Precht vs. di Fabio (II)

Zu diesem Gespräch noch ein letzter Gedanke, der mir im Gedächtnis haften blieb und den ich daher schnell notiere, bevor ich ihn vergesse (oder bevor ich wieder die Lust verliere, was zu schreiben): Mir ist an Prechts Einlassungen unangenehm aufgefallen, dass er versucht hat, einen Gegensatz zwischen einer (durch US-Konzerne wie Facebook, Amazon, Google symbolisierten) sog. Silicon-Valley-Mentalität und unserem westlichen Bewusstsein zu konstruieren. Er stellt ja zu Beginn auch gleich die Frage, was die Konzerne mit unserem „demokratischen Bewusstsein“ anstellen würden. Precht sieht also einen Widerspruch zwischen unserem bzw. seinem „demokratischen“ Bewusstsein, das eher an moralischen Werten ausgerichtet sei, und einem schnöden profitorientierten technokratischen Silicon-Valley-Bewusstsein der US-Amerikaner (sofern ich ihn da richtig interpretiert habe). Continue reading Precht vs. di Fabio (II)

Weltspitze

In der DDR wurde in den 80er Jahren ein teures Projekt zur Entwicklung eines 1-Megabit-Mikrochips aufgelegt. Zu jener Zeit hatte man bemerkt, dass man in Sachen Mikroelektronik den Anschluss an die Weltspitze verloren hatte. Der Zug war längst abgefahren – Toshiba hatte wohl sogar schon den 4-Megabit-Chip in der Entwicklung – als man Erich Honecker 1988 auf der Leipziger Messe stolz einen quasi handgeschnitzten 1-Megabit-Chip präsentierte, der aber ohnehin noch weit von einer Serienproduktion entfernt war.

Natürlich wird alles anders sein, wenn man Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jahre 2020 (oder später) das erste (wahrscheinlich unter französischer Federführung entwickelte) europäische Betriebssystem der Spitzenklasse für solarbetriebene Computer mit der sicheren Suchmaschine Eurosniff und dem deutschen Browser Angel Explorer mit integriertem Fake-News-Blocker präsentieren wird …

Merkel: unsichere Zeiten

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich besorgt über den Einbruch an den Börsen in den USA und Asien gezeigt. Die Börsenentwicklung der letzten Stunden habe gezeigt, dass „wir in unsicheren Zeiten leben“ (zitiert aus dpa-Meldung)
Man müsse nun mit einer verlässlichen Regierung die Voraussetzungen dafür schaffen, „dass wir morgen auch noch in Wohlstand und in Sicherheit im umfassenden Sinne leben können“, sagte die CDU-Chefin.

Informierten Berliner Kreisen zufolge soll sie jedoch vertrauten Mitarbeiterinnen gegenüber (entgegen den offiziellen Verlautbarungen) geäußert haben, die Aktienkurse seien ihr im umfassenden Sinne vollkommen egal, denn man könne ihrer Erfahrung nach auch ohne Börsen gut und gerne leben. Wem das nicht gefalle, der könne doch jederzeit fortgehen aus dem Land … Die Börsenkurse seien nunmal gefallen, doch die Steuereinnahmen seien sicher, und schließlich werde Deutschland bekanntlich täglich reicher … darauf an, weiterhin stets ein freundliches Gesicht zu zeigen …
(Mitschrift ohne Gewähr – teilweise unleserlich und lückenhaft)

Precht vs. di Fabio

Der ehemalige Verfassungsrichter Udo Di Fabio war zu Gast beim ZDF-Philosophen Richard David Precht – ein Gespräch, bezüglich dessen der Blogger Hadmut Danisch in der ihm eigenen höflichen und zurückhaltenden Art lediglich auf einen „Kontrast stark unterschiedlich geistiger Niveaus“ verwies. Ich habe mir die Sendung gestern nebenbei in der Mediathek angeschaut. Für mich war’s auch irgendwie enttäuschend, da ich den Herrn Precht als philosophisch vorgebildeten Sachbuchautor früher recht sympathisch fand. Hatte schon mal eines seiner Bücher gelesen (das, was eh jeder kennt), aber noch nie eine volle Sendung mit ihm gesehen. Aber gegen di Fabio, der ihm zu Anfang gleich „unterkomplexes Denken“ attestierte, sah Precht schon ziemlich alt aus. Erschwerend kam hinzu, dass er zu wenig Kenntnis vom Thema der Sendung (soziale Netzwerke, Suchmaschinen, Internet) hatte und auch Marktwirtschaft offenbar nicht so sein Ding ist; aber das sollte man ja einem linken Philosophen, dessen Einkünfte sich auch marktfern aus GEZ-Geldern speisen, vielleicht nicht zum Vorwurf machen.
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