29. Mai 2017

Nur mal kurz erinnert: Zur Rechtfertigung seines Terrorregimes hatte Stalin in den 30er Jahren die These von der stetigen Verschärfung des Klassenkampfes bei fortschreitendem Aufbau des Sozialismus aufgestellt. So rechtfertigte er die Verfolgung Andersdenkender, willkürliche Verhaftungen und „Säuberungen“, denen bekanntlich auch fast alle früheren Kampfgefährten Lenins, eben Kommunisten aus der alten Garde zum Opfer fielen, u. a. damit: Je erfolgreicher sich der Sozialismus entwickele, desto härter und erbitterter werde auch die Gegenwehr der kapitalistischen Elemente (also Überreste des Klassenfeindes, den man ja längst besiegt/beseitigt hatte).
Die inneren Feinde, konterrevolutionäre Kräfte, Saboteure und Diversanten, (heute würde man viell. sagen: Hetzer, Menschenhasser) – die würden ja immer wütender und radikaler werden in ihrem Hass – daher müsse man gegen diese Kreise auch immer härter durchgreifen …
Stalin wollte also damit begründen, warum man die Repression im Inneren stetig erhöhen muss, immer mehr Feinde in der Gesellschaft identifizieren und liquidieren muss, denn die Zahl der Feinde, Spione, Saboteure, Hetzer usw. musste ja immer weiter anwachsen – obwohl oder gerade weil es mit dem Aufbau der sozialistischen Gesellschaft offenbar so gut voranging …
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Siegaue

„The Times They Are a-Changin’ “
(Bob Dylan, US-Barde und Nobelpreisträger für Literatur)

Nein, da irrt der Focus sicherlich. In den Reihen der Bonner Polizei wird der verzögerte nächtliche Einsatz unter der Kennziffer 479 schon bald in Vergessenheit geraten. Täglich passieren andere Dinge, furchtbare Dinge, grausame Dinge, und die Zeit vergeht, während die Bürger in mürrischer Indifferenz verharren. Da muss man jetzt kein Fass mehr aufmachen wegen eines dieser freilich bedauerlichen, sich häufenden Einzelfälle, an die man sich gewöhnen wird, gewöhnen muss. Auch Deutsche tun schlimme Dinge, dies sollte man an dieser Stelle zunächst einschieben … Continue reading Siegaue

Missverstanden

DSCN2245Natürlich war das kindisch, ich weiß. Kein Grund zum Ausrasten. Sicher ließ man sich früher leichter provozieren, man war ja jünger. Zu allem kam aber immer dieses arrogante Grinsen, das einen auf die Palme brachte und das Fass zum Überlaufen gewissermaßen. Nicht, dass ich das entschuldigen will. Aus heutiger Sicht einfach lächerlich. Ein nichtiger Anlass, nur ein Missverständnis, über das man hätte reden können. Normalerweise war ich auch nicht nachtragend. Man hätte sich einigen können, ein Angebot unterbreiten, Konflikte gütlich, auf dem Diskurswege lösen und das tägliche Zusammenleben friedlich aushandeln, so wie es heute im Sozialkundeunterricht gelehrt und von den Medien empfohlen wird. Armlänge Abstand und so weiter, das hilft natürlich enorm. Wusste man aber damals nicht. Wir waren noch nicht so weit. Und doch erfüllte es mich mit Genugtuung. Oder Zufriedenheit. Nein, es ließe sich eher als ein in jeder Hinsicht befreiendes Gefühl beschreiben. Es fühlte sich an, als ob eine Last von mir genommen wurde. Ja, irgendwie schon. So muss ich mich gefühlt haben. Continue reading Missverstanden

Kasernen nach Waffen durchsucht

Bundesverteidigungsministerien Ursula von der Leyen (CDU) soll angeordnet haben, sämtliche Bundeswehrstandorte nach deutschen Waffen und militärischen Ausrüstungsgegenständen zu durchsuchen, diese ggf. zu konfiszieren und unverzüglich vernichten zu lassen. Hintergrund ist der jüngste Vorfall in einer Bundeswehr-Kaserne in Donaueschingen. Dort waren bei einer Durchsuchung des Objekts in einer Waffenkammer einige noch funktionsfähige Pistolen und Sturmgewehre nebst Übungsmunition aufgefallen. In einer Vitrine vor der Kantine soll sich sogar ein gebrauchsfähiger Stahlhelm befunden haben. Kein Blauhelm und nicht aus Kunststoff, sondern Stahl vom Krupp! Zudem gab es laut Spiegel Online einen Besprechungsraum, in dem Bilder von marschierenden und schießenden Soldaten, ein Patronengürtel sowie das Modell einer Pistole als Dekoration angebracht waren. Auch das Bild eines deutsch aussehenden Soldaten, der erkennbar ein älteres Maschinengewehr über der Schulter trägt, erregte den Unmut der Inspektoren. Derartige Darstellungen könnten in der Bevölkerung und im befreundeten Ausland leicht zu Irritationen führen und Befürchtungen über neudeutsche Eroberungsgelüste aufkommen lassen. Mit einer friedlichen europäischen Armee sei dies nicht zu vereinbaren. Zudem gebe es auch immer wieder rassistische Vorwürfe an die Truppe, da es noch nicht gelungen sei, eine ausreichende Zahl von Zuwanderern, etwa aus Uganda, Liberia und Sierra Leone in das Offizierskorps zu integrieren. Dabei verfügten diese Menschen als ehemalige Kindersoldaten über hohe militärische Kompetenz, die die Bundeswehr beim Kampf gegen innere Feinde unserer offenen Gesellschaft stärken könnte. Mit kriegsverherrlichenden Umtrieben weißer deutscher Männer soll nun jedenfalls Schluss sein. Waffennarren und Rassisten hätten in einer modernen Bundeswehr nichts zu suchen. Dies schüre nur Hass und Gewalt, wurde eine enge Beraterin aus dem Umfeld der Ministerin zitiert. Man sehe ja schließlich auf den Straßen, wohin das führe.