Zündmodus

Was mir gerade einfiel: Ich habe vor einer Woche noch einmal meine letztjährige Kurzgeschichte „Zündmodus“ als kostenloses Ebook in den Buchportalen eingestellt. Wer die also noch nicht gelesen hat, ist hiermit freundlichst und explizit eingeladen, dies zu tun. Ach, diese Links bringen mich zur Verzweiflung …

Es ist eine leicht überarbeitete Fassung des Textes, der in „Sprünge“ enthalten ist. Also Leute wie Dark Lord und andere Hardcore-Leser hier kennen die bestimmt schon, aber ich dachte trotzdem, es wär nicht schlecht, wenn ich wenigstens mal eine kleine Story als Auskopplung wieder anbieten kann. Zum Anfüttern  … so wie beim Angeln oder? Zumal ich auch den Nante letzte Woche auch wieder getroffen habe, aber okay, das ist schon wieder eine andere Geschichte …

Zur Hörnchenfrage

Ich mag gar keine Hörnchen. Die sind mir zu trocken oder zu süß. Oder beides. Die bescheuerte Form gefällt mir auch nicht. Ein Hörnchen sieht immer missglückt oder halbfertig aus. Und schmecken tuts eh nicht, sagte ich ja schon. Donuts sind ja wenigstens noch formschön. Runde Gebäckstücke mit einem Loch in der Mitte. Perfekte Geometrie, irgendwie ästhetisch. Das Auge isst mit, wa?
Ein Donut ist zwar auch nichts im Vergleich mit nem dicken Berliner oder nem schönen runden warmen Brötchen, aber immerhin. In einer Pension in Paris bin ich immer hungrig vom Frühstückstisch aufgestanden, weil’s nur so ein knochentrockenes Hörnchen und ne Tasse Kaffee gab. Genau abgezählt, ein verficktes Hörnchen pro Nase. Danach musste man natürlich erstmal irgendwo frühstücken gehen … und dann kacken. Schlimmer als hungrig vom Tisch aufzustehen ist nur, wenn dir beim Essen ein Ohr abgekaut wird. Ich kann es auf den Tod nicht ausstehen, wenn mich jemand vollquatscht, während ich esse. Diese Hörnchen mit Nougatfüllung mag ich schon gar nicht. Widerwärtig süß. Ich mag überhaupt nichts Süßes zum Frühstück, keine Marmelade, Konfitüre oder diese Nutellakacke, die mag ich schon gar nicht. Höchstens Honig oder Löwenzahnsirup, aber auch nie zum Frühstück. Morgens will ich nur satt werden. Da brauchts ordentliche Brötchen, Semmeln, Bemmen, Brot und Käse, Wurst, Tomaten, eben alles, was das teutonische Herz begehrt – nur keine Hörnchen. Die fresst mal ruhig alleine, eure trockenen Hörnchen …
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Haruki Murakami: 1Q84

1Q84 war der erste Roman Murakamis, auf den ich vor Jahren zufällig stieß. War wirklich reiner Zufall: Jemand, den ich gut kannte, hatte es seinerzeit als ungekürztes Hörbuch gekauft bzw. heruntergeladen. Ich glaub, ich wäre sonst nie auf Murakami gestoßen. Mir wären dann auch seine anderen Romane entgangen, z. B. „Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt“, was mindestens genauso gut, wenn nicht sogar noch besser ist. Dacht ich mir, okay, kannst ja mal reinhören, was der so schreibt. Vielleicht taugt es was.
Hat mich jedenfalls schon schwer beeindruckt, wenn ich recht drüber nachdenke. Da stimmte eben nach meinem Empfinden alles. Sprache, Handlung, Ton, Sprecher und diese mystischen Klänge zwischen den Kapiteln, die für eine passende Atmosphäre sorgen. Alles in epischer Breite ausgewalzt auf 1.600 Seiten (in drei Büchern), so wie ich es (bei diesem Autor) mag. Wird übrigens dem Genre der Urban Fantasy zugerechnet, was ich zuvor gar nicht kannte. Muss aber niemand befürchten, dass ich jetzt zu einer Rezension ansetze. Zum Glück haben das schon andere Leser getan, hier z. B. in Form einer Leseempfehlung: http://forum.sf-fan.de/viewtopic.php?f=16&t=9019#p186826

Wer den Roman gar nicht kennt, für den werden die folgenden Ausführungen eher unverständlich oder uninteressant sein; wer die Bücher noch selbst lesen will, sollte vielleicht auch einfach wegklicken, weil ich ja notgedrungen etwas von der Handlung verraten muss. Ich mag das Werk jedenfalls sehr, hab es mir bestimmt schon drei Mal in Gänze angehört. Murakami war übrigens vor ein paar Jahren auch mal für den Literaturnobelpreis im Gespräch, soviel ich weiß, aber den hat er natürlich bisher nicht bekommen. Ja, ich wär durchaus der Meinung gewesen, dass es berechtigt gewesen wäre, aber gut – derartige Preise werden auch eher nach (für mich) undurchschaubaren Kriterien vergeben. Continue reading Haruki Murakami: 1Q84

Frei am Freitag

Ich war heute auf dem Friedhof in meiner alten Heimatstadt. Kostete mich knapp zwei Stunden Autofahrt. Ist nicht weit, aber der Rückweg zieht sich dann immer ewig. Ich hasse die Rückfahrten. Wenn ich zu spät losfahre, werde ich auch manchmal schläfrig. Je nachdem, wie man die Nacht zuvor geschlafen hat. Viele Leute vergessen ja, wenn sie wohin fahren, dass sie auch wieder zurück müssen. Wer irgendwohin fährt, muss auch wieder zu seinem Ausgangspunkt zurückkehren. Simple Physik. Stell dir vor, du hängst an einem gespannten vollelastischen Gummiband. Dieses lang gezogene Gummiband muss immer wieder in seine Ausgangsform zurückschnellen. So ist es mit den Reisenden auch. Es sei denn, dieses Gummiband reißt gewissermaßen. Dann bleibt man da, wo man ist, oder man kann woanders hin. Na ja, wo war ich gerade?
Ja, die Fahrtzeit ist jedenfalls immer auch abhängig von der Verkehrslage in Berlin. Freitag ist eher ungünstig, aber das war heute egal. Scheiß drauf, sagte ich mir. Continue reading Frei am Freitag

Bound

EichhörnchenManchmal sind mir buchstäblich die Hände gebunden. Ja, auf dem Rücken zusammengebunden. Lange starre ich auf die schwarze Tastatur vor mir. Schreib es! So schreib doch auf, was dich bewegt oder quält, flüstert mir das hübsche Teufelchen auf meiner rechten Schulter mit einschmeichelnder Stimme ins Ohr. Lass es raus, danach geht’s dir besser. Das Teufelchen ähnelt einem Eichhörnchen, einem rotbraunen, so wie sie hier in heimischen Gefilden noch häufig vorkommen. Es ist sehr süß und kitzelt mich mit seinem buschigen Schwanz oft an der Nase. Teufelchen fürchtet nichts, höchstens die frechen amerikanischen Grauhörnchen.
Plötzlich spüre ich, dass ich meine Hände nicht bewegen kann. Sie sind hinter meinem Rücken zusammengebunden.

Treues Teufelchen, ich möchte ja, doch mit gefesselten Händen ist nicht gut schreiben.
Mein Teufelchen kichert. Es weiß Bescheid. Ich habe mich selbst gefesselt, vorsorglich, wie Odysseus, der sich einst am Mast festbinden ließ.