In der Hitze der Nacht

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„Wenn es doch wenigstens etwas kühler wäre“, seufzte der mit leichten Shorts und einem ärmellosen olivgrünen T-Shirt bekleidete Teenager, dessen dunkle Gestalt in der späten Dämmerung mit dem Hintergrund zu verschmelzen schien. Seine harten Gesichtszüge ließen ihn deutlich älter aussehen, als er war. Mit dem rechten Handrücken wischte er sich einige Schweißtropfen von der Stirn. Seine braungebrannten nackten Füße steckten in dünnen Ledersandalen. Staubtrockene Dunkelheit umgab ihn. Kein Lüftchen regte sich. Aus seiner waldreichen Heimat war Jurek an kühleres Wetter zu dieser Jahreszeit gewohnt. Die Ödnis der Großstadt nervte und ängstigte ihn. Wie konnten diese Menschen hier nur leben? In der räumlichen Unfreiheit ihrer kommunalen Behausungen, die an enge Kaninchenställe erinnerten, in der stickigen Enge der U- und S-Bahnen, mit all der schlechten Luft, den stinkenden Abgasen auf den Straßen. Jeder Atemzug löste in ihm körperlichen Widerwillen, manchmal gar Brechreiz aus.
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