Nr. 264

Nicht das „Wir“ entscheidet, sondern das „Wer“. Wer wir sagt, will betrügen. Ob man die derzeitigen gesellschaftlichen Veränderungen oder Umwälzungen – und wie auch immer man diesen dynamischen Zustand nennen mag – und deren Resultate dereinst positiv oder negativ bewerten und vor allem darstellen wird, richtet sich nach der dann vorherrschenden Meinung. Die herrschende Meinung ist zumeist die Meinung der Herrschenden. Was ich heute davon halte, ist belanglos. Selbst Marx war ja der Meinung, dass es schon ausreichend philosophisches Geschwafel über die Welt gäbe. Letztlich komme es nur darauf an, die Welt zu verändern. Es stellt sich somit (allgemein gesehen) nicht unbedingt zuerst die Frage, was „hinten rauskommt“ (Kohl) und ob das (für wen auch immer) positiv oder negativ sein wird, sondern wer (in wessen Interessen) obsiegt und Fakten schafft.

***

Jede Politikerin strebt nach Macht. Viele Kinder wundern sich vielleicht, warum auch manche Politikerinnen ein taktisches Verhältnis zur Wahrheit entwickeln oder wankelmütig erscheinen, heute diese und morgen jene Auslegung wählen oder etwas gänzlich anderes tun als sie sagen. Man sollte da nicht unfair sein: Politikerinnen sind keine schlechten Menschen. Aus Nützlichkeitserwägungen wird eine kluge Politikerin ihrem angestrebten Ziel bereitwillig alles unterordnen. Dies nennt man eine opportunistische Einstellung. Sind sie erst an der Macht, können sie viel Gutes tun, eben Positives bewirken für die Menschheit, dann handeln sie und verändern, was auch immer sie in der Gesellschaft verändern wollen und können. Doch wo gehobelt wird, da fallen Späne. Und bei dem krummen Holze, woraus der teutsche Mensch gemacht ist, da muss der eifrige Hobel noch lange seines Amtes walten. Continue reading Nr. 264