Ponyland

Gestern Nacht: Beim gewohnheitsmäßigen Herumzappen bleibe ich bei einer der in Endlosschleife laufenden Pseudodokus hängen, die den Alltag unserer wackeren Gesetzes- bzw. Ordnungshüter im Einsatz zeigen sollen. Ein Gefühl nostalgischer Rührung ergreift mich. Ich sehe Szenen aus einer Staatssimulation, die den verbliebenen Mitspielern und Zuschauern einen funktionierenden Kontroll- und Rechtsstaat vorgaukelt. Penible, selbstverständlich unbestechliche Zollbeamte, die Koffer oder Reisetaschen peinlich genau durchwühlen und vor den Kameras so tun, als würden sie Steuervergehen der arglosen (bzw. sich arglos gebenden) Flugreisenden streng ahnden. Anflug von absurder Situationskomik, wenn eine über dem Freibetrag liegende Packung Zigaretten oder die überzählige Flasche Whisky triumphierend in die Kamera gehalten wird. Nee, das aber auch. Was für ein Fang. Da hatte man ja den richtigen Verdacht. Gespielte Fassungslosigkeit auf Seiten der ertappten Delinquenten, als da wären eine harmlos wirkende Omi und ein moldawischer junger Mann, die von bis zum Erbrechen höflich, aber unnachgiebig bleibenden Beamten schließlich zur Kasse gebeten werden. Nein, beileibe kein Kavaliersdelikt ist es, dem Fiskus die gebührende Einfuhrumsatzsteuer vorzuenthalten. Möge sie die volle Härte des Gesetzes treffen, all jene Reisenden, die sich samt ihrer drei unverzollten Stangen Zigaretten durch die grüne Gasse am Flughafen schleichen. Indes sich Tag für Tag der Strom der zigtausend Unregistrierten, jeglicher Kontrollen entzogen, über die grüne Grenze wälzt.