Kniestrümpfe

Ich mochte Kniestrümpfe noch nie. Als Junge fand ich Kniestrümpfe uncool. Keine Ahnung, warum. Ich könnte mir natürlich jetzt irgendwas zusammenspinnen, etwa dass der elastische Stoff auf meiner empfindlicheren Haut am Schienbein kratzte und juckte oder dass ich damals das Gefühl hatte, die langen bunt gemusterten Strümpfe würden meinen freien Geist einengen, bzw. ähnlichen Bullshit, den man zu schreiben pflegt, wenn man unbedingt etwas Geistreiches absondern möchte, um Feuilletonisten wohlwollend zu stimmen oder den Anschein zu erwecken, dass man neben einem nackten Textgerüst noch eine hintergründige Botschaft zu vermitteln hätte, die sich nur dem aufmerksamen Leser erschließt …
Nein, Freunde, so nicht! Wahrscheinlich mochte ich Kniestrümpfe in Verbindung mit kurzen Hosen einfach nicht, weil ich sie kindisch fand. Ich war wohl ein seltsames Kind. Und als Junge wollte ich alles Mögliche sein, nur nicht kindisch wirken.
Ich zog sie daher nur an, wenn ich musste, genauer gesagt, wenn Mutter mich zwang.
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Gold Rush (II)

Kurios aus heutiger Sicht: 1999 hätte man die Firma Google zum Schnäppchenpreis kaufen können. Die Gründer Larry Page und Sergey Brin hatten ihre Suchmaschine damals u. a. dem damaligen Marktführer Excite für 1 Mio. Dollar zum Kauf angeboten. Zum Vergleich: Der aktuelle Börsenwert des Google-Konzerns liegt bei über 300 Milliarden Dollar.
Aber in den späten 90ern war Excite ein Börsenstar. Excite hatte schon eine brauchbare und am Markt etablierte Suchmaschine. Google war hingegen erst ein Jahr zuvor als Unternehmen gegründet worden und der breiten Masse (im Ausland sowieso) unbekannt. Google galt immerhin bei uns, in meinem beruflichen Umfeld als die bessere Suchmaschine – und ich erinnere mich, dass die Firma als sympathischer Underdog wahrgenommen wurde: eine schlanke, weiße Seite mit Suchmaske, die auf störende Werbung oder gesponserte Textlinks bewusst verzichtete, die damals in jedem Webkatalog aufpoppten, blinkten und nervten. Google reduzierte die Suche auf das Wesentliche, das Einzige, was zählte: eine schnelle, schnörkellose Suche mit relevanten Treffern, wobei die passendsten Ergebnisse tatsächlich an erster Stelle standen. Man musste sich nicht wie bei den damals verbreiteten Webkatalogen durch seitenlange, mit Werbung zugeschissene Trefferlisten klicken, um zufällig das Gesuchte zu finden. Ich behaupte mal frech, dass jeder Nutzer damals sofort die Überlegenheit der Google-Suchtechnologie im Web erkannte. Wer einige Male Google nutzte, blieb in der Regel auch dabei. Google wurde zu einem Synonym für die Websuche. Zuvor hatten auch eher unübersichtliche Webkataloge wie Yahoo den Suchmarkt dominiert; denen hatte man (im Hinblick auf Einnahmen aus Werbung) am Markt eigentlich mehr Chancen eingeräumt.

Kaum jemand in der Branche glaubte damals, dass man mit einer Websuchfunktion, die auch dauerhaft kostenlos bleiben sollte, überhaupt jemals Geld verdienen könnte. Hatte man den Wert oder das Potenzial der Google-Suchtechnologie unterschätzt? Wie auch immer: Der CEO von Excite (wie zuvor angeblich auch der Chef von Yahoo) lehnte die Offerte zum Kauf von Google (selbst nach einer weiteren Preissenkung) brüsk ab. Eine der teuersten Fehlentscheidungen der jüngeren Geschichte, könnte man denken. Excite war einige Jahre später pleite und wurde zerschlagen; Google hingegen beherrscht jetzt die halbe Welt.
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Gold Rush

Eine Zeit, an die ich immer noch mit einer Mischung aus ungläubigem Staunen und auch etwas Wehmut zurückdenke, ist diese Phase des ersten Goldrauschs bis 2001. Faszinierende Zeit, die ich auch hautnah in einer Internetfirma mitbekommen habe. Investoren und Aktionäre schienen damals außer Rand und Band, gierig und immer bereit, noch dem größten Schwätzer zu vertrauen und Firmen, die nur heiße Luft produzierten, mit Geld zu überschütten. Pets.com, Biodata und Kim Schmitz – nur stellvertretend für einige „Erfolgsgeschichten“ von damals. Man konnte sich manchmal in einem der seltenen klaren Momente nur an den Kopf fassen. Jeder, der ne Maus (vom Computer) halten konnte, wurde eingestellt. Leute kauften blind Aktien von Unternehmen, die man nur dem Namen nach kannte und beurteilte. Kann mich erinnern, dass eine Zeitlang die Aktie von Biodata haussierte, nur weil viele das Unternehmen fälschlicherweise für ein Biotechnologieunternehmen hielten. Andererseits erkannte man Unternehmen mit gutem Potenzial nicht. Okay, Google war damals noch längst nicht an der Börse, und das war eben auch gut so. Continue reading Gold Rush

Self-Publishing (II)

Übrigens warf ich am Wochenende einen Blick in meine bisherige Download-Statistik unter Bookrix. Ihr erinnert euch? Über dieses Portal (bzw. diesen Verlag) hatte ich vor einiger Zeit diese beiden kleinen Kurzgeschichten gratis veröffentlicht.

Innere Werte ­- ca. 400 Downloads (von Mitte November bis Februar)
Der Fremde vom Teufelsberg – ca. 350 Downloads (von Ende Januar bis Februar) 

Bisher also eine durchaus gute Bilanz, wie ich finde, die ich euch nicht vorenthalten wollte. Die überwiegende Zahl der bisherigen Downloads entfiel auf die ersten vier Wochen nach der Veröffentlichung. Ist auch logisch, denn da ist der Titel meist noch frisch in den Charts (Top 100 der Genre-Kategorie) sichtbar. Ich bin mal so anmaßend, zu glauben, dass ein Teil der Downloader diese Texte tatsächlich gelesen hat. Danke fürs Lesen, Leute, und Dank vor allem an den wohlwollenden Rezensenten. Bei Bookrix kann ich (mit ein- bis zweimonatiger Verspätung) tatsächlich die nackten Download-Zahlen einsehen, die von diversen ebook-Shops übermittelt werden. Die meisten Downloads (ca. 70 %) kommen natürlich über Amazon rein, aber auch in anderen Shops wurde fleißig heruntergeladen. Die ebook-Veröffentlichung ist somit nach meinem Dafürhalten gar nicht mal schlecht, um einen digitalen Verbreitungskanal für „schöngeistige“ Texte zu gewinnen – immer vorausgesetzt, man hat gut geschriebene, interessante Inhalte, bzw. man ist der Meinung, dass man lesenswerte Inhalte hat (was zugegeben bei mir nur in begrenztem Maße der Fall ist, aber ich bemühe mich …). Sonst kann man sich die ganze Mühe selbstredend sparen. Nach dem zu urteilen, was ich von einigen Indie-Autoren bisher gelesen habe (durchwachsene Erfahrungen), hat es keinen Sinn, unfertige, fragmentarische oder orthografisch mangelhafte Texte zu publizieren. Belanglose oder zu polemische Texte sind m. E. auch nicht unbedingt zur Veröffentlichung geeignet. Verständlich oder? Texte, die die Leserschaft spalten und widersprüchliche Reaktionen hervorkitzeln, werden generell nicht goutiert. Leser möchten in der Regel nicht agitiert werden, sondern packende oder anregende Literatur konsumieren. Aber polemische Texte kann ich ja zum Glück hier im Blog einstellen, wobei das vorstehend Gesagte auf Blogs auch zutrifft. Aber gut, hier kann sich schließlich keiner beschweren, da ich negative Kommentare jederzeit löschen kann. ;-)

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Zur Frage des Kunststoffs

Die Sache mit dem G36 geht mir irgendwie nicht aus dem Kopf, obwohl diese Sau schon vor geraumer Zeit durchs Dorf getrieben wurde. In aller Kürze: Offiziell wurde vor einigen Tagen nun auch vom Generalinspekteur der Bundeswehr bestätigt: Ist es heiß, schießt selbst der beste Schütze mit dem standardmäßig verwendeten Sturmgewehr G36 daneben.

Die mangelnde Treffsicherheit des Sturmgewehrs G36 bei hohen Außentemperaturen und in heißgeschossenem Zustand soll vor allem daran liegen, dass in der Waffe zu viele Kunststoffteile verbaut sind, die sich unter Hitze verformen. Kunststoff verliert ja ab einer gewissen Temperatur seine Steifigkeit. Sicherlich nur minimal, aber wir reden ja immerhin von Präzisionsteilen, von denen Leben abhängen können. Der Vorteil liegt da im geringeren Gewicht. Durch diese Kunststoffkomponenten ist das Ding leichter als ein komplett aus Metallteilen bestehender Schießprügel. Kennt man noch aus der Kindheit von den ganzen Spielzeugpistolen und Plastikgewehren, mit denen man Krieg gespielt hat, d. h. nicht wirklich Krieg, sondern aktive Vorwärtsverteidigung bzw. auch Räuber und Gendarm bzw. Indianer und Cowboy. Ihr wisst schon, was ich meine, stellt euch nicht so an. Heutzutage spielen brave Jungs wahrscheinlich eher Kaufmannsladen oder mit Barbiepuppen, aber zu meiner Zeit ging’s eben hoch her auf dem tristen Hinterhof, neben den schweren staubigen Mülltonnen hinter dem Haus mit der einheitlich grauen Fassade und den halbblinden Fenstern, durch deren Spalten am Rahmen immer ein kühler Windhauch durch die Räume zog.
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Kurze Wasserstandsmeldung

Mein Verhaltensexperiment läuft vorerst noch weiter. Bislang scheint das großspurig von mir angekündigte Leben ohne Internet zwar noch eine veritable Selbstlüge zu sein, aber trotzdem werde ich weiter versuchen, internetmäßig einen Gang zurückzuschalten, also surferische Abstinenz zu üben. Es gibt zwar schon kleine Tricks und Kniffe, aber so leicht, wie ich es mir vorgestellt hatte, ist es eben doch nicht. Man muss schon echt tough sein, um offline durch den Tag zu kommen. Die Devise muss lauten: Sei ein knallharter Typ, und mach es ohne Netz!
Positiv ist aber Folgendes anzumerken: Viele kleine, nichtige, triviale Dinge zogen in den letzten Wochen kommentarlos oder ganz unbemerkt an mir vorbei; Dinge, die die hyperaktive Webgemeinde bewegen, aber die „Menschen da draußen“ offenbar weitgehend kalt lassen, weil die meist einfach nichts mitbekommen von den täglichen Empörungen und Skandälchen, die im Web und in diversen sozialen Netzwerken breitgetreten werden.
Es kribbelt natürlich auch ab und zu in den Fingern, wenn man sowieso (wie jetzt gerade) am Rechner sitzt oder E-Mails abrufen muss. Man möchte, müsste oder könnte vielleicht hierzu oder dazu etwas schreiben, aber das vergeht, Leute. Und nach langem Sitzen verwandelt sich Schreibdrang bestenfalls in Harndrang.
So gesehen ist das Thema, was mich gerade bewegt, ein originäres Offline-Thema: mein/unser neuer Vinyl-Fußbodenbelag, der heute noch verlegt werden muss bzw. müsste; wenn, ja wenn die Pappnasen ihn endlich anliefern würden. Von wegen „so früh wie möglich“ würden sie kommen, lachhaft, denn ab 10 Uhr war eingeplant. Jetzt ist gleich Feierabend. Ach Mann, kein Verlass auf niemanden…