Nr. 261

Letztes Jahr kam ich zufällig mal mit einem Paketboten bzw. Kurierfahrer ins Gespräch, der (nach eigener Aussage) exklusiv für Amazon arbeitete (oder dort angestellt war) und eben nur Amazon-Pakete im Stadtgebiet auslieferte. Weil der sich etwas Zeit nahm und nicht unter hohem Zeitdruck zu stehen schien, fragte ich ihn, ob es sich für Amazon überhaupt rentieren würde, eine eigene Logistikkette bis zum Endkunden aufzubauen, da doch die Versandinfrastruktur der bestehenden Logistiker in Deutschland ziemlich effektiv, engmaschig und auch günstig nutzbar sei. Der Kurier meinte, dass man bei Amazon wegen der hohen Verlustquoten im Paketversand dazu übergegangen sei, Sendungen vermehrt selbst auszuliefern. Muss natürlich nicht stimmen, aber warum sollte der lügen? Fiel mir jetzt nur ein, aber ich kenne ja die genaue Entwicklung der Verlustquoten nicht, kann also auch nur mutmaßen. Continue reading Nr. 261

Nr. 260

Gestern hörte ich im Autoradio – das war irgendein Sender, den ich in Berlin immer drin habe (RS2 oder Fritz, vielleicht auch 104,6 – welcher, weiß ich echt nicht mehr), da bekam ich also zufällig mit, wie sich ein jugendlich unbekümmert wirkender Moderator über diese elektronischen Fußfesseln für „Gefährder“ (ohne den Zusatz islamistisch) ausließ bzw. sich darüber empörte. Ja, mir ist schon klar, dass man in diesen turbulenten Zeiten nur noch völlig gehirngewaschene Vollpfosten vors Mikro eines Radiosenders lässt: Aber jedenfalls beklagte der Typ, er fühle sich da an den Film „Minority Report“ erinnert, weil – jetzt die Begründung – diese zu überwachenden „Gefährder“ (komisches Wort) ja alles Leute seien, die gar nichts getan hätten, also harmlose, unschuldige Menschen …
So die Grundaussage, der Wortlaut sinngemäß wiedergegeben. Da ich dann den Sender gewechselt habe, kann nicht sagen, ob’s da eine telefonische Diskussion gab oder ob das einfach so das übliche gedankenlose spätpubertäre Geblubber im Radio war.
Die grobe Handlung in „Minority Report“ (mit Tom Cruise in der Hauptrolle), wenn wir uns mal kurz erinnern möchten, war ja wie folgt: Eine Precrime-Abteilung verhindert mittels (recht zuverlässiger) Visionen künftige Morde, indem die jeweiligen zukünftigen Straftäter in der Gegenwart verhaftet und ohne Prozesss in Verwahrung genommen werden. Aber sei’s drum.

Hausaufgabe zur Recherche: Definiere Gefährder. Wie wird man eigentlich (islamistischer) Gefährder? Ist das eine rein willkürliche oder auf Visionen/Weissagungen basierende Einstufung der Behörden? Was ist denn diese elektronische Fußfessel überhaupt? Ist das vergleichbar mit einer Freiheitsstrafe oder Inhaftierung ohne Prozess?
Ein richtiger Aspekt: Solange man keine Straftat begeht (und deswegen angeklagt sowie verurteilt wird), gilt man als unschuldig. Diese elektronischen Fußfesseln, die lediglich elektronische Positionsmelder bzw. Ortungsmodule sind, können wohl kaum als wirkungsvolle Precrime-Prävention durchgehen, ja? Es ist nur eine dieser typisch bundesdeutschen Ablenkungsmaßnahmen, bei denen man einer verunsicherten Öffentlichkeit ein argumentatives Placebo medial verabreicht (nach dem Motto: stillhalten, wir haben ja alles unter Kontrolle), wenn für eine wirksame Lösung des Problems der politische Wille fehlt – denn die Ortungsmodule verhindern weder spontane oder geplante Anschläge noch das Abtauchen/Ausreisen von Terrorverdächtigen. Einem Verdächtigen elektronische Fußfesseln zu verpassen, ist Ausdruck des verzweifelten Willens, „irgendetwas“ zu tun und eine Ausgeburt der Personalnot bei der Polizei, die eben nur noch ausgewählte Extremisten rund um die Uhr überwachen kann – und schlimmstenfalls sind das auch nicht jene, von denen eine akute Anschlagsgefahr ausgeht, wie sich in Berlin gezeigt hat.
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