Von Clowns und Kaisern…

Vom letzten deutschen Kaiser ist überliefert, dass die seinem Mund entfleuchenden Worte seinen Gedanken oft vorauseilten…

Wilhelm II, der zuweilen auch als „Redekaiser“ bezeichnet wurde, galt als ausgewiesenes Redetalent und wusste seine Zuhörer durch sein umfangreiches Wissen und seine hohe Intelligenz zu beeindrucken. Er äußerte sich oft und gern zu allen möglichen Fragen seiner Zeit.

Leider sollen seine ebenso unbestrittene Arroganz und Impulsivität ihn oft dazu verleitet haben, bei seinen Reden zu improvisieren. Einmal in Fahrt gekommen, ließ er sich daher zuweilen zu unbedachten oder politisch unklugen Aussagen hinreißen, die im Ausland harsche Reaktionen provozierten.

Wilhelm selbst war sich der Wirkung seiner gesprochenen Worte oft nicht bewusst, denn spiegelbildlich zu seinem Hang zur Selbstdarstellung soll er Journalisten verachtet und die Wahrnehmung seiner Reden im Ausland unterschätzt haben.

Nach heutigen Maßstäben gesehen zeigte Wilhelm II „klare Kante“, wählte markige Worte und sprach aus, was ihm zum jeweiligen Zeitpunkt durch den Kopf ging und was seiner Meinung nach in der Öffentlichkeit einen guten Effekt versprach und „sein Volk“ auch hören wollte…
So war er und so liebte ihn sein Volk – als klugen Charakterkopf mit Ecken und Kanten. Continue reading Von Clowns und Kaisern…

Armutszuwanderung – Sargnagel für den westlichen Wohlfahrtsstaat?

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst der Armutszuwanderung.
Wer in den letzten Tagen die Presselandschaft beobachtet und die im Tagesrhythmus veröffentlichten Artikel und Kommentare über die Zwangslage deutscher Kommunen verfolgt hat, die sich mit der Bewältigung der Zuwanderungsströme aus unseren neuesten EU-Mitgliedsstaaten Bulgarien und Rumänien offenbar überfordert sehen, reibt sich vielleicht erstmal verdutzt die Augen? Wurde vom Presserat eine neue Transparenzinitiative ausgerufen – „Glasnost“ reloaded?
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Auf den Knien nach Ankara robben…

EU-Energiekommissar Günther Oettinger möchte darauf wetten, ein deutscher Kanzler werde mit seinem französischen Amtskollegen im nächsten Jahrzehnt auf den Knien nach Ankara robben, um die Türken zum EU-Beitritt zu bewegen. So erklärte der CDU-Mann in Brüssel bei einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung:

„Ich möchte wetten, dass einmal ein deutscher Kanzler oder eine Kanzlerin im nächsten Jahrzehnt mit dem Kollegen aus Paris auf Knien nach Ankara robben wird, um die Türken zu bitten, Freunde, kommt zu uns.“

Kanzlerin Merkel, die am kommenden Sonntag in der Türkei erwartet wird, wird ob dieser grobschlächtigen Aussage wohl ihr Gesicht leicht verzogen haben. Interessant fand ich aber, wie diese eigentlich unmissverständliche Aussage von seiner Sprecherin interpretiert wurde. Eloquent widersprach sie der Annahme, dass Oettinger sich für den Beitritt der Türkei ausgesprochen habe:

„Der EU-Kommissar hat vielmehr auf das Interesse der Türkei an einem EU-Beitritt hingewiesen und gleichzeitig unterstrichen, dass die EU und die Regierungen der EU-Mitgliedsländer ein Interesse an einer engen Beziehung zur Türkei haben müssten.“

Gut formuliert. Finde ich toll, wenn man immer eine gute Sprecherin parat hat, die unvorsichtige Aussagen eines Politikers glättet und ihnen den richtigen Drall verleiht.
Ich persönlich ziehe allerdings die ungefilterten Aussagen vor. Da weiß man wenigstens, woran man ist.
Wobei die Fortbewegung auf Knien auch nicht wirklich „robben“ heißt, fällt mir gerade ein. Beim Robben kriecht man auf dem Bauch und stützt sich mit den Händen und Ellenbogen ab. Aber diese Fortbewegungsart lernte man beim Wehrdienst ja zur Genüge kennen …
Auf den Knien laufen, hätte aber wirklich nicht so spektakulär geklungen. Nun ja.

Quelle: http://www.welt.de/politik/deutschland/article113786596/Deutscher-Kanzler-wird-auf-Knien-nach-Ankara-robben.html

Kampagne gegen Amazon?

Ein Wort zu der ARD-Reportage über die Arbeitsbedingungen bei Amazon….

Ich hege keinerlei Sympathie für dieses Unternehmen, muss aber mal loswerden, was mir durch den Kopf gegangen ist, als ich mir diese Dokumentation heute nachträglich anschaute.

Ich hatte die Sendung zum ursprünglichen Sendetermin nicht gesehen, war aber ob der Fülle der negativen Kommentare in Medien bzw. Internet etwas neugierig geworden.

Ich bin auch jetzt noch überrascht über den kollektiven Aufschrei der Empörung in den Medien, der mir doch allzu selbstgerecht und gewollt daherkommt.

Erstmal erwähnen die Filmemacher mit keiner Silbe, wer die zitierten Missstände wie Leiharbeit zu Billiglöhnen und Massenzuführung von Wanderarbeitern durch entsprechende gesetzliche Regelungen auf nationaler und EU-Ebene ermöglicht und verschuldet hat.

Amazon nutzt nur die gegebenen rechtlichen und steuerlichen Spielräume, wie andere Unternehmen aus dem In- und Ausland und bedient sich in völlig selbstverständlicher Weise Leiharbeitsfirmen wie andere Auftraggeber, die keinen Deut besser oder schlechter sind.

Im Film kommt nur eine einzige Betroffene zu Wort, eine spanische Kunstlehrerin, die für drei Monate in Deutschland arbeiten möchte.

Kronzeugen der Anklage sind ein anonymer Busfahrer, ein Pfarrer und ein Gewerkschaftsfunktionär. Im Film ist oft die Rede von Würde und Freiheit – leicht über die Lippen kommen diese Worte dem Seelsorger, der es schon als menschenverachtend und würdelos empfindet, wenn man den Forderungen seines Arbeitgebers Folge leisten ergo “gehorchen” muss: “Hier bin ich einer anderen Welt. Hier muss ich gehorchen. Hier gilt meine Würde nicht”. Sprichts und braust in seinem Mittelklassewagen davon.

Kein Wunder, denn wer als Diener Gottes ein Kirchensalär oder als Gewerkschaftsfunktionär ein weitgehend leistungsloses Einkommen bezieht, in opulenter Höhe, und nur Gott und/oder seinem Gewissen verpflichtet ist, kennt die Arbeitswelt bestenfalls aus Gewerkschaftsblättern und Bulletins des Vatikans – da verliert man schon mal den Blick für die Realität des deutschen Arbeitslebens. Hauptsache, man kann von einem moralisch überlegenen Standpunkt aus dozieren.

Schien mir, als würden sich kirchliche und gewerkschaftliche Kreise ein neues gutmenschliches Tätigkeitsfeld erschließen wollen, da man der eigenen Schäfchen verlustig zu gehen droht, von eigenen Versäumnissen ablenken will, sich aber gleichwohl dauerhaft auf der Seite der Guten positionieren will.

Besonders der Gewerkschaftsfunktionär von Verdi, der zweitreichsten deutschen Gewerkschaft, die bei der Bezahlung ihrer eigenen Mitarbeiter auch nicht gerade für übertriebene Generosität bekannt ist und auch schon mal die Bewirtschaftung der hauseigene Kantine in der Berliner Zentrale an einen schlecht zahlenden Catering-Konzern outgesourct hat, fühlt sich offenbar in seiner Rolle wohl. Gezielt wird hier eine Feindkulisse aufgebaut, Emotionen werden geweckt…

Bei Amazon gebe es “alles zu kaufen, aber wer zahlt am Ende die Rechnung”, fragt man zu Anfang. Ja, wer denn wohl…

Öhm, wer zahlt wohl am Ende die Rechnung für dieses filmische Auftragswerk? Der Hessische Rundfunk ließ diese Doku nach eigenem Gutdünken – ohne sich für die Mittelverwendung rechtfertigen zu müssen – produzieren. Zur Erinnerung: mit Zwangsgebühren finanziert, die den Bürgern abgepresst werden, von denen viele nur einen Bruchteil dessen verdienen, was der verantwortliche Redakteur oder Sendeleiter bezieht. Bleiben da nicht auch Gerechtigkeit, Freiheit und Würde des Gebührenzahlers auf der Strecke?

Dieses tendenziöse Machwerk erinnerte mich eher an die DDR-Dokumentationen der “Gruppe Sabine Katins” aus den späten 70er Jahren. Der Grundtenor lautete stets in der Regel so: Im Westen leben Nazis und schlimme Ausbeuter, die die arme Arbeiterklasse unterdrücken. Hierzu wurden dann passende Akteure gesucht und vor die Kamera geholt.

Alles wurde in etwa so inszeniert, dass es in dieses Bild hineinpasste, wobei Objektivität simuliert wurde.

So auch hier: Ein anonymer Busfahrer weiß zu berichten, dass Wanderarbeiter in einem heruntergekommenen Ferienpark zu siebt eingepfercht würden und wortwörtlich “im Keller des Restaurants wie die Schweine abgefüttert” würden… Die würden ja aus Armut in der Kantine um Kaffee betteln….
Belege hierfür bringt man keine. Hauptsache, dick auftragen, wenn nicht sogar üble Verleumdungen, die durch nichts untermauert werden.

Hier wird gleich zu Anfang der Doku deutlich gezeigt, wo man den Zuschauer hin haben will.
Dass man den Sicherheitsdienst in der Nazi-Ecke verortet, denn der Name H.E.S.S. könnte ja möglicherweise gar kein Akronym, sondern von Rudi Hess abgeleitet sein, wie der Sprecher aus dem Off (für den “Hessischen” Rundfunk) mutmaßt, und überhaupt seien wohl das (für einen Sicherheitsdienst in der Regel übliche) leicht martialische Auftreten und die falschen Markenklamotten und ein Acab-Tattoo wohl Beleg genug für die braune Gesinnung, ist dann das i-Tüpfelchen, das für die medial ausgezeichnet vermarktbare Schlagzeile sorgt…

Das britische Blatt “Independent” nahm sodann die Vorlage dankbar auf und titelte schon in gewohnter Art: “Amazon used neo-Nazi Guards to keep immigrant workforce under control” in Germany”

So einfach ist das – Arbeitslager und Naziaufseher geben immer ein gutes Bild ab, an dem sich die empörungswillige Öffentlichkeit abarbeiten kann. Um so besser, wenn man mit Amazon einen amerikanischen Konzern an den Pranger stellen kann – perfektes Feindbild für den Mainstream. Denn auf der Empörungswelle lässt sich gar trefflich reiten, wie bereits ein kleiner Verlag zeigte, der überaus werbewirksam ankündigte, seine Geschäftsbeziehung zu Amazon zu kappen. Ein Schelm, wer glaubt, es ginge dabei nur um Publicity für einen kleinen unbedeutenden Verlag…

Im weiteren Verlauf der Aufnahmen erbringt man keinen objektiven Beleg für arbeitslagerähnliche Zustände…

Anstelle der Schweinekoben im Keller wurde ein ansprechendes Restaurant gezeigt; die menschenverachtenden Behausungen entpuppten sich als Doppelzimmer, wobei man auch mit einem separaten Schlafplatz auf der Couch vorlieb nehmen kann. Ich selbst habe schon zu schlechteren Bedingungen gewohnt und gearbeitet und dies nicht als menschenverachtend empfunden.

Der Vollständigkeit halber:
Überall seien Tafeln mit Hinweisen und Verhaltensmaßregeln zu sehen (ja, schlimm?)
Arbeiter würden von jungen Frauen durch die Flure dirigiert (ist doch gut oder?).
Alles sei “generalstabsmäßig” organisiert (soll wohl militaristische Assoziationen wecken).
Freie Kost und Logis sei entweder Sozialversicherungsbetrug oder Steuertrick – Ersteres ließe sich nicht nachweisen, aber das sei ja, egal, denn das Ergebnis sei gleich. Aha, aber ein kleiner Unterschied ist es schon oder?

Alles in allem hinterließ die Sendung bei mir einen üblen Nachgeschmack, der mich auch weiterhin am Sinn eines durch erzwungene “Demokratie-Abgabe” finanzierten Parteienrundfunks zweifeln lässt…

Quelle: ARD-Dokumentation: Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon

CDU simuliert Bürgerbeteiligung

Wie Welt Online heute berichtet, plant die Union in der entscheidenden Phase des Wahlkampfs auf Tuchfühlung zu ihren potenziellen Wählern gehen und eine Million Postkartensätze an Bürger zu versenden, auf denen diese unter dem Motto “Was mir am Herzen liegt” frei von der Leber weg ihre Wünsche fürs Wahlprogramm äußern dürfen.

Vor allem dürften allerdings positive Meinungsäußerungen und Einsendungen erwünscht sein, auf denen zufriedene Bürger ihre Zustimmung zur allumfassenden und alternativlosen Rettungspolitik der Kanzlerin signalisieren dürfen.
Damit die Aktion nicht von Eurokritikern und sonstigen Abweichlern sowie Querulanten für Missfallensbekundungen missbraucht und das vorherrschende positive Stimmungsbild gestört wird, plant man, den Bürgern als Anregung gleich einige vorgedruckte Antworten mit positiven Grundtenor vorzuschlagen, die dann angekreuzt werden dürfen… An den Formulierungen wird derzeit noch gefeilt.

Ja, also…

Die letzte Woche war ja doch ziemlich ereignisreich, daher dachte ich mir, dass ich vielleicht nach jeder Woche mal kurz – mehr oder minder geist- und sinnvolle Statements – zum Wochengeschehen aufschreibe, um meine Gedanken zu ordnen und mein Leben gewissermaßen etwas zu entschleunigen?
Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich habe das Gefühl, dass das Leben bzw. die Zeit scheinbar immer schneller zu fließen scheint, je älter man wird…

Es soll wohl an der Routine liegen, an den eingefahrenen Gleisen, auf denen man sich bewegt… In jungen Jahren ist meist alles Erlebte noch neu und ungewohnt, so dass man viele Dinge viel intensiver und farbiger erlebt. Man ist voller Spannung und Neugier… Diese intensiver erlebten Erfahrungen prägen sich dann stärker im Gedächtnis ein als spätere Jahre im Erwerbsleben, in denen die meisten Leute in gewohnten Umlaufbahnen kreisen. Das dröge Erwerbsleben und die gewohnte, oft statische Umgebung, Familie, Freunde und Bekanntenkreise, die man ja nicht wirklich oft wechselt, wirken dann abstumpfend und entziehen dem Leben Spannung und Erlebniseffekte und lassen die Zeit immer schneller vorbeiziehen…
So, all dies fiel mir ein, als ich den ersten Satz schrieb. Gut, es ist eine ziemliche langatmige Einleitung.

Wenn man sich ab und zu zeitliche Aufhängepunkte sucht, an denen man beispielsweise an besondere oder einprägsame Ereignisse der letzte Woche zurückdenkt, wär es vielleicht eine Möglichkeit, um sich das Leben bewusster zu machen bzw. wieder etwas zu “verlangsamen” und Punkte auf der eigenen mentalen Zeitleiste zu fixieren? Na ja, nur so eine Idee…
Also jetzt aber: Der Papst kündigt seinen Job, Oscar “Blade Runner” Pistorius erschießt seine Freundin mit vier Schüssen durch die Badezimmertür, und Meteoritentrümmer verwüsten die Gegend um Tscheljabinsk in Russland…
Könnte der Meteoritenhagel mit dem Rücktritt des Papstes zusammenhängen, sozusagen als Strafe oder warnender Fingerzeig Gottes an seinen Stellvertreter auf Erden? Nur warum dann über Russland?
Den Pferdefleischskandal habe ich noch vergessen zu erwähnen… Wo Rind draufsteht, könnte Pferd aus ungewisser Quelle drin sein, was schon eine Sauerei ist…
Merkwürdig, dass man trotz all der Lebensmittelskandale in den letzten Jahren immer wieder aufs Neue überrascht wird… Bei all den Skandalen in den letzten Jahren (Dioxin in Eiern, Fleisch, Fisch, Gammelfleisch, Pestizidgemüse und Acrylamid in Lebkuchen)…
An die Sprechregelung des Verbraucherschutzministeriums habe ich mich allerdings schon gewöhnt:
Mit Dioxin (oder anderem Gift) verseuchte <Lebensmittel> sind im Handel aufgetaucht.
Leider sind alle belasteten Chargen schon verzehrt worden…
Eine akute Gesundheitsgefahr besteht nicht…
Wenn ein Erwachsener mit Dioxin (oder anderem Giftstoff) belastetes <Lebensmittel einsetzen> in normaler Menge (etwa ein Ei, ein Esslöffel Öl etc.) verzehrt, so hat dies keine direkte Gesundheitsgefährdung zur Folge, zumindest nicht sofort.
Ein gesunder Erwachsener darf wie gewohnt Gerichte mit <verseuchtem Lebensmittel> zu sich nehmen.
Die Kontrollen funktionieren gut, Verbraucher selbst müssten ihr Konsumverhalten kritisch hinterfragen…
Beim Pferdefleisch dürfte es auf eine ähnliche Abwiegelungstaktik hinauslaufen.

Ach so, ich habe noch vergessen zu erwähnen, dass ich mich gewundert hatte, warum in kürzester Zeit so viele Youtube-Videos mit just gefilmten Meteoriteneinschlägen aufgetaucht sind… Wie zur Hölle hatten die russischen Erdlinge so schnell ihre Kameras oder Camcorder zur Hand?
Tatsächlich ist es wohl so, dass in Russland alle Neuwagen gern mit einer am Armaturenbrett fest installierten Kamera ausgerüstet werden, damit die Fahrer angesichts der anarchischen Zustände im russischen Straßenverkehr – und mangels Vertrauen in die dortige Rechtssprechung und Polizei – im Falle eines Unfalles anhand eines Videobeweises ihre etwaige Unschuld beweisen können…
Dies fand ich durchaus bemerkenswert. So wurde gewissermaßen ein Nachteil in einem Vorteil umgemünzt, denn die millionenmal abgerufenen Videoclips dürften ihren Urhebern im wahrsten Sinne des Wortes klingende Münze eingebracht haben. Zu gönnen ist es ihnen.

Ringen aus dem olympischen Programm gestrichen

Eine der ältesten Sportarten der Antike, das Ringen, wird nach dem Willen des IOC ab 2020 nicht mehr bei den olympischen Sommerspielen vertreten sein.

Ringkämpfe waren bereits in der Antike fester Bestandteil der Spiele und standen als olympische Disziplinen in den beiden Stilarten (griechisch-römisch und Freistil) bereits seit 1896 bzw. 1904 auf dem Wettkampfkalender.

Über die Notwendigkeit einer Straffung des zeitlich überdehnten olympischen Wettkampfprogramms wurde bereits seit längerem diskutiert. Interessant ist jedoch, dass es mit dem Ringen nun eine der traditionsreichsten Kernsportarten erwischt hat. Auch der Modernen Fünfkampf soll auf der internen Abschussliste gestanden haben, sei jedoch wohl vor allem dank der Bemühungen des deutschen Weltverbandspräsidenten Schormann noch vor dem Ausschluss gerettet worden.

2016 in Rio de Janeiro werden die Ringer nun zum letzten Mal auf der olympischen Matte antreten. Mit der Streichung einer der traditionsreichsten olympischen Sportarten aus dem Wettkampfprogramm stellt einer der exklusivsten und mächtigsten Altherrenklubs der Welt, das IOC, einmal mehr unter Beweis, dass olympische Tradition bei der kommerziellen Verwurstung des bedeutendsten Sport-Events der Welt nur als störender Ballast empfunden wird, der über Bord geworfen wird, sofern sich mit besser zu vermarktenden Sportarten, z. B. Golf, BMX oder Triathlon, bessere Aussichten auf höhere Werbeeinnahmen und Zuschauerzahlen bieten.

Nach der Rettung ist vor der Rettung….

Unter der kryptischen Bezeichnung “Verordnung zur Schaffung einer Fazilität des finanziellen Beistands für Mitgliedstaaten, deren Währung nicht der Euro ist” wird die nächste Phase der Vergemeinschaftung der Staatsschulden eingeleitet und ein neuer Rettungstopf aufgemacht, an dem nun auch Nicht-Euro-Staaten teilhaben sollen.

Die Wirtschaftswoche thematisiert den bevorstehenden Beschluss des EU-Rates über den
50 Mrd. Euro schweren Rettungsschirm für Nicht-Euro-Länder. Damit könnten nun auch nicht zum Euroraum zählende schwächelnde Länder wie Rumänien und Bulgarien in den Genuss von Rettungskrediten und Kreditlinien kommen, für die der deutsche Steuerzahler in Mithaftung genommen wird. Kurioserweise liest sich der Wortlaut des Entwurfs so, als könne pro Land ein Darlehen oder eine Kreditlinie in Höhe von 50 Mrd. Euro gewährt werden, wodurch das mögliche Gesamtkreditvolumen auf gigantische 500 Mrd. Euro aufgeblasen werden könnte. Angeblich soll diese Unstimmigkeit auf einen Übersetzungsfehler zurückzuführen sein. So heißt es in dem mir vorliegenden Entwurf: “Die Darlehen oder Kreditlinien, die einem Mitgliedstaat aufgrund dieser Verordnung gewährt werden können, sind auf 50 Mrd. EUR begrenzt.”
Allerdings findet sich auch an anderer Stelle im Entwurf der Verordnung der Satz:
“Der finanzielle Beistand kann in Form eines Darlehens oder einer Kreditlinie von maximal 50 Mrd. EUR gewährt werden (Artikel 2).”
Auch dies liest sich so, als gelte die 50-Mrd.-EUR-Obergrenze pro Staat und nicht insgesamt für den Rettungsschirm.
Quelle: http://www.wiwo.de/politik/europa/eu-plan-rettungsschirm-fuer-nicht-euro-laender/7749282.html

Wir sind nicht mehr Papst und haben fertig!

Die kultige Schlagzeile „Wir sind Papst!“, von der Bild-Zeitung 2005 nach der Wahl des Kardinals Ratzinger zum Papst Benedikt XVI im Jahre 2005 getextet, hat nun endgültig ausgedient. Wir, als Papst, haben fertig.
Heute morgen wurde bekannt gegeben, dass Papst Benedikt XVI in wenigen Tagen aus Altersgründen zurücktreten wird. Diese Mitteilung soll laut dem Dekan der katholischen Kirche, Angelo Sodano, wie ein „Blitz aus heiterem Himmel“ eingeschlagen sein.
Die Bundesregierung zeigte sich überrascht und betroffen.
Zu spekulieren bleibt, ob tatsächlich rein gesundheitliche Gründe oder vielleicht auch innerkirchliches Machtgerangel und die in vielen Ländern immer schärfer diskutierten Missbrauchsskandale mit zu dieser Entscheidung beigetragen haben.
In der Tat überrascht der Schritt und erscheint mir auf den ersten Blick äußerst ungewöhnlich, da zwar dem Papst die kirchenrechtliche Möglichkeit zugestanden wird, von seinem Amt zurückzutreten, aber bislang in der Geschichte der katholischen Kirche erst ein Papst – Coelestin V. im Jahr 1294 – von diesem Rücktrittsrecht Gebrauch gemacht hatte und damals, wie berichtet wird, bereits nach einigen Monaten wegen offensichtlicher Überforderung den Rückzug aus dem Amt des obersten Stellvertreter Gottes ins Privatleben antrat.
Bei Benedikt, der zwar häufig als „Übergangspapst“ bezeichnet worden war, aber hohes Ansehen genoss und sein Amt bis auf einige Querelen in ordentlicher Weise wahrzunehmen vermochte, gab es jedoch keinen Anlass zu der Vermutung, er könne seinem Amt nicht gewachsen sein. Jedenfalls war ich davon ausgegangen, dass sich ein Papst, insbesondere ein deutscher, dem man tja eigentlich besonders hohes Pflichtgefühl unterstellt, daran gebunden fühlt, sein Amt unbefristet auszuüben. Irgendwie klingt es seltsam: Der Stellvertreter Gottes auf Erden stellt sein Amt freiwillig zur Verfügung? Inwieweit Benedikt bleibende Akzente setzen und seine kurze Amtszeit die katholische Kirche in irgendeiner Weise prägen konnte, bleibt wohl künftigen Bewertungen von Kirchenhistorikern überlassen.
Dennoch dürften die genauen Beweggründe für den Amtsverzicht möglicherweise auch in Zukunft noch Anlass zu Spekulationen bieten.

Quelle: http://www.faz.net/aktuell/politik/der-ruecktritt-des-papstes/habe-nicht-mehr-genug-kraft-papst-benedikt-xvi-tritt-am-28-februar-zurueck-12058885.html

Der enttarnte Plagiator als Opfer der Digitalisierung

Ich schaue mir gerade ein Bild auf „Welt Online“ an, das mutmaßlich kurz nach der Bekanntgabe des Rücktritts der A. Schavan aufgenommen wurde.

Eingerahmt durch zwei aufgepflanzte schwarz-rot-goldene Flaggen marschiert Frau Ex-Bildungsministerin mit trotzigem Gesichtsausdruck, fest zusammengepressten Lippen und locker schwingenden Armen vom Podium hinweg, dicht gefolgt von Frau Merkel, mit einem verkniffenen Lächeln auf den Lippen, sichtbar um Haltung ringend und den Blick über die Köpfe der ausharrenden Pressevertreter auf einen nur ihr bekannten Punkt in der Ferne des Raumes gerichtet. In der Hand hält sie wohl das gerade abgelesene Blatt mit der üblichen Dankesbekundung und Loyalitätserklärung an die Adresse der aus dem Amt scheidenden ministerialen Plagiatorin.

In dem dazugehörigen Artikel werden nun reichlich Krokodilstränen vergossen, WO-Chefkommentator Krauel schwadroniert von einer „Rechtssprechung per Computer“, Schavan sei ohne persönliche Anhörung verurteilt worden, so als ob es um einen Gerichtsprozess bzw. strafrechtliche Verantwortung und nicht lediglich um den völlig selbstverständlichen Entzug eines durch betrügerische Vorgehensweisen erschlichenen akademischen Grades ginge.

Schavan sei „Opfer der digitalen Welt“ geworden, beklagt der Welt-Kommentator, da es erst durch massierten Einsatz von Computern – übrigens die Erfindung eines gewissen Herrn Jobs, wie man zu berichten weiß, bedient durch digitale Machtbürger in letzter Konsequenz dem Pöbel ermöglicht worden sei, die gottgleiche Frau Ministerin mit den vielen Verdiensten vom Sockel zu stoßen.

Der Grundtenor dieser und auch einiger anderer Artikel ist, dass anonyme Wutbürger aus Neid und Missgunst eine Art Hexenjagd veranstaltet hätten, um ausgewiesen kompetente Repräsentanten der politischen Elite wegen der Verletzung kleinlich ausgelegter Zitierregeln wie waidwundes Wild zur Strecke zu bringen.

Eine Hexenjagd an der Grenze zur juristischen Niedertracht, so sieht es Herr Krauel, dessen Karriere einst als Berater im Bundestag und Bundeskanzleramt angeschoben wurde. Man kann nur mutmaßen, warum sich der Chefkommentator des Springer-Blattes hier so ins Zeug legt.

Generell hört und liest man, dass die Politik ihr „Anerkennung und Respekt“ zollt, den Rücktritt „bedauerlich und tragisch“ nennt, während mir ein schaler Geschmack im Munde verbleibt…

Die Verklärung eines Täters zum Opfer hat sich von jeher als klassischer Kunstgriff zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung bewährt. Ist es denn aber aus Gründen der Staatsräson notwendig, eine Betrügerin, die sich durch vorsätzliches und systematisches Ausgaben fremder gedanklicher Leistungen als eigene, sprich plumpes Abschreiben, vor 30 Jahren Studienabschluss, Doktorgrad und die Basis für ihre spätere Karriere erschlichen hat und mutmaßlich fähigeren Mitbewerberinnen durch illegitime Mittel den Weg verbaut hat, in gespielt-empörter Manier zum Opfer der Umstände der Digitalisierung zu verklären?

Quelle: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article113512184/Schavan-ist-ein-Opfer-der-digitalen-Welt.html