Zur Frage der Leserzahlen

Dieses Blog befindet sich wie viele andere auch im „Long Tail“, im langen niedrigen Ausläufer der nach Besucherzahlen geordneten statistischen Verteilung sämtlicher Websites im Netz. Und dort gehört es auch hin, sollte ich hinzufügen.
Je mehr und je häufiger ich in der Blogosphäre unterwegs bin, desto interessanter sind für mich abseits des medialen Mainstreams liegende Blogs, auch und gerade, weil sie selten besuchte private Meinungsnischen und einsame Refugien für fremde Gedankenwelten darstellen.
Auf die Frage, was man mit seinem Blog erreichen will, wird wahrscheinlich jeder Blogger, abhängig von der inhaltlichen Ausrichtung oder etwaigen finanziellen, beruflichen oder sonstigen Interessen, jeweils eine andere Antwort geben.

Zur Frage der Leser- bzw. Besucherzahlen und Relevanz von privaten Blogs, die heute in einem lesenswerten Beitrag vom Blogger Dark Lord (Warum hohe Leserzahlen bei Blogs wichtig sind?) aufgeworfen wurde, ein kurzer Kommentar:
Die Erwartungshaltung spielt natürlich von Beginn an eine große Rolle. Es muss sich jeder selbst darüber klarwerden, was er mit seinem Blog erreichen will. Bei mir verhielt es sich von Anfang an so, dass mein Blog nicht mehr als ein öffentlich sichtbares Schwarzes Brett mit subjektiv gefärbten Texten sein sollte. Es ist weder als persönliche Seelenstriptease-Plattform noch als politisches Aufklärungs- oder Empörungsblog konzipiert. Auch wenn ich mich von jeher als politisch denkender Mensch verstehe, lehne ich doch jede eindimensionale Verortung in einem bestimmten Spektrum ab. Warum soll ich mir selbst politische, ideologische oder thematische Fesseln anlegen? Ich bin, wie ich bin und schreibe, was mir in den Sinn kommt und was ich verantworten kann. Da es ohnehin nur für eine kleine Leserschar gedacht ist, die sich mit viel Glück aus meinen Texten etwas zusammenreimen kann oder an dem Geschreibsel Gefallen findet, stört es mich jetzt nicht, wenn andere Blogs oder irgendwelche Fashion- oder Produkttestblogs populärer sind. Die machen halt ihr Ding, und ich mach meins. So hab ich es immer schon gehalten.
Ich bin als Charakter bzw. Persönlichkeit sicher auch nicht massenkompatibel und hatte von vornherein keine hohen Besucherzahlen angestrebt; einige Freunde und Familienmitglieder lesen wahrscheinlich nicht mal, was ich hier so schreibe. Das ist aber okay. Ich möchte auch nicht, dass sich jemand vielleicht genötigt fühlt, einen zustimmenden oder positiven Kommentar abzugeben, wenn man doch im Grunde widersprechen möchte oder es einem ziemlich gleichgültig ist, was der Max da schreibt… Na ja, Ihr wisst schon. Einem Freund sieht man eben vieles nach.
Leute, die täglich in Blogs schmökern, sind doch eher die Ausnahme. Die echte Bloggerszene, also der harte Kern ist viel kleiner und in sich geschlossener, als man gemeinhin denkt.
Ich wage zu behaupten, dass die Mehrheit der Leute da “draußen in der Offline-Welt” gar nicht weiß, dass es diese Art von Gegenöffentlichkeit in Form von Blogs gibt…

Wer seinen Blog pushen oder kommerzialisieren möchte, braucht aber die tägliche Aufmerksamkeit, eine gute thematische Fokussierung und hierzu wiederum viele Verlinkungen. Allzu oft verführt dies allerdings dazu, kurzatmige oder unausgegorene Postings rauszulassen, d. h. im Netz herumzukrakeelen und sich dem Geschmack der vermeintlichen Leser- bzw. Besuchergruppe aus einem bestimmten Spektrum oder Lager anzupassen. Eine Gefahr, der m. E. viele Blogger erliegen.

In Blogs schreiben kostet Zeit, aber auch das Lesen kostet wertvolle Lebenszeit, daher schätze ich jeden einzelnen echten Leser, auch wenn viele die psychologische Hürde des Kommentarfeldes nicht überspringen wollen/können. Hab ich ja, wie ich zugeben muss, früher auch nicht getan, als ich noch nicht selbst meine Grütze hier abließ…

Nun war es früher, als das Internet tatsächlich im merkelschen Sinne noch Neuland war, auch einfacher, sich als Blogger hervorzutun, sich mit seinem Blog einen Namen zu machen. Die aus jener Zeit und mittlerweile auch aus dem Mainstream bekannten Blogger posten ja auch gar nicht so viel und begnügen sich manchmal mit ein paar Beiträgen pro Quartal.

Besucherzahlen bedeuten m. E. auch nicht viel für private, textlastige Blogs. Viele Besucher lesen nur noch zwei Zeilen, kurze Textpassagen oder schauen sich nur das Design oder ein Foto an… Man ist mittlerweile so übersättigt mit Informationen, dass die meisten Leute doch beim Lesen äußerst selektiv vorgehen.

Die größeren Blogs bekommen natürlich auch viel Traffic durch Suchanfragen, etwa über Google (mit entsprechendem SEO-Aufwand etwas mehr), was wiederum als Multiplikator wirkt. Aber wie auch immer…

In der Regel schau ich schon regelmäßig in meine favorisierten Blogs rein – sicher nicht jeden Tag, aber jede Woche mindestens ein- oder zweimal und dann noch mal am Wochenende. Ich schreibe ja selbst auch nicht jeden Tag was und kann daher auch nicht erwarten, dass täglich neue Blog-Groupies hier aufschlagen…

Aber grundsätzlich gilt wahrscheinlich, dass der Autor immer derjenige ist, für den sein Blog die größte Bedeutung hat…

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4 Antworten auf Zur Frage der Leserzahlen

  1. Der Punkt, der mich eben so störte, dass ich mein oben erwähntes Geschreibsel verzapft hab, ist bei einigen Blogs, die ich tatsächlich doch gern mal lese – gerade jetzt, wo man durch die blöde Krankheit bisschen mehr Zeit hat – dass diese nervigen Push-Versuche durch Challenges oder Cooperationen der ganze Faden des Blogs durchschnitten ist, man gar nicht mehr gern liest.
    Natürlich und schon aufgrund der Tatsache, dass mein Blog mich regelmäßig anschreit, dass das Zitrönchen mich wieder verlinkt hat, lese ich hier eh, was der Maxx wieder so verzapft hat. Aber sowieso und eh auch schon vorher, weil der Quark, den er fabriziert, sich mit meinem schon Wirrwarr im Kopf schon konform verhält. Zumindest in einigen Punkten. Eben auch, weil wir beide schon nicht massenkompatibel sind.
    Aber schön, dass ich Dir mal wieder eine Vorlage bieten konnte ;) Gerade schon, wo das tagtägliche Nirvana des medialen Auswurfs mal wieder Höhenflüge abgrundtiefer Kleingeistigkeit hervorruft. Bleib so, passt. Nur auf ein Geschichtchen warte ich noch …

  2. Max sagt:

    Ja, solche Challenges und Awards oder “Kooperationen” finde ich ja (WTF, ohne den betreffenden Bloggern zu nahe treten zu wollen) schon so kurios, dass ich rein gar nix damit anzufangen weiß… Bin vielleicht auch etwas zu alt dafür. :-)
    Aber es ist komischerweise bei mir oft so, dass ich bei dir was lese, was mich eben grad auch beschäftigt oder einen “Denkprozess” ;-) anstößt…

  3. Philipp sagt:

    Ich hab mich am Anfang auch darüber aufgeregt dass mich keiner liest und hab mich deswegen verrückt gemacht und Sachen gestartet und Mitmachdinger gesucht. Doch der Traffic blieb aus.

    Gut so, denke Ich mittlerweile.

    Ich kommentiere auch nur noch da wo es sinnvoll ist und lasse den Rest bleiben.

    Mittlerweile blogge Ich auch fast nur noch um meine Gedanken die mir manchmal so durch den Kopf gehen der Welt mitzuteilen oder andere auf dem laufenden zu halten was bei mir gerade mal wieder schief geht.

    Ich mache mich da nicht mehr verrückt. Einen Monat keinen Post? Na und!

    Ich habe mittlerweile festgestellt dass bei Blogs die Qualität wichtiger ist als die Quantität. Und daher hab Ich auch nur noch drei Blogs im E-Mai-Abo (ja, deiner unter anderem!) und auch nur noch Sachen im RSS-Reader die mich wirklich interessieren und in die ich ein, zwei mal im Monat reinsehe.

    Die Leute die es interessiert finden schon zu mir.

    Grüße aus Dresden

    Philipp

    • Max sagt:

      Philipp, dein Blog war eines der ersten, auf das ich Anfang 2013 oder Ende 2012 zufällig im Blogverzeichnis gestoßen bin und wo ich in Abständen immer mal wieder mitgelesen hab. Hatte mir irgendwie imponiert, wie offen und ehrlich (soweit ich das beurteilen kann) du über dein Leben geschrieben hast. Na ja, damals warste ja auch noch in Kaiserslautern… :-) Gruß aus Berlin.

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