Peter Scholl-Latour

Ich mag keine Nachrufe, aber schon lange nicht mehr habe ich den Tod eines fremden, mir persönlich eigentlich unbekannten Menschen als solch großen Verlust empfunden. Peter Scholl-Latour ist verstorben. Ich hätte ihm noch viele weitere Jahre Lebenszeit gewünscht. Am 9. März hatte er dem Münchner Merkur zu seinem 90. Geburtstag noch ein ausführliches Interview gegeben. Weltoffen, lebenserfahren und derart kompetent in außenpolitischen Fragen, dass er in den letzten Jahren zu einem echten Exoten in der deutschen Journalistengilde wurde. Ein polyglotter Weltbürger und scharfsinniger, intelligenter Freigeist, der sich stets einen klaren, unverstellten Blick auf die Welt bewahrt hat. Seine Stimme, seine von Weisheit und Kulturkompetenz geprägten Interviews und Wortmeldungen werde ich schmerzlich vermissen. Ja, ich habe ihn gemocht, viel von ihm gelesen und gehört. Für mich war er einer der besten Journalisten bzw. Nahost- und Osteuropaexperten, die wir in Deutschland hatten. Viele der heutigen Entwicklungen hat er übrigens vor Jahren vorhergesehen und mit Nachdruck vor genau den Eskalationen gewarnt, die jetzt eingetreten sind.
Ein herausragender Vertreter des unabhängigen Journalismus in Deutschland ist tot. Mögest du in Frieden ruhen, Peter Scholl-Latour.