Guckloch in die Vergangenheit

Nachts, wenn die meisten meiner Mitmenschen den Schlaf der Gerechten schlafen und höchstens noch eingefleischte TV-Junkies oder an nächtliche Computerarbeit gewöhnte Zombies wie ich wach sind, greife ich manchmal zur Fernbedienung und hangele mich durch das Dickicht der ca. 30 bei mir verfügbaren Fernsehkanäle – nur, um mich zu vergewissern, dass ich keine filmischen Sensationen, Katastrophen oder weltbewegenden Geschehnisse verpasse. Regelmäßig bleibe ich dann bei irgendwelchen skurrilen Formaten oder in irgendeiner Hinsicht ungewöhnlichen Sendungen oder Filmen hängen, z. B. bei den etwas bizarr anmutenden filmischen Interviews eines gewissen Alexander Kluge. Eigentlich schalte ich aber nur ein, um abzuschalten. Bekanntlich ist das TV-Nachtprogramm meist von durchwachsener Qualität. Auf nächtlichen Sendeplätzen werden zuweilen recht gute, künstlerisch wertvolle oder systemkritische Sendungen oder Filme versteckt, die keine Quote bringen oder die man nach Ansicht der Programmchefs der Mehrheit des Zuschauervolks nicht zumuten kann. Meist wird aber lediglich preiswert produziertes lückenfüllendes Sendematerial ausgestrahlt. Bei vielen dieser Sendungen handelt es sich um eine Art bewegtes Testbild. So manchen Senderverantwortlichen scheint es vor ziemliche Herausforderungen zu stellen, Tag für Tag ein 24-stündiges Vollprogramm bieten und die Sendezeit auf sinnvolle Weise füllen zu müssen. Continue reading Guckloch in die Vergangenheit