Vom süßen Brei

Als Kind war ich ein ziemliches Leckermaul und immer auf eine Extraportion Pudding, Götterspeise oder Grießbrei aus. Vielleicht war ich deshalb so fasziniert von einem Märchen der Gebrüder Grimm, das meine kindliche Fantasie auf so wundersame Weise anregte:

Einst bekam ein Mädchen von einer alten Frau einen magischen Topf geschenkt, aus dem auf einen bestimmten Befehl hin leckerer, süßer Brei hervorquillt. Die Familie muss von jetzt an nie mehr hungern. Aber eines schönen Tages, als das Mädchen außer Haus ist, nimmt dessen Mutter den Wundertopf in Betrieb, obwohl sie den zum Stoppen der Breiproduktion nötigen Zauberspruch nicht kennt. Daraufhin quillt immer mehr und mehr Brei aus dem Topf heraus, bis der einst so segensreiche, jedoch im Übermaße zum Fluch gewordene Brei schließlich die ganze Stadt unter sich zu begraben droht.

Das Märchen vom süßen Brei aus meiner Kindheit kommt mir manchmal in den Sinn, wenn ich mir das Fernsehprogramm der öffentlich-rechtlichen TV-Kanäle zu Gemüte führe.
Das ewige Gebrabbel der sich im Kreise drehenden Talkshows auf zdf und ard mit der oft reichlich gespielten Empörungsrhetorik der üblichen Verdächtigen betört Geist und Sinne wie jener sagenhafte klebrige, süße Brei, der sich, nachdem man reichlich davon zu kosten bekam, nach und nach auszubreiten scheint, bis er wie ein unaufhaltsamer zähflüssiger Strom alle anderen Programmplätze unter sich zu begraben droht. Es scheint, als hätten die Programmverantwortlichen vergessen, den automatischen Breikessel abzuschalten. Continue reading Vom süßen Brei

Euroskeptiker im Aufwind – Maybrit Illner vom 7. März

Am Donnerstag sah ich seit langem mal wieder eine Talkshow in voller Länge:
die Maybrit-Illner-Talkshow „Chaos, Clowns und Euro-Krise – zieht uns Italien in den Abgrund?“.
Drei schlüssig und offensiv argumentierende Euroskeptiker, zu denen Prof. Lucke, Mitbegründer einer neuen konservativen Partei, der Alternative für Deutschland, Börsenexperte Dirk Müller und Oskar Lafontaine zählten, traten gegen den in ökonomischen Belangen kenntnisfreien Luxemburger Außenminister Jean Asselborn und den durch Sexismus-Vorwürfe stark angeschlagenen FDP-Spitzenmann Rainer Brüderle an.
Kurz gesagt: Es war angesichts der recht eindeutigen Konstellation ein ungleicher Kampf.

So erwiesen sich die für eine Beendigung der derzeitigen Euro-/Banken-Rettungspolitik und gegen den Euro argumentierenden Teilnehmer als klar überlegen und führten die beiden Euromantiker regelrecht vor, dass es einem schon fast leid tun konnte.

Auch wenn niemand ernsthaft voraussagen kann, wie sich ein bestimmter Kandidat unter realen Studiobedingungen schlägt, hat mich die nach meinem Empfinden eindeutige Niederlage der Pro-Euro-Fraktion, repräsentiert durch Brüderle/Asselborn, doch überrascht, da beide bekanntermaßen ausgebuffte Medienprofis und mit allen Wassern gewaschen sind.