Zur Hörnchenfrage

Ich mag gar keine Hörnchen. Die sind mir zu trocken oder zu süß. Oder beides. Die bescheuerte Form gefällt mir auch nicht. Ein Hörnchen sieht immer missglückt oder halbfertig aus. Und schmecken tuts eh nicht, sagte ich ja schon. Donuts sind ja wenigstens noch formschön. Runde Gebäckstücke mit einem Loch in der Mitte. Perfekte Geometrie, irgendwie ästhetisch. Das Auge isst mit, wa?
Ein Donut ist zwar auch nichts im Vergleich mit nem dicken Berliner oder nem schönen runden warmen Brötchen, aber immerhin. In einer Pension in Paris bin ich immer hungrig vom Frühstückstisch aufgestanden, weil’s nur so ein knochentrockenes Hörnchen und ne Tasse Kaffee gab. Genau abgezählt, ein verficktes Hörnchen pro Nase. Danach musste man natürlich erstmal irgendwo frühstücken gehen … und dann kacken. Schlimmer als hungrig vom Tisch aufzustehen ist nur, wenn dir beim Essen ein Ohr abgekaut wird. Ich kann es auf den Tod nicht ausstehen, wenn mich jemand vollquatscht, während ich esse. Diese Hörnchen mit Nougatfüllung mag ich schon gar nicht. Widerwärtig süß. Ich mag überhaupt nichts Süßes zum Frühstück, keine Marmelade, Konfitüre oder diese Nutellakacke, die mag ich schon gar nicht. Höchstens Honig oder Löwenzahnsirup, aber auch nie zum Frühstück. Morgens will ich nur satt werden. Da brauchts ordentliche Brötchen, Semmeln, Bemmen, Brot und Käse, Wurst, Tomaten, eben alles, was das teutonische Herz begehrt – nur keine Hörnchen. Die fresst mal ruhig alleine, eure trockenen Hörnchen …
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