Dinge mit den Händen tun

DSCN1453Dinge zu verkaufen, die niemand wirklich braucht, ist schon recht schwierig. Bekommt man aber auch hin. Klappt meist über den Preis. Die höchste Kunst des Verkaufens ist es aber, jemanden gegen seinen Willen zum Kauf von etwas zu überreden, das für ihn nutzlos oder schädlich ist. Wer es schafft, langlaufende Rentensparverträge an 80-jährige Teilzeitjobber, Kühlschränke an arktische Eskimos, Sonnenstudios in der Sahara oder buddhistische Gebetsmühlen in Saudi-Arabien dauerhaft erfolgreich und gewinnbringend zu verkaufen, ohne seinen Kopf zu verlieren, vor dem könnte man den Hut ziehen. Die besten Verkäufer sind daher auch jene, die es vermögen, einen potenziellen Käufer, also ein zufällig gewähltes Opfer, derart zu manipulieren und mittels einer perfiden Masche, die zugleich eine psychologisch geschickt austarierte und auf instinktiv erkannte Schwächen des Opfers abgestimmte Verkaufsstrategie ist, so umzudrehen, dass es, das Opferlamm, gegen seine ureigenen Interessen handelt und seinen Kopf in freudiger Erwartung auf den Richtblock legt. So muss verkauft werden, Freunde. Leider gibt es solche Verkäufer schon lange nicht mehr. Haben sich wohl zur Ruhe gesetzt oder sind in die Politik gewechselt. Heutzutage erregen viele Verkäufer eher Mitleid. Man ahnt, wie sie leiden. So dachte ich, als es an meiner Tür klingelte. Ein Vertreter in einem dunklen Anzug, zerknittertes Aussehen, weißgraue Haare, Typ Willy Loman aus Arthur Millers Sozialdrama. Last Exit Strukturvertrieb stand auf seiner faltigen Stirn geschrieben. Unsicherheit spiegelte sich in seinen müden Augen. Fluch des Vertriebs statt Image des Erfolgs, das man in provisionsorientierten Jobs stets ausstrahlen muss.
Eine Umfrage wolle er machen im Auftrag einer Firma mit einem wohlklingenden englischen Namen. Völlig unverbindlich, natürlich, was sonst. Seine erste Frage galt der Zahl der berufstätigen Personen in meinem Haushalt, übliche Einstiegsfrage, dann wird das Einkommen abgecheckt. Für wie viel Umsatz bist du gut? Continue reading Dinge mit den Händen tun

Langes Sitzen schadet der Gesundheit

Ein Blogger sollte sich kurz fassen. 500 Wörter sind meist optimal, finde ich. Blogleser erwarten, dass man kurz und knackig schreibt und schnell auf den Punkt kommt. Ich werde diesem hohen Anspruch sicher auch nicht immer gerecht. Im Gegensatz zu anderen Autoren ist für Blogger Prägnanz besonders wichtig. Gedanken kernig formulieren, ordnen, straffen. Dann: Streichen, streichen, streichen!
Wenn man allerdings zu lange am Rechner sitzt, kann der Blutzufluss zum Gehirn gestört werden. Dann hat man gedankliche Aussetzer. Man sollte daher während des Tages öfter aufstehen, vielleicht etwas frische Luft auf dem Balkon oder bei einem herbstlichen Spaziergang schnappen und dann im Wiederbesitz seiner geistigen Kräfte das Geschriebene überdenken. Tut man dies nicht, sondert man gelegentlich Unsinn ab. Oder man läuft Gefahr, dass Verbitterung oder reflexhafte Stimmungen auf einen Text durchschlagen. Man merkt dies oft bei Autoren, die sehr umfangreiche Artikel oder Glossen offenbar in einem Rutsch schreiben, die dann unlektoriert in Blogs erscheinen. Aufmerksame Leser, die es bei diesem guten Artikel bis zum Ende schafften, stießen daher z. B. hier (www.achgut.com; Quellennachweis s. u.) auf folgenden Abschnitt: Continue reading Langes Sitzen schadet der Gesundheit

In Sachen Distelfink – Wechsel der Geschlechterperspektive

Eine andere Sache will ich doch noch schnell nachschieben, bevor ich sie vergesse. Ist mir schon einige Male beim Lesen eines Romans in den Sinn gekommen: die Frage, ob oder inwieweit ein Wechsel der geschlechtsspezifischen Perspektive beim Schreiben sinnvoll ist und ob der gelingen kann.

Ich meine damit, wenn z. B. eine Autorin ihre Geschichte aus Sicht einer männlichen Hauptperson erzählt. Die Frau schreibt in der Ichform, aber aus Sicht eines Jungen bzw. Mannes, nimmt also den Standpunkt des anderen Geschlechts ein. Könnte auch umgekehrt sein, etwa wenn ein Autor ein Erlebnis aus Sicht einer Frau schildert. Die Handlung ist natürlich erdacht, aber irgendwie stelle ich es mir schwierig vor, vom Standpunkt des anderen Geschlechts ausgehend authentisch zu schreiben oder? Ist es nicht sinnvoller, aus der eigenen Geschlechtsperspektive zu schreiben, die man ja nun auch am besten kennt? Darauf gestoßen bin ich, als ich begann, den „Distelfink“ von Donna Tartt zu lesen. Das Buch hat ja auch nen Preis gewonnen, den Pulitzer-Preis bekanntlich, aber was heißt das schon in diesen Zeiten, in denen selbst einem Bob Dylan der Literaturnobelpreis hinterhergeschmissen wird. Continue reading In Sachen Distelfink – Wechsel der Geschlechterperspektive

Notizen

Jeder hat sich bestimmt schon mal gefragt, wie die kommende Generation über unsere heutige Zeit urteilen wird. Wie wird das sein, dann in ca. 25 Jahren? Wie sieht dann diese Stadt oder dieses Land aus? Für eine Generation rechnet man grob mit einer Dauer von etwa 25 Jahren (durchschn. Dauer bis zur Geburt des ersten Kindes). Während ich ja vor einigen Jahren noch rückblickend eher der Meinung war, dass derlei Veränderungen vernachlässigbar sind, da sich in den letzten 25 Jahren gar nicht so viel grundlegend verändert hat, muss ich mich mit Blick nach draußen und auf die Zukunft doch leicht korrigieren. Continue reading Notizen

Der blanke Horror

Horrorclowns

Sonst alles klar, Leute? Noch alles fit im Schritt? Habt Ihr euren großen Kürbis schon ausgehöhlt? Seid Ihr auch so aufgeregt wie ich? Eine Woche ist es noch, bis Süßes oder Saures verlangt wird. Ich steh ja eher auf Saures, daher ist das nicht die Frage. Endlich mal ein unbedenkliches Fest, bei dem man noch nach Herzenslust die Sau rauslassen kann oder? Wirft jedenfalls schon seine Schatten voraus. Zuverlässiges Anzeichen sind die Horror-Clowns, die mit ihren Macheten, Äxten und Kettensägen die Straßen der Großstadt bevölkern. Zusätzlich zu den Untoten natürlich, was hier in Berlin immer ein ziemliches Gewimmel ergibt. Tja, die Sache mit den freidrehenden gruseligen Clowns ist auch irgendwie ein neuer Trend, der aus dem Mutterland der Kettensägenmassaker zu uns herübergeschwappt ist, ja? Schon ne witzige Sache oder? Vielleicht auch ein Beleg für die Umwertung aller Werte (Nietzsche), wenn die früher mal lustigen Clowns jetzt zu gruseligen Mörderdarstellern oder echten Gewalttätern in der realen Welt mutieren, während die härtesten Horrorschocker beim abgebrühten Publikum nur noch ein wohliges Kribbeln verursachen. Seufz …
Haha, geil übrigens auch die Frage, die da gestellt wird: Wann darf ich mich gegen Horror-Clowns wehren? Na, wer kennt die richtige Antwort, ohne auf den Link zu klicken (ist auch nicht klickbar)?
Na gut, ich hätte jetzt noch ein paar Zeilen frei. Könnte euch noch erklären, wie man aus einem Kürbiskopf ein nebelspeiendes Monster macht. Oder aus einem echten Schädel. Kein Interesse? Na gut, dann eben nicht … Aber immer erst aushöhlen, sorgfältig ausschaben und dann aufpassen mit dem Trockeneis, Kinder.

D. 2016

Ein Signal, das den Menschen da draußen in ihren Ohrensesseln Mut machen sollte. Die Justiz greift endlich durch. Ja, die volle Härte des Gesetzes trifft nun all jene Straftäter, die die Grundfesten unserer Gesellschaft zerstören. Vorbei sind die Zeiten der Kuscheljustiz. Geht nun ein Ruck durch Deutschland, so wie einst in einer berühmten Rede gefordert von Roman Herzog, der in den 90ern Bundespräsident war? Ein Anfang ist jedenfalls gemacht. Keine Nachsicht zeigt man mit jenen, die sich weigern, ihren solidarischen Obulus an den medialen GEZ-Komplex zu entrichten. Also ab in den Knast mit dieser gemeingefährlichen alleinerziehenden Mutti (siehe unten; Screenshot 21.10.2016 https://jungefreiheit.de/).
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Keep on shopping

Ja, Erdnussbutter ist schon lecker. Hat was. Kommt immer gut zwischen zwei Scheiben Toastbrot, dick beschmiert, schön cremig und noch was Fruchtiges, Süßes oben drauf, so wie man es aus dem Mutterland der Peanutbutter-Sandwiches kennt. Oder mit ner Wurstscheibe? Geht auch. Hauptsache cremig; Konsistenz ist alles. Man kann auch köstliche Saucen mit dem Zeug zubereiten. Hatten wir kürzlich mal. Schon ein eigentümlicher Geschmack, ja? Nussig, voll erdnussig eben. Ich hab übrigens früher, das werdet Ihr nicht wissen, auch mal in einer Erdnussfabrik gearbeitet. Gejobbt würde man heute sagen. Aber das war ja früher, daher schreib ich das Verb in alter Sprache. Wegen der geschichtlichen Authentizität von geschriebenen Zeitzeugenberichten. Jetzt erzähl ich aber erst mal was anderes. Es geht ums Shoppen.
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Ergänzung

Als Kind wohnte ich im Wiesenweg. Der Wiesenweg war tatsächlich eine Straße inmitten von Wiesen. Die dortige Gegend bzw. der betreffende Stadtteil war dünn besiedelt, und es gab unberührte Naturwiesen auf fettem Bördeboden, so weit das Auge reichte. Bis zum Horizont (was wahrscheinlich nicht stimmte und nur meiner kindlich-knirpsigen Wahrnehmung geschuldet war) erstreckte sich das tiefe Grün der saftigen Wiesen, auf denen sich Grashüpfer, Schmetterlinge, Lurche und anderes Getier tummelten. In einem Graben schwammen glückliche Kaulquappen, die zu quakenden Fröschen heranreifen durften, sofern sie nicht gefressen oder gefangen wurden. Später, als die Wiesen verschwanden und grauen Betonblöcken weichen mussten, wurde der Wiesenweg umbenannt. Die Straße bekam den Namen eines örtlichen Heimatkundlers. Zum Glück war der gute Mann extremer politischer Umtriebe unverdächtig, daher trägt die Straße auch heute noch seinen Namen. Jeden Tag mussten wir als brave Schulkinder mit unseren schweren Ranzen etliche Kilometer zur Schule laufen, bei Wind und Wetter. Schmerzhaft schnitten sich die alten Lederriemen nach einiger Zeit in unsere Schultern ein. Später bekamen wir dann unsere Hoverboards; das Schweben machte vieles leichter …
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Einheit

In meiner ehemaligen Heimatstadt, im Beitrittsgebiet gelegen, wurden Anfang der 90er Jahre viele Straßennamen ausgetauscht. Erst ein paar, dann immer mehr. Der Marx-Engels-Platz wurde zum Rathausplatz, die Leninstraße wurde zur Kennedy-Allee, und auch der schmalen, von Kastanien gesäumten Wilhelm-Pieck-Straße wurde irgendein anderer Name verpasst – bestimmt Willy-Brandt-, vielleicht auch Konrad-Adenauer-Straße.
Unter den Straßennamen, die aus praktischen Gründen unangetastet blieben, war die „Straße der Einheit“ – die gab es nämlich längst, allerdings bezog sich der Name auf die Vereinigung zwischen KPD und SPD in den Ostsektoren 1946, was später aber in Vergessenheit geriet. Der Name passte. Zeitlos. Die Straße der Einheit war in meiner Jugendzeit eine recht holprige Straße voller Schlaglöcher, alle paar Jahre wurden die schlimmsten Stellen notdürftig und recht lustlos mit Splitt und kochendem Teer geflickt. Als Teenager bin ich auch mal mit dem Moped dort in der Kurve gestürzt. Übermut …
Nach dem Anschluss wurde die Straße der Einheit natürlich zu einer sauber asphaltierten Straße ausgebaut; da waren die Menschen auch froh, hatten sie doch jetzt freie Fahrt und konnten ordentlich Gas geben. Ebenmäßig glatt, bei Regen schwarz glänzend, schnurgerade liegt sie da und führt bis zum städtischen Jobcenter. Man kann jetzt da hinfahren, ohne dass die Stoßdämpfer leiden. An wenigen Stellen ist sie jedoch wieder von Rissen, flachen Mulden und Absätzen durchzogen, wurde mehrfach wegen der Rohr- Kabel- und Erdarbeiten aufgeschnitten, aufgerissen, ähnelt dort allmählich dem straßenbaulichen Flickenteppich in Berlin – … An einem Teilstück der Straße befindet sich auch ein moderner Supermarkt, auf einer eingeebneten Fläche errichtet, wo sich früher das „Stadion der ewigen Arbeit“ befand. Hieß eigentlich anders, aber man nannte dieses zu meiner Zeit nur noch ansatzweise als Stadion erkennbare, allmählich verfallende Gelände so, da es nie fertig gestellt wurde. Mittel waren knapp, nicht so wie heute.  In der Nähe lag der damalige Ehrenfriedhof übrigens. Zu Ehren der Gefallenen. Ich mochte dieses halbfertige Stadion sehr. War ein guter Abenteuerspielplatz, haben wir später für unsere Parcours-Runden genutzt.