Network

Was die Attraktivität sozialer Netzwerke ausmacht, ist sicher die Möglichkeit, sich auf recht bequeme Weise zu vernetzen und auch zu entfernten Freunden oder Bekannten einen – wenn auch losen – Kontakt über längere Zeit aufrechtzuerhalten. Letztlich sind das oft solche Kontakte, die man früher ohne E-Mail und Internet gar nicht erst geknüpft oder nicht auf Dauer bewahrt hätte, da man sich eben ohne entsprechende Bemühungen zur Kontaktpflege in der realen Welt im Laufe des Lebens aus den Augen verliert. Leute, denen man früher begegnet ist und mit denen man Visitenkarten oder Telefonnummern ausgetauscht hat, die sind damals allmählich aus dem Blickfeld verschwunden, wurden vergessen; man selbst wurde natürlich auch vergessen… Continue reading Network

Patient X

Irgendein frostiger Freitag im November oder auch Anfang Dezember. Auf den Straßen ist es neblig und kalt. Regierungspressekonferenzen finden häufig freitags statt. Nicht ungewöhnlich also, dass heute eine angesetzt ist. Im Konferenzsaal haben die Sprecher der Ministerien bereits ihre Plätze auf dem Podium eingenommen. In der Mitte hat man einen Platz für den neuen Regierungssprecher freigelassen. Zwei Sprecherinnen tuscheln leise hinter vorgehaltener Hand miteinander. Die in den ersten beiden Reihen hockenden Fotografen und Kameraleute schauen gelangweilt in der Gegend herum oder hantieren routiniert an ihren Apparaten, justieren, fokussieren oder kalibrieren und tun, was auch immer zur Vorbereitung der staatstragenden Aufnahmen und Optimierung der Bildqualität noch zu tun ist. Continue reading Patient X

Das Boot

Die Meldung von einem angeblich vor der schwedischen Küste spionierenden russischen U-Boot kann mir nur noch ein müdes Gähnen entlocken, erinnert es mich doch in verdächtiger Weise an die grassierende U-Boot-Hysterie aus der Hochzeit des Kalten Krieges.

Auch wenn man die Zeit nur vom Hörensagen kennt, denn die sprichwörtliche Gnade der späten Geburt oder vielleicht auch ganz profan ein damals nicht in Schweden, sondern hinter dem Eisernen Vorhang liegender Lebensmittelpunkt hindert die meisten von uns daran, hier Schilderungen des Erlebten aus erster Hand einzubringen. Aber letztlich muss man immer auf Berichte aus dritter Hand zurückgreifen, klar. Dennoch habe ich den starken Verdacht, dass bei diesem schmutzigen Spiel auf altbewährte Mittel und Zutaten zurückgegriffen wird…

Jedenfalls war zu Beginn der 80er Jahre tatsächlich ein sowjetisches U-Boot unweit oder innerhalb der schwedischen Hoheitsgewässer havariert und auf Grund gelaufen. In der Folgezeit kam es dann zu weiteren U-Boot-Sichtungen direkt vor der schwedischen Küste, die in der schwedischen Öffentlichkeit eine regelrechte Hysterie und Panik entfacht haben sollen. Wie später bekannt wurde, hatte man seitens der US- und NATO-Streitkräfte gezielt eigene U-Boote in die Gewässer des neutralen Schwedens beordert und auftauchen lassen, um in der schwedischen Bevölkerung die Furcht vor einer sowjetischen U-Boot-Bedrohung zu schüren, die Zustimmung für eine engere Bindung an die westliche Militärallianz zu erhöhen und das Land so in die Fänge der Nato zu treiben, d. h. korrekter gesagt, um dem Land den militärischen Schutz der transatlantischen Gemeinschaft angedeihen zu lassen.

Kurioserweise wurden diese Geschehnisse und auch genau ein solches Szenario in einem der letzten Wallander-Krimis von Henning Mankell thematisiert. Alles lief demnach (fiktiv) genau so ab wie im aktuellen Drehbuch: unbekanntes U-Boot taucht auf und entkommt natürlich; es können nur Russen gewesen sein, heißt es; später zeigt sich allerdings, dass… usw. usf.

Nun ja, ich will euch nicht die Spannung verderben, falls es jemand noch nicht gelesen hat. „Der Feind im Schatten“ heißt es und wurde meines Erachtens auch schon verfilmt.
Aber letztlich ist immer das Leben der beste Regisseur, sagt man nicht so?

Thomas Magnum – Wegbereiter der Share Economy

Ihr kennt bestimmt noch die TV-Serie „Magnum“ mit Tom Selleck, die in den 80ern über die Bildschirme flackerte? Na klar, kennt jeder. Läuft ja auch noch ab und zu in x-ter Wiederholung auf irgendeinem Kanal. Das war damals im frühen Jugendalter eine meiner Lieblingsserien, wenn ich denn überhaupt eine Lieblingsserie hatte, da ich eh nur selten und dann auch nur heimlich Westfernsehen schauen konnte… Vielleicht waren es die coolen Darsteller, diese ferne exotische Szenerie in Hawaii, die Erzählweise, der Humor, die Running Gags mit Higgins und nicht zuletzt der rote Ferrari – all dies brachte etwas Farbe in meine trübe Kindheit. Obwohl das mit der Farbe schon wieder nicht ganz stimmt, denn ich konnte nur schwarz-weiß sehen; wir hatten ja erst viel später einen Farbfernseher… Aber ich sollte nicht wieder abschweifen. Worauf ich hinauswill oder was vielleicht noch niemandem von euch aufgefallen ist: Ohne sich dessen bewusst zu sein, waren die Macher dieser vortrefflichen Serie wahrhafte Visionäre. Sie haben nämlich die erste Ikone der Share Economy hervorgebracht und geformt.

Denn in Gestalt des stets klammen, aber sympathischen und schlagfertigen Privatschnüfflers Thomas Magnum erkennt man heute unschwer einen Pionier der Sharing Economy-Bewegung: „Teilen statt Haben“ bzw. „Besitzen ist out, Teilen ist in“ – so in etwa lauten bekanntlich die Schlachtrufe und Leitmotive eines seit einiger Zeit von medialen Begeisterungsstürmen begleiteten wirtschaftlichen Trends. Continue reading Thomas Magnum – Wegbereiter der Share Economy

Zur Frage der Leserzahlen

Dieses Blog befindet sich wie viele andere auch im „Long Tail“, im langen niedrigen Ausläufer der nach Besucherzahlen geordneten statistischen Verteilung sämtlicher Websites im Netz. Und dort gehört es auch hin, sollte ich hinzufügen.
Je mehr und je häufiger ich in der Blogosphäre unterwegs bin, desto interessanter sind für mich abseits des medialen Mainstreams liegende Blogs, auch und gerade, weil sie selten besuchte private Meinungsnischen und einsame Refugien für fremde Gedankenwelten darstellen.
Auf die Frage, was man mit seinem Blog erreichen will, wird wahrscheinlich jeder Blogger, abhängig von der inhaltlichen Ausrichtung oder etwaigen finanziellen, beruflichen oder sonstigen Interessen, jeweils eine andere Antwort geben.
Continue reading Zur Frage der Leserzahlen

Es saugt und bläst der Heinzelmann…

Laub

Diese benzinbetriebenen Laubbläser und -sauger sind auch für mich eine echte Landplage. Bleibt mir also nichts übrig, als dem Blogger Asmodeus, auf dessen Beitrag zum Thema ich vorhin stieß, von ganzem Herzen zuzustimmen. Jeden Herbst nerven mich diese akustischen Umweltverschmutzer aufs Neue. So konnte ich auch letzte Woche an meinem aktuellen Domizil, also da, wo ich mein karges Nachtlager aufgeschlagen hatte, dieser Heimsuchung nicht entgehen. Ohne Vorwarnung weckte mich der Lärm am Montag zu fast nachtschlafender Zeit – es klang wie das Dröhnen von Flugzeugturbinen vor dem Start, so dass ich automatisch aus dem Bett katapultiert wurde, um das Fenster zuzuschlagen, was sich jedoch als nutzloses Unterfangen herausstellte, denn selbst bei geschlossenem Schlafzimmerfenster blieb es unerträglich und nervtötend. Ohropax war auch nicht in Reichweite. Die Posaunen von Jericho können nicht schlimmer geklungen haben, bevor die Mauern der verschlossenen Stadt in sich zusammenbrachen…
Nach einer Weile scheint sich dieses ohrenbetäubende Saug-/Blasmonstrum in deinem Kopf zu befinden. Dann ist’s in der Regel höchste Zeit zum Aufstehen…
Ein paar Tage danach sieht’s übrigens draußen fast genauso aus wie vorher…
Kann daher sein, dass die Laub-Busters nochmal anrücken werden.

Ich persönlich hab übrigens gar nichts gegen Laub. Es stört mich nicht, und es ist Teil der Natur. Als Kind liebte ich es, durch das dichte Laub zu toben, die Füße reinzustecken, in den Laubhaufen zu stöbern, das Laub wie Konfetti durch die Gegend zu werfen, mich in den Laubhaufen zu wälzen…

Wischiwaschi

DSCN3459


Vorgestern war ich mal wieder auf der A2 in Richtung Hannover unterwegs. Nach einer Stunde Fahrtzeit verdunkelte sich der Himmel, dann fing es an zu regnen. Meine Wischer hatten Schwerstarbeit zu leisten. Vielleicht hätte ich mir doch lieber bessere Wischerblätter zulegen sollen? Gute Sicht ist Gold wert. Andererseits, Durchblick wird ja auch oft überbewertet. Auf der Rückfahrt regnete es ununterbrochen. Continue reading Wischiwaschi

Kontowechsel leicht gemacht

In der FAZ stieß ich heute auf einen Erfahrungsbericht einer FAZ-Redakteurin, bei dessen Lektüre ich zugegebenermaßen kurz schmunzeln musste. Die Autorin schildert darin, auf welche Widrigkeiten sie stieß, als sie nach vielen Jahren endlich beschloss, mit ihrem Girokonto zu einer anderen Bank umzuziehen. Welch mutige Entscheidung, dachte ich. Nachdem sich also diese erfahrene Redakteurin des Wirtschaftsressorts nach 15 Jahren der Unzufriedenheit dazu durchgerungen hatte, einen Kontowechsel zu vollziehen, passierte Folgendes:
Continue reading Kontowechsel leicht gemacht

Warum nur?

Googeln bildet. Auch wenn ich anfangs skeptisch war, habe ich mittlerweile die Autocomplete-Funktion von Google schätzen und lieben gelernt. Ihr wisst, was ich meine? Die automatische Vervollständigung von Suchbegriffen im Browser, sobald man lediglich die ersten Buchstaben eines Wortes in diese Suchmaske eingibt. Erstens hilft das über gelegentliche Rechtschreibschwächen hinweg, und zweitens ist es immer wieder faszinierend zu sehen, wie im Hintergrund ausgeführte, geheimnisvolle Google-Algorithmen abschätzen, welche Fragen oder Suchbegriffe ich wahrscheinlich, natürlich mit einer gewissen Unsicherheit behaftet, eingeben möchte. Aber Unfug, denn so geheimnisvoll ist es natürlich auch nicht. Es sind wohl lediglich Vorschläge, die basierend auf der Häufigkeit aller bisherigen Suchanfragen angezeigt werden, stell ich mir vor. Ich könnt natürlich auch googeln und dann hier eine beeindruckende fachsprachliche, natürlich leicht abgewandelte Erklärung der Funktion reinschreiben, um mich als oberschlauer Nerd zu präsentieren. Mach ich natürlich nicht. Continue reading Warum nur?