Human Branding (3)

Wer sich nur über seine Leistungen definiert, bleibt – solange ein Überschuss an derartigen Leistungserbringern herrscht – eine anonyme, gesichtslose Ressource, die problemlos ausgetauscht werden kann, wenn sie z. B. zu teuer wird oder unbequeme Forderungen stellt.
Dabei ist erst einmal unerheblich, wie gut bzw. qualitativ hochwertig diese Leistungen sein mögen. Entscheidend ist der Aspekt, dass der betreffende Erbringer bzw. Anbieter der Leistungen nie unentbehrlich ist und keine unverwechselbare Identität oder einmalige Kompetenz einbringt, die gerade ihn für diesen Job bzw. Auftrag qualifiziert. Dem potenziellen Abnehmer bzw. Käufer der Leistung müsste daher folgende Einsicht vermittelt oder bewusst werden: Es ist nicht (in erster Linie) die Leistung oder der Preis, sondern die Person (besser: die von dieser Person entkoppelte (gleichsam markenbildende) Gruppe ihrer Eigenschaften), auf die es hier ankommt. Dies kann geschehen, indem man sich schrittweise eine menschliche Markenidentität zulegt und sich über diese „Eigenmarke“ präsentiert. Continue reading Human Branding (3)

Human Branding (2)

Als Kind habe ich mir oft vorgestellt, wie es denn wäre, in einer Überflussgesellschaft wie der heutigen zu leben. Meine Sicht war damals eher konsumentenseitig orientiert, so wie es naturgemäß bei den meisten Leuten ist. Man schaut sich die Reklame an, blättert in hochglänzenden Werbeprospekten, blickt in strahlend hell erleuchtete Schaufenster und zum Bersten gefüllte Supermärkte oder Kaufhäuser und wähnt sich im Schlaraffenland.

Ich konnte mir als Dreikäsehoch schwerlich vorstellen, dass in einer Überflussgesellschaft stets auch ein gewisser, in der Höhe schwankender Überschuss an unverkauften Waren, überflüssigen Anbietern, ungenutzten Arbeitskräften herrscht, herrschen muss. Im Vergleich zu einer zentral gelenkten Mangelwirtschaft aus Sicht des solventen Konsumenten sicherlich ein kleines Paradies, aber die andere Seite der Medaille, die eher unerquicklich ist, zeigt sich, wenn man selbst gezwungen ist, seine Ware Arbeitskraft bzw. sich selbst als jederzeit austauschbare menschliche Ressource auf einem der gesättigten Märkte billigst anzubieten. Continue reading Human Branding (2)

Human Branding (1)

Ich gebe nicht viel auf Marken. Nicht mehr, sollte ich hinzufügen. Vor fünfzehn oder zwanzig Jahren dachte ich wahrscheinlich anders darüber, aber sowohl bei Marken- als auch bei No-Name-Produkten habe ich jeweils Licht und Schatten erlebt. Da die meisten Produkte sowieso aus irgendwelchen asiatischen Sweatshops oder fernöstlichen Sklavenfabriken kommen, macht es für mich keinen Unterschied, welche Marken ich kaufe. Ich achte auf Funktionalität, Preis, Wartungs- und Reparaturfreundlichkeit sowie Langlebigkeit, soweit man letzteres überhaupt abschätzen und beurteilen kann. Im Übrigen ist es sowieso egal, was ich denke. Tendenziell sind wahrscheinlich die meisten Leute eher bereit, für Markenware Aufpreise zu zahlen, wenn sie nicht ohnehin schon Markenfetischisten sind. Continue reading Human Branding (1)