Die Hard

Es war an einem dieser warmen Nachmittage im Spätsommer vor vielen Jahren – damals muss ich wohl in der ersten oder zweiten Klasse gewesen sein. Mit einem Schulfreund und dessen Oma, die uns wie eine Glucke folgte, waren wir auf dem Heimweg vom Freibad. Unsere wie immer schlecht aufgepumpten Räder rollten schwer und schienen am heißen Asphalt zu kleben. Wir fühlten uns träge und schlaff. Ich spürte eine angenehme Schläfrigkeit, die einen an lauen Sommernachmittagen befällt, wenn man ausgepowert ist. Die Glieder werden müde, man denkt erstmal an nichts, kommt dann ins Träumen, gestattet sich, kurz die Augen zu schließen, und flugs ist man eingedöst. Sekundenschlaf ist eine gefährliche Sache, Mädels. Ja, auf der langen staubigen Straße, die wie eine Zielgerade zu unserem langen grauen Häuserblock führte, bin ich während der Fahrt auf dem Fahrrad eingenickt.

So richtig kam ich erst zu mir, als ich auf der warmen Asphaltoberfläche aufschlug. Wo zur Hölle war ich? Eben noch hatte ich geträumt, dass ich auf der Gegenfahrbahn, der anderen Straßenseite frontal gegen ein parkendes Auto fuhr und mich mit angeborener Eleganz über dessen Motorhaube abrollen ließ. Nur, dass es tatsächlich passiert war. Keine Ahnung warum, aber in meiner Erinnerung sind manche belanglose Begebenheiten so fest eingebrannt, wie die Seriennummer in den Lauf einer Waffe eingeschlagen ist. Als ich auf der Straße lag, rieb ich mir verwundert die Augen. Zum Glück war kaum Verkehr damals. Meine beiden Begleiter schauten etwas besorgt drein. „Ups. Nix passiert“, beeilte ich mich zu versichern. Wäre blöd gewesen, wenn ich eine Acht im Vorderrad gehabt hätte. Aber das von meinem Bruder geborgte Fahrrad hatte zum Glück nichts abbekommen. Ich auch nicht. Nicht mal einen Kratzer. Um das Auto kümmerten wir uns nicht weiter. Continue reading Die Hard