Clockwork Blue

Na ja, was soll ich dazu groß schreiben? Ein Meisterwerk der Technik. Schon jahrelang liegt sie bei mir herum, diese Uhr, von der ich mich nicht trennen kann. Aus der guten alten Zeit stammt sie, vor der Jahrtausendwende. Ist aber nicht so, wie Ihr denkt. Nein, da sind keine nostalgischen Gefühle im Spiel. Nie war das Leben so gut, sicher und behütet wie jetzt. Und es wird auch ständig besser. Jeder weiß das auch so. Dazu muss man kein beknacktes Blog lesen oder sich immer wieder neue Clips dieser hyperaktiven Youtube-Heinis reinziehen. Nein, diese Uhr ist weder Schrott, den sonderbare Messies horten, von denen man immer im TV hört und sieht, noch sorgsam gehüteter Sammlergegenstand, den man zwecks Wertsteigerung aufbewahrt. Es ist nur eine Armbanduhr, und sie ist perfekt für die derzeitige Krise. Sie tut was sie soll, und das ist wichtig in diesen Zeiten. Jeder tut das Seine in dieser schweren Notlage – und die Uhr, ja, die zeigt die Uhrzeit an, und das tut sie so präzise, auf den Bruchteil einer Sekunde genau und zuverlässig, wie es nur möglich ist und wie ich es noch nie bei einem analog arbeitenden Zeitmessgerät gesehen habe. Durch ihre Robustheit und Langlebigkeit ist sie allen anderen meiner Uhren überlegen. Ein kleines, aber vernachlässigbares Manko besteht darin, dass die Uhrzeit nur zweimal am Tag korrekt angezeigt wird. Für die restlichen 23 Stunden, 59 Minuten und 58 Sekunden muss ich daher auf minderwertigere Uhren zurückgreifen. An den überragenden Eigenschaften dieses punktuell in Krisenzeiten einsetzbaren Zeitmessers ändert dies nichts. Gleich ist es wieder soweit, jetzt ist es genau 11:36:04 … – kaum zu glauben, diese Präzision, Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr, immer genau auf den Punkt …
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