Mehr Schlaffis an die Front

Ursula von der Leyen möchte die Bundeswehr attraktiver gestalten und plant daher, die körperlichen Eignungskriterien für Soldaten weiter zu senken. Wozu soll ein Soldat heutzutage auch körperlich fit sein? Er wird schließlich rundum medizinisch betreut und kann notfalls mit dem Joystick kämpfen.
Wozu soll er auch einen BMI von unter 30 haben oder sogar schlank und leistungsfähig sein? Man kann doch für übergewichtige Soldaten einfach größere Panzer mit bequemen Sitzen oder U-Boote mit mehr Auftrieb und höherem Volumen bestellen.
Wozu soll ein Soldat dann auch noch lange Märsche absolvieren oder sich gar im Dauerlauf bewegen können? Ist doch unnötig. Er kann sich jederzeit chauffieren oder mit dem Hubschrauber abholen lassen.
Wozu soll ein Soldat noch schießen können? Die Drohnen unserer amerikanischen Verbündeten sind ohnehin besser geeignet, feindliche Kombattanten treffsicher und mit chirurgischer Präzision zu liquidieren. Continue reading Mehr Schlaffis an die Front

Alles ist gut

Nee, ich habe persönlich gar nichts gegen Steinmeier, nur um das mal klarzustellen. Außenminister zu sein, ist hierzulande ohnehin ein recht dankbarer Job, in dem man normalerweise nur Sympathiepunkte sammeln kann, jedenfalls in Friedenszeiten. Daher waren deutsche Außenminister, soweit ich mich erinnern kann, in den letzten Jahrzehnten auch immer recht beliebt. Selbst für Westerwelle galt dies bekanntlich.
Der Außenminister, der sich glücklicherweise aus der konfliktträchtigen Innenpolitik heraushalten kann, repräsentiert unser stolzes, reiches Land im Ausland, reist viel und mahnt zur Besonnenheit. Gestern sah ich ihn wieder in der Tagesschau, den Herrn Steinmeier, der seinen Körper in teure Maßanzüge kleidet und eine modische Designerbrille trägt, immer gut frisiert daherkommt und das Bild eines seriösen, gut situierten deutschen Staatsdieners vermittelt.
Beeindruckende Erscheinung, er kommt sehr seriös rüber, denke ich immer. Hat bestimmt eine gute Stilberaterin. Wer auch immer sich vom äußeren Schein beeindrucken lässt, muss ihn wohl mögen. Continue reading Alles ist gut

Die Ukraine im Spiegel der Medien

Es ist ein Fiasko für den Westen. Die Krim hat sich wie erwartet in einem Referendum mehrheitlich für den Beitritt zu Russland entschieden. Eine Sezession der russisch geprägten östlichen Regionen der Ukraine ist bei fortgesetzten Tumulten nicht ausgeschlossen.
Es ist schon seltsam, mit welcher Blindheit und Vehemenz die Medien der europäischen Öffentlichkeit diese Machtübernahme in Kiew durch eine kleine Clique als proeuropäisches Statement für Freiheit und Demokratie zu verkaufen versuchten.
Eifrig mitgemischt im Machtpoker haben ausländische Akteure, denen es nun schwer fällt, die selbst beschworenen russophoben Geister wieder in ihre Flasche zu zwingen. Nationalistische und rechts orientierte Kräfte der Swoboda und des rechten Sektors haben die losen Zügel der Macht ergriffen. Im selben Maße, wie in der deutschen Bevölkerung Zweifel daran wachsen, ob der von der Merkelregierung verfolgte Konfrontationskurs zu Russland sinnvoll ist und nicht etwa deutschen Interessen irreparablen Schaden zufügt, nehmen die medialen Bemühungen zur Gleichschaltung der offiziellen Meinung immer abstrusere Formen an.
So wurde in der vergangenen Woche der Russlandkorrespondent von „Zeit Online“, der dem dortigen Chefredakteur zu russlandfreundlich erschien, kurzerhand gefeuert. Die öffentliche Kündigung des vermeintlich russophilen Autors erfolgte öffentlichkeitswirksam über Twitter, was in der heutigen Zeit einer medialen Hinrichtung gleichkommen dürfte.
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Kein Entkommen

Der leitende Feuilletonredakteur bei Welt Online weiß genau, wie der gemeine AfD-Wähler tickt. Besser gesagt, wir wissen, wie der Feuilletonredakteur tickt. Jener schafft es doch tatsächlich, auf recht plumpe Weise in einer ansonsten belanglosen Rezension eines Fernsehfilms noch eine präventive Verunglimpfung mündiger Wähler unterzubringen, die nicht dem politischen Lager seines Arbeitgebers zuzurechnen sind.
Jedenfalls glaubt der Feuilletonchef zu wissen oder schreiben zu müssen, dass der „aufrechte AfD-Wähler“ (der den heiligen Euro abschaffen und nach offiziöser Lesart Europa mit Krieg überziehen möchte oder gar einen „Rücksturz“ in die Nationalstaatlichkeit befürwortet), also kurzum, dass ein solches Subjekt folglich auch Wutbürger, Anhänger der Law-and-Order-Fraktion und Befürworter von Selbstjustiz sein muss.
So einer geilt sich nämlich auch an einem zweitklassigen Prügeldrama im Fernsehen auf, in denen die bundesdeutsche Kuscheljustiz mal wieder nicht gut weg kommt.
Ein Schlägerdrama aus der Perspektive des Opfers erzählt (im ZDF – „Kein Entkommen“), das muss dem aufrechten AfD-Wähler wohl gefallen, meint Welt Online. Continue reading Kein Entkommen

Splitter

Frank-Walter Steinmeier tut, was er kann. Aber was kann er?
Warnen und zur Besonnenheit aufrufen? So warnt Herr Steinmeier eindringlich in Donezk bei einem Treffen mit dem sich geläutert gebenden ukrainischen Oligarchen Achmetow vor einer Ausweitung der Krise in der Ukraine. Einer Krise, die er, Steinmeier, doch selbst mit heraufbeschworen hat. Verdrängt er den Gedanken, dass seine und Merkels zündelnde Politik und widersprüchliche Haltung für das derzeitige Chaos in der Ukraine in höchstem Maße mit verantwortlich sind? Continue reading Splitter

Interessen

Für einen Politiker mit Rückgrat muss es schlimm sein, gegen seine eigenen Überzeugungen handeln zu müssen. Vorausgesetzt, man hat gewisse Überzeugungen, fühlt sich den Interessen des eigenen Volkes noch verpflichtet und weiterhin vorausgesetzt, man hat sich ungeachtet der nötigen Dienstbeflissenheit und opportunistischen Haltung, über die ein Partei- und Staatsdiener oder verbeamteter Diplomat notgedrungen verfügen muss, noch einen letzten Rest an eigenständigem Denken und Würde bewahrt.
Wenn es dann hart auf hart kommt, kann man immer noch Aktivität vortäuschen, Tatkraft und Entschlossenheit simulieren. Bei deutschen Politikern weiß man nie, woran man ist. Sie sagen, sie seien Deutsche, Europäer und Transatlantiker – in erster Linie natürlich Europäer. Aber was, wenn sich aus dieser Dreifaltigkeit ein Interessengegensatz ergibt? Wenn sich in krisenhaften Situationen zeigt, dass die Interessenlinien der drei genannten Gruppen nicht mehr übereinstimmen, sondern eher divergieren?

Im Westen nix Neues

Es erfordert wohl derzeit keinen großen Mut, sich gegen Russland und insbesondere gegen Wladimir Putin zu positionieren, in dessen Person westliche Meinungsmacher und Politiker den Hauptschuldigen an der gefährlich vor sich hin köchelnden Krise in der Ukraine ausgemacht zu haben glauben. In den Augen der westlichen Medien scheinen die Rollen nun wieder klar verteilt zu sein. Im Osten strebt der aggressive Russe mit seinen Panzerarmeen in hegemonialer Manier danach, sich ein Land nach dem anderen einzuverleiben, während der friedliebende Westen, repräsentiert durch die USA und die EU, wahre Horte der Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, gern auch die restliche Welt befreien bzw. völlig uneigennützig mit Freiheit und Menschenrechten nach ihrem Verständnis beglücken möchte. Continue reading Im Westen nix Neues