Mörderische Ostern

Nordkorea droht den USA mit atomarer Vergeltung, titelt Focus online im gespielten Empörungsmodus und schreibt weiter: „Nordkorea hat den USA gedroht, einen Atomangriff mit einem entsprechenden Gegenschlag zu vergelten.“
Also nein, angesichts eines atomaren Erstschlags mit einem Gegenschlag „drohen“- das geht schon mal gar nicht! Markus Lanz, Klaus Kleber u. a. – übernehmen Sie, und erklären Sie uns da mal, wie frech und anmaßend sich diese Nordkoreaner verhalten. Die betteln ja förmlich um ihre Vernichtung, also ich meine, die sollten auch mal wieder mit den Segnungen der US-Demokratie beglückt werden. Am besten mit einer dieser schnittigen Raketen, auf denen so ein hübsches Haifischmaul auf den Sprengkopf gemalt ist. Wie können diese irren Nordkoreaner es nur wagen? Die USA kündigen doch ihren Atomangriff gesittet an, und die „drohen“ dann frech, sich zu wehren? Voll den Verstand verloren? Haben denn diese irren Steinzeitkommunisten nicht mal den Anstand, so einen Angriff nebst Vernichtung ihrer Heimat schicksalsergeben hinzunehmen, wie es sich unter zivilisierten Nationen geziemt? Wo Präsident Trump – der sich im Erfolgsfalle für den Friedensnobelpreis empfehlen dürfte – dies sogar ankündigt, ja wie ein echter Gentleman. Nee, aber bei diesen Drohungen reißt uns da auch langsam der Geduldsfaden. Kein Wunder, dass sich da die gesamte demokratische Presse, ach was sag ich, die ganze (willige) freie Welt wieder hinter dem Hüter aller freiheitlichen Nationen vereinen muss. Wünsche noch ein frohes Eierfest, Freunde.

Stalinade des Tages

Ausnahmsweise heute auch mal eine „Stalinade des Tages“ (in Anlehnung an M. Klonovskys gleichnamige Rubrik in der Acta Diurna):
Jakob, der Sohn Stalins aus erster Ehe und eine tragische Figur, wurde durch das abweisende Verhalten des Vaters bis an den Rand des Selbstmords getrieben. Einmal versuchte er sich zu erschießen, überlebte jedoch seine schwere Verletzung. Als Stalin seinen Sohn nach dem Selbstmordversuch zum ersten Mal besuchte, begrüßte er ihn barsch: “Na, hast nicht getroffen!”

(aus der Erinnerung zitiert: vgl. „Stalin: Triumph und Tragödie“, Dimitri Wolkogonow)

Zur Hexenfrage

Kontext: In Bernau hat man letzte Woche auf Beschluss des Stadtrats die in der Stadt hingerichteten Hexen rehabilitiert.
Gesprächsprotokoll:
„In Bernau haben sie letzte Woche auch die ganzen Hexen rehabilitiert. Die man in den Hexenprozessen damals verurteilt und dann verbrannt hat.“
„Wie jetzt? Alle Hexen postum freigesprochen? Oder nur die unschuldigen? Ich meine, was ist mit denen, die wirklich echte Hexen waren?“
„Hmm, ich glaub, die gehen davon aus, dass das egal ist. Dass die wohl alle unschuldig waren. Linke, Grüne und Sozialdemokraten – die haben das da mal symbolisch beantragt und wohl auch entschieden. Mutige Entscheidung, find ich, nach all den Jahrhunderten. Vielleicht werden da endlich mal wieder ein paar neue Stolpersteine zum Gedenken ins Pflaster gesetzt. Da kann man noch viel tun. Ist aber auch eher so, dass es keine Hexen gibt oder?“
„Aber den Teufel, den gibt’s schon oder? Und nen Gott?“
„Na ja, nach vorherrschender Meinung schon, aber wer der richtige Gott ist, darüber streiten sich die Geister noch.“
„Aber was ist eigentlich mit den Ketzern, die von der heiligen Inquisition gefoltert und umgebracht wurden? Und den ganzen Dissidenten und Widerständlern später, werden die auch alle rehabilitiert?“
„Nee, glaub nicht, so pauschal kann man das nicht entscheiden – viele würden wohl nach heutigen Maßstäben eher als Querulanten, Wutbürger und Aufwiegler gelten, die von der Zivilgesellschaft ihre gerechte … (kurze Pause) ähm also die gegen die Regeln der freiheitlichen Gesellschaft … (kurzes Räuspern) also die ihr Schicksal ja selbst verschuldet haben, weißt? Jeder ist seines Glückes eigener Schmied. Die wussten ja, was sie tun. War ja auch kein rechtsfreier Raum, die Welt da im Mittelalter und später …“