Offline ist das neue Bio

Morgen fange ich an. Versprochen. Heute ging es nicht. Aus technischen Gründen, sag ich mal. Mein Motto: Nur auf die Offline-Welt kommt es an. Daher: Schluss mit online. Megaphon besorgen, Transparente malen und losmarschieren. Wofür oder wogegen? Für den Weltfrieden erstmal und natürlich gegen die Gier.
Bloggen ist wie gegen die Wand sprechen oder gegen den Wind pinkeln (was vielleicht sogar die bessere Analogie ist). Warum schreib ich also (vorerst weiter)?
Mitteilungsbedürfnis kann es nicht sein, sonst würde ich auch privat mehr labern. Missionieren will und kann ich auch nicht. Wozu auch? Mit Kommentaren überzeugt man niemanden von etwas; da müsste man schon tiefer graben, zwingender argumentieren, Dinge detaillierter belegen, und auch dann ist es zweifelhaft, ob deine Argumentation auf fruchtbaren Boden bzw. auf eine aufnahmebereite Leserschaft trifft. Vielleicht sollte man sich doch die Zeit nehmen und mal wieder was Ordentliches veröffentlichen (eine noch vielfach unterschätzte Möglichkeit, die man gar nicht hoch genug bewerten kann); Texte unter eigener Kontrolle behalten…

„So schreib doch ordentlich, Junge! Und immer diese Texte, das will doch keiner lesen…“
Ja ja, ich weiß. Aber das Schreiben im Netz birgt schon eine gewisse Faszination in sich, hat auch einen Suchteffekt, der sich einem Außenstehenden nicht sofort erschließt. Kommt vielleicht auch daher, dass man sich als Blogger in einer Art Luftblase wähnt. Als Blogger lebt man in seinem eigenen Biotop. Man bewegt sich selektiv oder in gewohnten Bahnen, springt zwischen selbst ausgewählten Adressen hin und her. Was man nicht sehen will, blendet man aus, klickt man weg. Andererseits: Was man wegklickt, kann nie verschwinden…

Mehr oder weniger handelt es sich bei der Bloggerszene um ein geschlossenes System. Blogger reimt sich auf Jogger – ein Blödheini, der stumpfsinnig in der Gegend herumrennt, nur um einmal am Tag seinen furzigen Arsch in Schwung zu bringen. Der Klang des Wortes erinnert auch an Blobber, Blabber oder Blubber (engl.: to blubber = flennen, plärren)… Continue reading Offline ist das neue Bio

Internet -

Vor ein paar Wochen las ich einen Artikel, in dem sich ein Welt-Redakteur seinen Internetfrust von der Seele schrieb, in der Art von: Warum ich das Internet nicht mehr verstehe und den Anschluss verloren habe (obwohl er, wie er schrieb, mit Ende 20 noch so jung und unheimlich medienkompetent sei). Ich wollte damals eigentlich etwas zu dem Thema schreiben, hab’s dann aber irgendwie vergessen oder für nicht wichtig genug erachtet.

Als ich gestern zufällig auf die Seite kam, weil ich den Link auf dem Laptop zwischengeparkt hatte, fielen mir vor allem aber die mittlerweile dort eingetrudelten Kommentare unter dem Artikel auf, von denen einige recht ausführlich und gut sind. Die treffen nämlich auch ins Schwarze – ist ja auch oft so, dass die Kommentare das Salz in der Buchstabensuppe sind….
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Zur Frage der Rezensionen

Als ich gestern im Web stöberte, wurde mir bewusst, dass ich seit einer halben Ewigkeit keine einzige Rezension mehr geschrieben habe, zumindest keine, die diesen Namen verdient. Keine Sorge, ich habe auch nicht unbedingt vor, welche zu schreiben. Nein, ich verspüre keine derartigen Ambitionen. Zum Glück. Ab und zu mal einen Gedanken oder ein Zitat aus einem Werk anzuführen oder ggf. in den Text einfließen zu lassen, finde ich ausreichend und sinnig (hierzu passend/ergänzend aus aktuellem Anlass ein Posting zum Urheberrecht von Dark Lord). Aber eine faire, umfassende, ordentlich gegliederte und fundierte Kritik kostet Zeit. Idealerweise müsste oder sollte eine solche Rezension auch irgendeinen Mehrwert für andere Leser generieren. Verständlicherweise gelangt auch niemand auf dieses Blog, weil er hier unbedingt eine Buchrezension erwarten würde. Aus Verlagssicht stellen Rezensionen ein nützliches Marketinginstrument dar, ein verkaufsförderndes Mittel – oft wird gemunkelt, dass die ersten Rezensionen eines neuen Werkes „organisiert“ sind. Ist wohl auch kein Geheimnis. Rezensionen dienen in erster Linie dazu, überhaupt erstmal Aufmerksamkeit für ein neues Werk zu wecken – es geht ja auch darum, inmitten von Hunderten oder Tausenden Neuerscheinungen aufzufallen, die jeden Monat auf den Markt kommen. Da helfen natürlich positive Leserstimmen. Das Größte natürlich – eine wohlmeinende, geistreiche Besprechung im Feuilletonteil einer renommierten Zeitung. Aber Amazon-Rezensenten sind sicherlich die Fußsoldaten in einer Schlacht um Anerkennung und Aufmerksamkeit, bei der auch viele Autoren auf der Strecke bleiben (müssen). Continue reading Zur Frage der Rezensionen

Kriegspropaganda

Etwas untergegangen, aber erwähnenswert, da ein seltenes Schlaglicht auf die aktuelle Lage werfend, ist folgende Meldung:
General Breedlove, der militärstrategisch verantwortliche Oberbefehlshaber der NATO für Operationen (Supreme Allied Commander Europe), betreibe gefährliche Propaganda, beklagt das bundesdeutsche Kanzleramt. Erinnert euch an gelegentliche Meldungen über russische Panzerkolonnen und Gefechte in der Ukraine im letzten Jahr, in denen reguläre russische Truppen angeblich vernichtend geschlagen oder spurlos ausradiert wurden. Hat sich herausgestellt (was unvoreingenommenen Beobachtern ohnehin längst klar war), dass diesbezüglich Falschmeldungen vom obersten Nato-Strategen bewusst lanciert wurden. US-amerikanische Lügenpropaganda, wie das Kanzleramt unterstellt.

Konkret wird kritisiert, dass Breedlove in seinen Äußerungen zum Ukrainekonflikt nicht so sachlich bleibt, wie es dieser sehr verantwortungsvolle Posten erfordern würde und dass er die Verantwortung Russlands übertreibt und häufig nicht beweisbare oder sogar nachweislich unwahre Behauptungen aufstellt. (Quelle: Telepolis)

Da ist also jemand an der Nato-Spitze, der nachweislich unwahre Behauptungen aufstellt; einen solchen Menschen könnte man auch als unverfrorenen Lügner bezeichnen, oder sehe ich das zu einseitig (wie so oft)? Continue reading Kriegspropaganda

Trolliges

Es kam in den sonntäglichen Nachrichten. Ich war gerade mit dem Auto in der Stadt unterwegs, wie immer war ich guter Dinge (ich bin ja eine Frohnatur), d. h. meine Stimmung war soweit okay, es war schließlich Sonntagmittag, die Straßen waren frei – auf dem Rückweg vom Hauptbahnhof. Ein ruhiger Nachmittag lag vor mir und ich schaltete ausnahmsweise das Autoradio ein. Ich glaub, das war genau einen Tag nach dem Mord an Nemzow. Zu jener Zeit, also einen Tag nach dem Mord, da wussten der Röttgen und seine Presseleute natürlich schon, dass der Putin den Nemzow umgebracht hat oder halt, die drücken sich ja immer vorsichtiger oder gewählter aus. Nicht, dass man die mal auf irgendwas festnageln könnte. Jedenfalls, selbst wenn er nicht selbst abgedrückt habe, so trage doch der Putin die Verantwortung für diesen Mord oder diese „Exekution“ – so die Frau Beer von der FDP. Denn voilà: Der Putin habe schließlich den Boden für diese Tat (und alle mutmaßlich noch folgenden Missetaten) bereitet. So jedenfalls wurde es im Inforadio Berlin berichtet, einem öffentlich-rechtlichen Nachrichtensender. Soweit, so gut. Die werden schon wissen, was sie tun.
Der Kunstgriff dieser Sprecherin bzw. der Nachrichtenredaktion bestand aber darin, faktisch im selben Atemzug alle anderen, zu diesem Zeitpunkt gleichermaßen möglichen Ansätze, Theorien oder Vermutungen zur Täter- oder Urheberschaft mal ganz locker vom Hocker zu wischen und pauschal abzuqualifizieren: Meinte die Sprecherin doch tatsächlich, Theorien über andere Täter (als Putin) würden nur von (wortwörtlich) „kremlgesteuerten Internettrollen“ verbreitet.  Mitten im Wort stockte die Nachrichtensprecherin kurz, sie schien etwas unsicher, überlegte vielleicht, ob ihr Skript korrekt war. „Kremlgesteuerte Internettrolle“ ging ihr offenbar nicht leicht von den Lippen.
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