Ergänzung

Als Kind wohnte ich im Wiesenweg. Der Wiesenweg war tatsächlich eine Straße inmitten von Wiesen. Die dortige Gegend bzw. der betreffende Stadtteil war dünn besiedelt, und es gab unberührte Naturwiesen auf fettem Bördeboden, so weit das Auge reichte. Bis zum Horizont (was wahrscheinlich nicht stimmte und nur meiner kindlich-knirpsigen Wahrnehmung geschuldet war) erstreckte sich das tiefe Grün der saftigen Wiesen, auf denen sich Grashüpfer, Schmetterlinge, Lurche und anderes Getier tummelten. In einem Graben schwammen glückliche Kaulquappen, die zu quakenden Fröschen heranreifen durften, sofern sie nicht gefressen oder gefangen wurden. Später, als die Wiesen verschwanden und grauen Betonblöcken weichen mussten, wurde der Wiesenweg umbenannt. Die Straße bekam den Namen eines örtlichen Heimatkundlers. Zum Glück war der gute Mann extremer politischer Umtriebe unverdächtig, daher trägt die Straße auch heute noch seinen Namen. Jeden Tag mussten wir als brave Schulkinder mit unseren schweren Ranzen etliche Kilometer zur Schule laufen, bei Wind und Wetter. Schmerzhaft schnitten sich die alten Lederriemen nach einiger Zeit in unsere Schultern ein. Später bekamen wir dann unsere Hoverboards; das Schweben machte vieles leichter …
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