Die „echte“ Pest

Noch kurz einen bzw. zwei Gedanken nachgeschoben, bevor ich sie vergesse: Die Pest, insbesondere die Pandemie von 1347 bis 1353, soll ungefähr ein Drittel der gesamten europäischen Bevölkerung ausgelöscht haben. Es soll danach mehrere Jahrhunderte (!) gedauert haben, bevor wieder die alte Bevölkerungsdichte erreicht wurde.
Die erste Welle hatte die verheerendste Wirkung, bei den folgenden Wellen, die in Abständen von einigen Jahren meist lokal aufflackerten, hatte sich da schon teilweise eine bessere Widerstandsfähigkeit oder sogar Resistenz bei den Überlebenden und der Folgegeneration ausgebildet, so sagt man. Die Pest hat aber nicht überall gleichermaßen gewütet: Manche Landstriche und Ortschaften wurden angeblich fast komplett entvölkert, so dass sogar Gebiete und Dörfer aufgegeben wurden (Wüstungen) oder ganze Gegenden renaturiert wurden (wie man heute sagen würde), auch abgeholzte Wälder konnten nachwachsen – während andere Gebiete kaum von der Seuche betroffen waren.
Große Teile Polens und Belgiens sollen z. B. weitgehend verschont geblieben sein.
1. Der damalige polnische König – Kasimir III. müsste das gewesen sein – hatte in weiser Voraussicht sogar seine Grenzen schließen lassen. Damit rettete er bestimmt vielen Tausenden seiner Untertanen das Leben. Dieser Kasimir, der zu Recht auch Kasimir der Große genannt wird, hatte übrigens 50 Burgen an der Westgrenze seines Reiches errichten lassen. Muss ein weiser Herrscher gewesen sein.

2. Die Pest hatte eine Vermögensumverteilung und eine Umstrukturierung der Gesellschaft zur Folge. Die Pandemie wird auch als „die Stunde der neuen Männer“ bezeichnet. Es folgte nämlich ein Wirtschaftsaufschwung, die Löhne stiegen usw., viele verwaiste Vermögenswerte, Häuser, fruchtbare Äcker wurden von den Überlebenden und Folgegenerationen bewirtschaftet oder in Besitz genommen. Es war ja nichts zerstört worden, nur ein Teil der Besitzer bzw. Bewohner war verschwunden. Betraf auch alle Schichten der Gesellschaft. Die Pest konnte jeden treffen, ob reich oder arm, jung oder alt – die Sozialauswahl war somit „gerecht“. Continue reading Die „echte“ Pest