Zur Gewaltfrage

Hab gerade irgendwo in einem Blog gelesen, dass die SPD wohl versucht, die Begriffe links und Gewalt voneinander zu trennen. Es wurde auf folgendes Schulz-Zitat aus einem Faz-Artikel verwiesen:

Der SPD-Vorsitzende Martin Schulz sagte in der ZDF-Sendung „Berlin Direkt“: „Links und Gewaltanwendung schließt sich gegenseitig aus.“ Die Randalierer seien „bescheuert, aber nicht links“. Sein Stellvertreter Ralf Stegner twitterte: „Linke Politik achtet Menschenwürde und lehnt Gewalt ab. Deshalb sind kriminelle Gewalttäter, wie immer sie sich nennen, nicht links.“

Selten so eine schwachsinnige Aussage gelesen … Klingt ja fast so wie die Relativierung der islamischen Terroranschläge, die ja angeblich auch nie irgendwas mit dem Islam zu tun haben.

Linksorientierte (also marxistisch-leninistische) gesellschaftswissenschaftliche Konzepte fußen ja, wenn ich mich recht erinnere, darauf, dass sich Klassen, d. h. Kapitalisten (Ausbeuter) und Proletarier (Ausgebeutete) in einem unversöhnlichen Interessenkonflikt gegenüberstehen. Unversöhnliche Gegensätze (man spricht da von antagonistischen Widersprüchen) können nur durch einen gewaltsamen Bruch der bestehenden Ordnung aufgelöst werden. Das heißt, eine (die herrschende) Klasse muss (natürlich gegen ihren Willen) vernichtet werden, um die Entwicklung zu einer höheren Gesellschaftsordnung zu ermöglichen. Der (dem Untergang geweihte) Klassenfeind leistet natürlich erbitterte Gegenwehr, und daraus leitet sich eben auch der Anspruch auf linke Gewalt her. Umsturz, Revolution usw. Da müssen Köpfe rollen, bevor der eigene Kopf rollt, pflegte mein alter Geschichtslehrer immer zu sagen. Moderne Linke versuchen das wohl zu kaschieren, indem sie behaupten, sie würden sich ja nur gegen „strukturelle Gewalt“ der Gesellschaft (oder „Bullenterror“) wehren. (Selbst wenn man als geläuterter Sozialist linke Politik lediglich als erzwungene Umverteilung von fremdem Arbeitseinkommen definiert, impliziert dies, wie jeder wirksame Zwang, natürlich auch die Anwendung oder zumindest Androhung von Gewalt. Die Gewalt gegen Steuerpflichtige ist lediglich in Form des automatischen Lohnsteuerabzugs formalisiert bzw. in Finanzämtern institutionalisiert.)
Auch wenn man nur die Geschichte der Sozialdemokratie bzw. der Arbeiterbewegung studiert oder einfach nur bis 1990 zur Schule oder mit offenen Augen durchs Leben gegangen wäre, wüsste man: Gewalt ist selbstverständlich für Linke kein Tabu, sondern inhärenter Bestandteil linken Denkens und Handelns. Da keine andere als die klassenlose, ausbeutungsfreie, d.h. kommunistische Gesellschaft das „Paradies auf Erden“ verwirklichen kann, führt linkes Denken unweigerlich zur Forderung nach Zerstörung, nach Vernichtung jeder funktionierenden Struktur, jeder Familie, jeder bestehenden (bürgerlichen) Keimzelle der Gesellschaft. Und das ist es auch, was wir zurzeit erleben. Zerstörung ist der kleinste gemeinsame Nenner.
Der einzige Unterschied zwischen Sozialdemokraten und dem schwarzen Block: Linksextremisten wollen die Gesellschaft ruckartig zerstören, „gemäßigte“ Linke in Zeitlupe. Ein Kommunist greift zum Dynamit, ein Sozialdemokrat zur Spitzhacke, was jedoch im Ergebnis auf dasselbe hinausläuft.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf Zur Gewaltfrage

  1. FDominicus sagt:

    Schauen Sie mal bei den sciencefiles vorbei. Die beschäftigen sich gerade intensiv damit.

Hinterlasse einen Kommentar zu Max Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>