Das Fest

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Vor dem Einsteigen zog Chucky seine schwarze Feelgood-Jacke aus und warf sie achtlos auf den Beifahrersitz. Er bereute es schon fast, für den heutigen Besuch keine besser geeignete Oberbekleidung, sondern diese nagelneue Jack Wolfskin-Veloursjacke gewählt zu haben, an der man jeden Spritzer sehen konnte. Vielleicht hätte er heute früh besser zu einer abwaschbaren Wachsjacke, seiner guten alten Barbour-Jacke gegriffen, einem der letzten Überbleibsel aus besseren Zeiten. Die hatte er sich damals noch als BWL-Student geleistet, um mit den Anderen aus der Juraclique und seinen spießigen Kommilitonen mithalten zu können. Genauer gesagt, er hätte sie sich leisten können, wenn er nicht vergessen hätte, das gute Stück zu bezahlen. In seiner Erinnerung spürte er noch den Nervenkitzel, das Kribbeln im Bauch, die Erregung, die ihn gepackt hatte, als dieser übereifrige Hausdetektiv im KaDeWe auf ihn aufmerksam geworden war. Der Typ hatte ihn dann doch tatsächlich noch bis zur nächsten Ecke verfolgt. Nur halbherzig natürlich, die faule Sau kam nämlich nicht weiter als bis zur nächsten Bordsteinkante, das muss die Passauer Straße gewesen sein, wo er schwer atmend haltgemacht und sich erstmal eine Zigarette angesteckt hatte.
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Zur Frage des Schneekugel-Doodles

Schneekugel

Hatte dieses heutige Google Doodle, diese halbierte Schneekugel, nicht auch eine tiefere Bedeutung, die sich dem normalen Suchmaschinennutzer vielleicht nicht auf den ersten Blick erschließt? Ich denke da jedenfalls schon eine geraume Weile (natürlich wie immer vergeblich) drüber nach. Was bezweckt Google überhaupt mit derartigen Gimmicks, die zu bestimmten Anlässen geschaltet werden? Schnöde Profitgier kann es wohl nicht sein oder? Mal abgesehen davon, dass gar kein Schnee liegt oder fällt, diese künstliche Schneekugel ganz und gar bezaubernd und entzückend ist, möglicherweise auch Erinnerungen an eure Kindheit und den Kinderladen wachgerufen werden, wo der Onkel Hans oder Fritz vielleicht mit euch gespielt hat, der dann solche Schneekugeln oder auch Schokoladenkäfer verschenkt hat, oder dass die noch klügeren Kinder unter Umständen auch Assoziationen zu „Citizen Kane“ herstellen könnten etc. pp., jetzt mal abgesehen von all dem belastenden Erinnerungsmüll – steckt da vielleicht doch ein tieferer Sinn drin? Eine hypnotische Wirkung durch die Dynamik der kreisenden Schlittschuhläufer oder die permanent schwebenden Schneeflocken? Hattet Ihr nicht mal Kopfschmerzen oder wurde euch schwindlig, woraufhin Ihr an einem unbekannten Ort aufgewacht seid, nachdem Ihr auf solch ein tolles bewegtes Logo gestarrt habt? Nur mal als Denkanstoß, Leute. Continue reading Zur Frage des Schneekugel-Doodles

Unverhofft kommt oft

Mal eine blöde Frage. Wen erwartet Ihr, wenn es klingelt? Also wenn unverhofft jemand an der Wohnungstür klingelt. Du fläzt dich an irgendeinem freien Tag auf der Couch oder lümmelst am Schreibtisch herum oder parkst den Arsch auf der Klobrille. Egal. Es klingelt. Palim-palim, kling-ling oder ding-dong, vielleicht gefolgt von einem Pochen an der Tür.
Wen würde man da im Normalfall erwarten?

Post, DHL? Zwielichtige Gestalten, die immer am liebsten gleich einen Fuß in die Tür stellen wollen? Vertreter, Spendensammler, Aboverkäufer? Zeugen Jehovas, Bibelverkäufer? Polizei, Staatsschutz? Gerichtsvollzieher? Stalker, Nachbarn, Schnorrer? Den unglaublichen Hulk? Denkt mal drüber nach. Die Antwort sagt nicht nur was über die moderne urbane Gesellschaft aus, sondern auch viel über euch selbst, über Erfahrungen, Einstellungen. Sag mir, wen du erwartest, und ich sag dir, wer du bist. So ungefähr, nicht ganz präzise …

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Waffel

Hast wohl einen an der Waffel? Das hört man auch relativ oft oder? Schon mal überlegt, woher diese Redewendung stammt? Nun denn, auch dieses Geheimnis sei an dieser Stelle mal gelüftet: Ein gewisser Walter Fritzke goss probeweise Gummi in das Waffeleisen seiner Frau, als er Anfang der 70er Jahre Experimente anstellte, um das berühmte Waffelsohlenmuster einer bekannten US-amerikanischen Laufschuhmarke zu reproduzieren. Als Walters Frau von der Arbeit müde nach Hause kam, geriet sie außer sich vor Zorn und warf ihrem Mann das gusseiserne Küchengerät an den Kopf. Walter starb. Aber nicht sofort. Vorher war er, wie soll ich es ausdrücken, also er stand etwas neben sich, auch wenn er lag. Hatte eben einen an der Waffel.
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Kurzer Einwurf

Was Leute dazu treibt, Rezensionen zu verfassen, ohne auf den Inhalt des betreffenden Werkes Bezug zu nehmen, wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben. Eine Rezension ist bzw. sollte ja doch eine kritische (oder auch wohlwollende) Besprechung eines veröffentlichten Werkes sein. So war es doch mal oder? Hab es daher nie verstanden, wie man eine Fünf-Sterne-Rezension nach folgendem Strickmuster verfassen kann: „Schnelle Lieferung, alles okay, blabla…“ Selbst bei völliger Unkenntnis der Materie sieht man doch, was die anderen Kinder geschrieben haben. Dann vergleicht man und erkennt, dass man ein Trottel ist, Irrelevantes geschrieben bzw. keine angemessene Produktrezension verfasst hat? Eine korrigierende Handlung folgt der eigenen Erkenntnis.
Jedenfalls hab ich vorhin seit langem mal wieder in den Beständen von Amazon gestöbert und in den dortigen Kommentaren geschmökert. Unter diesen Produktrezensionen finden sich auch gut geschriebene, also ausgewogene und fundierte Kritiken. Kommt allerdings immer seltener vor, dass sich Leute die Mühe machen, so mein Eindruck. Kostet Zeit und etwas Hirnschmalz. Continue reading Kurzer Einwurf