Faschismus schreiben? Bei Erdogan gibt es auch eine nationale Komponente und die Faschisten heißen eben auch Nationalsozialisten. Und auch das trifft für Erdogan zu, starker Staat, nationale Komponente. Haben Sie nicht ein bisschen da Gefühl, daß Erdogan die “Türken” als “sein besonderes Volk” ansieht.

      Ich habe Sie ja auch gefragt, was genau fehlt Ihnen noch zu Faschismus? Was genau stört Sie am Begriff Faschismus wenn ich ihn auch im Sinne von “nationale Sozialismus” verstehe?

      Anders herum ist Faschismus keine Diktatur? Also wäre Ihnen mit Diktatur eher gedient. Faschismus wie ich ihn verstehe, besteht aus einer Bevorzugung von große Firmen und Zusammenschlüssen, immer auch einem Personenkult. Der Unterschied zum Sozialismus ist, wie die Produktionsmittel behandelt werden, man muß hier den Faschisten schlichtweg eine “bessere” Umsetzung zu gestehen. Sie mindern nicht die Leistungsbereitschaft durch Enteignung sondern erhöhen die Leistungsbereitschaft noch mit Sprüchen, wie Gehorsamkeit, Fleiss etc. Und ja die Faschisteen lassen die Produktionsmittel in private Hand und bekommen dadruch natürlich eine Konkurrenzsituation wo sich die großen Firmen bemühen eben Aufträge vom Staat abzugreifen.

      Ich denke man kann Erdogan schon faschistische Tendenzen unterstellen. Im Sinne der dt. Nationalsozialisten….

      • Max sagt:

        Hmm, na ja, derartige Tendenzen oder Parallelen kann man ja aufzeigen, sicher. Aber ich würde nie behaupten, über 50% der Türken hätten faschistisch gewählt. Was mir da fehlt? Starker Staat und nationale Komponente reicht jedenfalls nicht. Das trifft ja auf fast alle Lenker souveräner Staaten zu. Was ist mit Vernichtungskrieg, rassistische Ideologie, Massenmord/Völkermord oder so? Hmm, ob die Eigenschaft “faschistisch” vielleicht auch nur eine Zuschreibung/Beurteilung “ex post”, nicht ex ante sein sollte? Für mich ist das zu eindimensional, zu flach und in der Schlussfolgerung auch fatal. Erdogan ist für mich ein glühender Nationalist, ein Islamist, einer, der eine stille islamische Revolution anführt und (möglicherweise) etwas wie das Osmanische Reich wiederherstellen möchte.
        Ist das nicht eine präzisere Charakterisierung? Warum muss man da dann die abgenutzte Faschistenkeule rausholen? Damit verbaue ich mir doch jeden Weg zur Diskussion. Faschisten, die müsste doch die “freie Welt” bekämpfen, vernichten, töten, bombardieren oder nicht? Aber das sind ja Nato-Partner oder?
        Mir ist die Situation dort viel zu diffus, als dass ich denen mit Faschismusvorwürfen komme, die ja Erdogan uns gegenüber auch erhebt. Übrigens waren die italienischen Faschisten (Fascis) marktliberal und antisozialistisch orientiert, während die Nazis eben national-kollektivistisch, d.h. sozialistisch ausgerichtet waren. Auch interessant, die einen waren also nationalistische Rechte, die anderen nationalistische Linke. Und Francos Diktatur in Spanien war konservativ-monarchistisch orientiert und wurde von der kath. Kirche unterstützt, ja. Gemein haben sie das Prinzip eines starken Führers (im Franquismus eher eingeschränkt, da spricht man auch nur von fasch. “Merkmalen”); aber das haben “normale” Autokratien und (Ein-)Parteiendiktaturen eigentlich auch; das allein ist’s ja nicht. (Daher, wenn man den Begriff über den italienischen F. hinaus erweitert, wird’s immer schwammig, weils dann mit der Abgrenzung schwer wird u. man sich auf “Zuschreibungen” verlässt.)
        Erdogan propagiert nun die uneingeschränkte Herrschaft (und Ausbreitung) des Islam, des islamischen Gottesstaates. Er hat mal gesagt: Es gibt weder einen politischen noch unpolitischen Islam, der Islam ist immer nur der Islam (dessen Herrschaft sich alles unterzuordnen hat). Wird also prinzipiell auch ohne Erdogan als politischen “Führer” funktionieren. Ist das denn überhaupt faschistisch im italienischen oder im nationalsozialistischen (atheistisch geprägten) Sinne? Nein, eigentlich passt das nicht. Man redet auch von Islamofaschismus, ja? Okay, kann man gern so sehen, aber all das setzt doch eigentlich nur auf die Macht dämonisierender Begrifflichkeiten, die aufgepfropft werden oder?
        Sollten die Türken bewusst faschistisch gewählt haben, müsste man den Faschismus doch mit aller Macht bekämpfen oder? Kooperiert Merkel mit einem Faschisten? Zu was macht das Merkel?
        Wir müssen aber mit der Türkei und vor allem mit den Deutsch-Türken leben, ja? Von denen kann ich nicht zwei Drittel faschistisieren bzw. als Faschistenfans abqualifizieren.
        Ja, Faschismus mündet in eine Diktatur, aber eine Diktatur muss noch lange nicht faschistisch sein.
        Man denke z.B. an Südkoreas Militärdiktatur nach dem Krieg oder die “kommode” Diktatur in der DDR. Die Türkei hatte ja nach dem Putsch 1980 auch kurzzeitig eine Militärdiktatur (zur Abwendung eines Bürgerkriegs bzw. Zuständen wie nach der islamischen Revolution im Iran), die dann in eine Verfassungsreform mündete, durch die die Macht der Militärs wieder beschnitten wurde. Na ja, ich denke eben einfach, man sollte es sich da in der Beurteilung der Türkei nicht zu einfach machen. Einfach Faschismus zu unterstellen, scheint mir da irgendwie unpassend und wirkt auch eskalierend. Das war so der Punkt, auf den es mir ankam. Aber gut, ich kann natürlich damit leben, dass man es so sieht, wie Sie es tun. (Ich stimme Ihnen ja auch meistens zu, aber wird ja zu langweilig, wenn man immer einer Meinung ist ;-) Manchmal streikt die “Captcha-Eingabe” bei Ihnen, daher hierher verlagert.)

  2. FDominicus sagt:

    Einverstanden, sehen Sie nicht die Bestrebungen gegen die Kurden? Warum keine Abstimmung für ein unabhängiges Kurdistan? Die Schotten bekamen diese Chance….
    Wie antiisaelisch oder antijüdisch ist die Türkei? Vielleicht haben Sie recht, vielleicht gibt es aber doch faschistische Züge… So würde auch ich den Grünen oder der Antifa gewisse faschistoide Züge “zugestehen”

    • Max sagt:

      Ja, in der Tat, da haben Sie auch Recht, also vorsichtig ausgedrückt: Letzteres würde ich auch so sehen. Dank auf jeden Fall für Ihre Kommentare, immer interessant für mich auch!

  3. FDominicus sagt:

    “Einfach Faschismus zu unterstellen, scheint mir da irgendwie unpassend und wirkt auch eskalierend.”

    Ist die Eskalation nicht im Gange? Es sind seit dem Putsch mehr als 100 000 Türken verhaftet worden, Professoren und Richter bekamen Berufsverbot und teilweise den Paß abgenommen. Für mich ist das schon überreichlich “eskalierend”. Und jetzt geht es ja schon weiter. Einführen der Todesstrafe…..

    Was meinen Sie denn zu den Verhaftungen, den Berufs- und Ausreiseverboten?

    • Max sagt:

      Ja, die Entwicklung ist ganz klar zu verurteilen. Ich sympathisiere mit der z.B. hier geäußerten Meinung: https://youtu.be/mQtcyvk6sqM
      Völlig richtig, was das Mädel da sagt. Aber was ändert’s, wenn ich mich in diesem Konflikt auch noch scharf positioniere und mich hier ereifere? Interessiert kein Schwein, und ich durfte ja nicht abstimmen, zudem paktiert Merkel mit Erdogan. Das Referendum war eben allein Sache der Türken, und wir sollten uns nicht für einen innertürkischen Konflikt instrumentalisieren lassen. Wir könnten uns ja noch nicht mal mehr selbst verteidigen, so weit ist es gekommen …
      Ich möchte vorsichtig drauf hinweisen, dass auch einige Erdogan-Gegner nicht unbedingt deutschfreundlich sind (Zitat: “Etwas Besseres als Deutschland findet sich allemal.”) Warum soll ich mich jetzt da auch noch zwischen Baum und Borke wiederfinden? Wir sind ja eh morgen wieder die Nazis. Ich habe in Berlin kein Problem mit Türken oder Kurden. Die Erdogan unterstützenden Türken bleiben nunmal hier, und die Kurden (wenn man mal einen fragt), die würden auch nicht in einen kurdischen Staat ziehen, wenn es einen gäbe. Also was soll’s? Wir werden eine Vielzahl solcher Konflikte jetzt im Land haben; unsere Probleme liegen hier in D., nicht in der Türkei. Unsere Probleme heißen Merkel, Schulz, Gabriel, Lindner, Kraft, C. Roth, Leyen, Maas, Kahane usw. usf. – die Liste kann man endlos fortführen. Unser Feind steht längst im Inneren; und Letztgenannte sind es, die die freie Meinung auch bei uns unterdrücken möchten.
      Ich hab ja nicht gewollt oder befürwortet, dass Auslandstürken über das Schicksal der Türkei mitabstimmen, also dass eine Entscheidung der hier lebenden Türken schwerwiegende Auswirkungen für die Türken in der Türkei hat, von denen die Deutschtürken selbst nicht betroffen sind. Natürlich ist das aus unserer Sicht widersinnig, aber es war zu erwarten.
      Das Abstimmungsverhalten der hier lebenden Türken zeugt auch vom Scheitern der sog. Integration – Doppelpass etc., trägt alles zum Auseinanderdriften der Menschen hier bei, und haben nicht auch schon Helmut Schmidt und Kohl vor solchen Entwicklungen gewarnt?
      Faschistoide Tendenzen, klar, aber mich bekümmert mehr, dass dieses Land in ein paar Jahren unregierbar werden dürfte.

      • Max sagt:

        Ich seh mich da auch irgendwie nicht in der Pflicht, mit erhobenem Zeigefinger vor “Faschismus” in der T. zu warnen. Wo waren denn Leute wie Özdemir und wie die alle heißen?
        Warum haben die Vorzeigedemokraten ihre Landsleute nicht agitiert u. von den Vorzügen des Parlamentarismus und Laizismus überzeugt? Haben die möglicherweise gar keinen Rückhalt bei ihren Landsleuten?
        Das Türkei-Referendum ist eh vorbei, das war’s – jetzt gibt’s da nichts mehr zu entscheiden – genau wie das türkische Mädel da auf YT sagte. Wir brauchen da jetzt auch etwas mehr Pragmatismus und sollten uns mehr darum kümmern, dass hier nicht alles aus dem Ruder läuft, denke ich, sonst sind wir hier in unserem hypermoralischen Furor ständig nur noch am Rotieren. Erdogan, Trump, Putin, Orban, Assad, Le Pen, Wilders, May, etc. gibt’s überhaupt noch ausländische (nicht merkeltreue) Politiker, die hier von deutschen Medien nicht attackiert werden?

  4. FDominicus sagt:

    Nun noch ist uns das selber denken nicht verboten. Ich reagiere nicht auf die Meldungen fast aller hier erscheinenden Zeitungen. Mir ist Trump, Putin, Orban, Le Pen etc ziemlich egal. Bei Trump habe ich meine Meinung eindeutig dargelegt und festgehalten – Trump hat gelogen. Bei Assad tendiere ich eher zur vorsichtig und bei Erdogan ganz klar “Finger weg”.

    Ich bin absolut nicht der Meinung mit Pragmatismus, und zwar in diesem speziellen Fall. Wo Freiheitsrechte und Bürgerrechte so mißachtet werden wie in der Türkei hilft kein Pragmatismus mehr. Genauso wenig bei unseren derzeitigen dt. Parteien. Die Tendenzen sind in allen Ländern auf mehr Unterdrückung und weniger Freiheit gestellt. Das Problem der Liberalen ist in diesem Fall Ihr Pragmatismus. Hier zeigen Sie nicht “klare Kante”. Wer der Sozialdemokratie den kleinen Finger reicht wird geradezu vernichtet. Bestes Beispiel die FDP vom Top-Ergebnis in 2009 zum Rauswurf auf dem Bundestag in 2013. Weil sich die FDP pragmatisch zeigt und all die Gesetze mit gebrochen hat.

    Es hilft hier kein Pragmatismus mehr sondern, man muß sich eindeutig dagegen stellen. Genau das machen die Liberalen – mal wieder nicht. Schauen Sie dann bitte mal zurück in die Weimarer Republik und schauen sich die Richtung an. Auch damals war der Pragamtismus – besser nationalsozialisitische Diktator statt nur sozialer Diktatur mit ausschlaggebend für die Errichtung des 1000 jährigen Reichs, was es dann gerade mal 12 Jahre durchhielt.

    Das ander warnende Beispiel ist Venezuela. Die Leute haben mehrheitlich für Chavez und seinen Sozialismus des 21 . Jahrhunderts gestimmt. Nach nur 17 Jahren ist dieser “Pragmatismus” genau wieder in einer Katastrophe gelandet.

    Nein ich kann es leider nicht so ruhig sehen, weil die Parallelen so erschreckend sind. Ich kann mich nur noch wiederholen. Liberale dürfen keine der bestehenden Parteien unterstützen oder gar wählen. Sie müssen sich klar gegen diese immer extremeren Eingriffe gegen die eigenen Rechte stellen. Machen Sie es nicht enden wir in wie das III Reich, der Sozialismus des 21 Jahrhunderts in einem Massenelend.

    Ich möchte das nicht, und jeder Liberale sollte es sich auch nicht wünschen – IMO.

    • Maxx sagt:

      Sicher, ich meinte auch nicht Sie persönlich. Ich habe ja auch keinen Zweifel daran (gelassen), dass ich Sie für einen wahrhaftigen Liberalen halte, im ursprünglichen Sinne, einen der Letzten vielleicht. Aber Ihre Meinung ist ja nicht die der Mehrheit derer, die sich als liberal bezeichnen.
      Und pragmatisch heißt ja sachbezogen. (Real-)Politik muss einfach immer sachbezogen sein, ausgehend von einer realistischen Lagebeurteilung, um Schritt für Schritt Fortschritte zu erreichen. Die große Keule hilft da gar nichts. Die konkrete Situation, in der wir uns befinden, muss auch realistisch beurteilt werden. Wobei ich Ihrer Meinung/Einschätzung zu E. ja (wie schon geschrieben) in weiten Zügen zustimme.
      Aber was ist denn überhaupt oder der (daraus folgende) Plan für unser Land? Wenn wir E. verurteilen, müssen wir erstmal wissen, was “wir” sein wollen. Ob und wie wir als Nation weiterbestehen wollen. Das ist ja ungeklärt. Die Nation bzw. Nationalstaat soll ja tot sein, und die supranationale EU soll übernehmen. Und die Türkei, na, bekommt die jetzt die Visafreiheit, oder zahlen wir dem E einfach weiter Schutzgeld? Was ist denn jetzt der Plan, den die Merkels und Schulz und Maas für uns haben? Gut, Sie oder wir stellen sich also gegen Erdogan und damit gegen die Türkei. Und was dann? Welche Konsequenzen hätte das, oder bleibt es bei Rhetorik? Das verstehe ich unter pragmatisch. Wir haben gar nicht die Macht, etwas gegen E. zu tun, und E. weiß das. Wir (als Gemeinschaft) bräuchten selbst auch (mehr) Rückhalt und Unterstützung aus der türkischen Community selbst! Aber hey, so Unterstützung von Leuten wie mir, könnte als “Beifall von der falschen Seite” gewertet werden.
      Wir behausen derzeit wahrscheinlich bereits mehr potenzielle feindliche Kämpfer (Ex-IS, Ex-Taliban, Salafisten, Schwerkriminelle, mutmaßlich radikale islamische Extremisten) auf unserem Staatsgebiet, als wir einsatzfähige Sicherheitskräfte haben. Wir sind ein Land, in das mittlerweile jeder einsickern oder einmarschieren kann, wie es ihm beliebt. Offen wie ein Scheunentor. Wie lange wird das wohl noch gut gehen? Was bringt das also, wenn ich jetzt eine Türkeifront eröffne? Gegen die Wähler Erdogans? Über deren Motive weiß ich aber nicht genug. Ich kenne z.B. Russland etwas, kannte und verstehe die Russen, ihre Sprache, aber die Türkei und Türken kenne ich bei weitem nicht so gut.
      Ich weiß nicht genug, habe aber meine Meinung, bin aber auf Mainstream und YT/Blogs angewiesen u. entsprechend vorsichtig in meinem Ton. Ich hab ja in meinem Posting daher auch gemutmaßt, dass es möglicherweise bei den Auslandstürken auch eher ein “emotionales”, nicht rational begründetes Votum für Erdogans Präsidentschaft war. Stimmungen und Bauchgefühl mögen da reinspielen, aber möglicherweise nur “uninformiert”, aber nicht meine, unsere Feinde…
      Und die Parallelen zum Dritten Reich sind immer schnell gezogen (machen Deutsche ja besonders gern, geschenkt, weil wohlfeil), aber je mehr man immer in die Geschichte eintaucht und sich damit befasst, erkennt man, dass sie sich eben nicht so einfach wiederholt.
      Na ja, nichts für ungut. Wir sollten uns da nicht vor einen Karren spannen lassen, den wir eh nicht ziehen können. Wir können gern alles und jeden beurteilen und kritisieren usw. (tu ich ja auch), aber man sollte sich doch auch darüber im Klaren sein, dass wir (dank Kohls und Merkels Politik) aus eigener Kraft keine Lösung parat haben. Merkel, die Sozen und die Grünen sollen doch mal vorlegen, wie sie sich das weiter vorstellen … Wissen wir ja im Grunde auch: Weiter durchlavieren wie bisher, alles schönreden und mit Steuergeld zuscheißen…

  5. FDominicus sagt:

    Doch was man gegen Erdogan tun kann. Man stoppt jede Diskussion ob die Türkei zur EU gehört. Und in diesem Fall handelt man weniger mit der Türkei. Straffällige Türken werden in die Türkei abgeschoben. Man fährt die diplomatischen Beziehungen auf ein Minimum runter. Kurz man kümmert sich so wenig wie möglich um die Türkei. Was der Plan von wem auch immer ist, ist mir auch egal. Was mir nicht egal ist ob ich genauso unterdrückt werde. Was das angeht habe ich durchaus auch Vorschläge.

  6. Maxx sagt:

    Die Ditib, formell ein deutscher Verein, der der türkischen Religionsbehörde untersteht, bekommt weiterhin deutsches Steuergeld in Millionenhöhe. Erdogan hat dadurch hier immer einen Fuß in der Tür.
    Der Bau protziger Moscheen in Deutschland wird weiterhin mit deutschem Steuergeld finanziert. Klar, das muss es uns wert sein, wo wir doch alle so reich sind und die Islamisierung ähm Beheimatung von Muslimen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe definiert ist.
    Die Ditib, also Erdogans fünfte Kolonne, ist künftig sogar an der Kontrolle und Programmgestaltung des hessischen Rundfunks beteiligt. Dieser nicht legitimierte Spitzelverein Erdogans wird hier also auch in der öffentlichen Meinungsbildung immer einflussreicher. Das ist erst der Anfang. So geht es für die meisten unmerklich immer weiter, “Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt” (J.-C. Juncker). Gibt aber natürlich keine Islamisierung, nee, ach Gott, da trällern wir ein Liedchen…
    Quellen: http://info-direkt.eu/2017/05/07/tuerkischer-islamverband-ditib-kontrolliert-kuenftig-den-hessischen-rundfunkt/
    https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2017/ditib-bekommt-wieder-foerdergeld/
    https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2017/afd-kritisiert-fluthilfe-millionenzahlung-fuer-ditib-moschee/
    Lobenswert, die deutsche Selbstabschaffung ist eigenfinanziert…

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