Da ist nichts …


„Aber sie hat ja nichts an!“, rief da plötzlich ein kleiner Junge in die ehrfurchtsvolle Stille des Saales hinein, nachdem die Ansprache geendet hatte. „Und was die Kaiserin sagt, ist dumm. Es ergibt überhaupt keinen Sinn!“
Die dünne, aber empört klingende Kinderstimme war inmitten der Menge nicht zu überhören. Man blickte sich zunächst verschämt um, um zu sehen, wo der Junge stand, damit man ihn zum Schweigen bringen und den allgegenwärtigen Sicherheitsorganen übergeben konnte. Eine Brille mit undurchsichtigen Gläsern und ein luftdicht angelegter Mundschutz würden dem Kind helfen, zu sehen und zu verstehen!
Doch nun setzte ein allgemeines Raunen und Tuscheln ein, als die eben noch applaudierenden Menschen sich gegenseitig ins Ohr flüsterten, was der Junge gerufen hatte. Unerhört, aber stimmte es nicht? Irgendwie? Ein Kind hatte es ausgesprochen. Die Kaiserin, war sie nicht wirklich nackt und war es nicht immer zum Kopfschütteln, wenn sie ihre herrschaftlichen Reden in verstümmelter Primitivsprache hielt? Unsäglicher Stuss? Falsch, dumm und selbstgefällig?
Andere stimmten in die Rufe ein und wurden mutiger. Ja, der Junge, er hatte Recht. „Aber sie hat ja nichts an!“ rief zuletzt das ganze Volk und buhte die Machthaberin aus. Das ergriff die Kaiserin, denn es schien ihr, die Menschen hätten Recht; aber sie dachte bei sich: „Nun muss ich die restliche Amtszeit nackt aussitzen und weiter ein freundliches Gesicht zeigen. Ich werde noch einige Almosen verteilen, dann hält der Pöbel still. Und bald beginnen die Fußballspiele der Reichsliga, dann wird alles wie immer.“ Ein gütiges Lächeln überzog das teigige Gesicht.
Und die Kammerherrinnen gingen noch straffer als sonst, und einige Hofberichterstatter lobten die fein geschliffene Rede und klugen Worte der Kaiserin bis zuletzt, als man sie selbst in Schimpf und Schande vom Hofe jagte …

(Auszug aus einem neudeutschen Märchen: “Der Kaiserin neues Gewand”, Teil des Zyklus “Märchen der letzten Tage”)

25. Mai

Zitat aus einem libertären Blog:
Eines der Mysterien dieser Welt. Wer sein eigenes Geld behalten will ist “gierig” , wer seine Drecksfinger nach dem von Anderne ausstreckt “sozial”. Ich halte das letztere für eines der “besten Brandings” überhaupt. Man streicht einfach ein a …

https://www.q-software-solutions.de/blog/2020/05/mein-vorerst-letzter-kommentar-zu-covid-19/

Gutes Branding ist die halbe Miete, das hätten auch Marx und Lenin so gesehen. Die sozialistische Umwertung vieler Werte ist auch deshalb so populär geworden, weil sie erstmals in der Geschichte der Menschheit eine „wissenschaftlich“ verbrämte Rechtfertigung für Grausamkeiten wie Enteignung, Kollektivismus und Gewalt bietet. Sozialistische Ideen beinhalten stets ein leidenschaftliches Plädoyer für Verbrechen im Namen einer nebulösen sozialen Gerechtigkeit („Wenn wir das eine Prozent der Reichen erschossen haben, dann …”)
Ein angeblich progressives, rein utopisches Gesellschaftsmodell wird gegenüber den bestehenden, normalen Verhältnissen als überlegen, quasi als lichtes Fernziel der Menschheit präsentiert. Das Leben im Hier und Jetzt, das „Alte“ wird geschmäht und Neid geschürt – das Reaktionäre, Sterbende, Faulende, es will nicht weichen, also muss man es zerschlagen …   Verführerisch für all jene, die vermeintlich zu kurz gekommen sind, die leistungsunwillig oder -unfähig sind bzw. sich von einer Umwälzung allgemein Vorteile erhoffen.
Natürlich folgt auf Vermögensabschöpfung, Umverteilung und Kollektivierung niemals eine „gerechtere“ Gesellschaft, zumal Gerechtigkeit im Sozialismus wohl ein Widerspruch in sich selbst ist (vgl. kann es Recht im Unrecht geben?) – Eigentum wird nur neu angeeignet, und der Zyklus geht seinen gewohnten Gang, mit neuen Akteuren natürlich. Das ist alles.

Sometime they’ll give a war …

Stell dir vor, es ist Pandemie, und keiner macht mit;
kaum einer stirbt, fast alle sind fit.
Stell dir vor, es ist Pandemie, doch niemanden kümmert’s mehr,
dann müssen neue Beschränkungen und Strafen her.
Stell dir vor, es ist kein Krieg, und trotzdem sind die Kassen leer -
dann muss man sagen: Pandemie ist doch Krieg – ein Wiederaufbaufonds muss her!

No country for old pumps

No country for old pumps

An diese alte Pumpe kann ich mich noch gut erinnern. Kam mir vor einigen Tagen zufällig wieder in den Sinn. Auf dem Rasen des Seegrundstücks meines Großvaters stand eine alte Hand- oder Schwengelpumpe. Eine von Hand zu bedienende Pumpe aus schwerem Grauguss, im Rasen eingelassen, ca. 1,5 m hoch, sorgsam mit Rostschutz versehen und mit einer Farbe lackiert, die damals eben gerade verfügbar gewesen sein muss. Der Schwengel – das ist das Ding, an dem man ziehen und drücken muss, um Wasser hochzupumpen, also ein Stiel, der so ähnlich geformt ist wie ein Baseballschläger, mit dem man sich heute auf der Straße verteidigt – so ist es vielleicht verständlich – also der Pumpenstiel war aus gemasertem, rissigen Hartholz. Längsseits war dieser Stiel von einem millimeterbreiten Spalt durchzogen. Ich fasste den Griff oft an und zog probeweise an dem Handschwengel, aber da war kein Widerstand – der Kolben zog nur Luft und förderte keinen Tropfen Wasser. Die Pumpe kam mir schon damals wie ein Relikt vor, denn meine Großeltern hatten auf ihrem opulenten Wochenendgrundstück am See schon einen Trinkwasseranschluss. Fließend Wasser war also immer reichlich da, um Rasen und Hecke zu wässern oder die kleinen Gründlinge und Barsche über Nacht frisch zu halten, die Opa als Lebendköder fürs Hechtangeln am Abend vorher mit der Senke aus dem See geholt hatte. Heute verboten: Fische als Lebendköder, schlimme Sache für die armen Fische, zumal da bis zum Angeln schon ein Teil der Köderfische in dem Leitungswasser verreckt war, was Opa die Nacht über direkt aus dem Schlauch in die mit einem Netz bedeckte Zinkwanne laufen ließ, wo es dann über den Rand schwappte und im Rasen versickerte. Auch für Fische ging’s also damals grausam zu im alten Jahrtausend. Continue reading No country for old pumps

Bei 90 ist Schluss

Vorgestern fuhr ich an einer Tankstelle hier vorbei und sah tatsächlich einen Literpreis für die Sorte Super E10 von knapp unter einem Euro. Wollte das Tankstellenschild mit der Preisangabe eigentlich fotografieren und für die Nachwelt festhalten (glaubt einem ja in ein paar Jahren niemand mehr), aber ich war natürlich zu schnell.
Aber: Wann gab es das schon mal? Kann mich nicht erinnern, ob ich überhaupt schon mal einen Spritpreis gesehen habe, der unter einem Euro lag, vielleicht kurz nach der Euro-Einführung? Diesel ja klar, aber Benzin?
Wenn man sich bewusst macht, dass da für jeden Liter erstmal fixe Steuern und Abgaben von über 65 Cent zu Buche schlagen, dann der eigentliche Wareneinstandspreis plus Vertriebskosten addiert wird und zu guter Letzt die Mehrwertsteuer noch oben drauf geschlagen wird (Doppelbesteuerung), sind da deutlich über 70 Prozent Steuern und Abgaben drin. Auf den Quittungen mancher Tankstellen steht ja immer drauf, wie hoch der Steueranteil im Endbetrag ist.

Krass oder kurios -  wie auch immer man das sehen mag – ist, dass diese Mineralöl- bzw. Energiesteuer im Unterschied zur prozentual berechneten Mehrwertsteuer immer fix ist, also in gleicher Höhe anfällt, selbst wenn der Ölpreis so wie jetzt bis in tiefste, vormals unvorstellbare Gefilde absackt. Sänke der Ölpreis auf ein Dollar pro Barrel – was natürlich unrealistisch ist, weil bei nicht rentablem Preis vorerst Förder- und Raffineriekapazitäten stillgelegt würden – würde er an der Tankstelle wahrscheinlich trotzdem nicht unter das aktuelle Niveau sinken. Irgendwo bei 90 Cent wäre Schluss. Man zahlt in jedem Falle Mineralölsteuer plus Kosten (Produkt, Vertrieb, Marge) und darauf die Mehrwertsteuer.  Bei Strom übrigens ähnlich: Beschaffung, Vertrieb und Marge machen da nur ca. 22 % vom Endkundenpreis aus.
Fatal: Sinkt der Benzinpreis, ist man eigentlich versucht, auch mal eine längere Fahrt zu unternehmen, Verwandte und Freunde besuchen – aber geht ja momentan auch nicht wegen dieser Krise, die nach dieser mexikanischen Biermarke benannt ist …
Daher wird bei sinkendem Preis noch weniger verbraucht. Es sinken im Ergebnis die Steuereinnahmen – und das darf nicht sein, das wissen wir. Was folgern wir daraus?

Locking it down, bringing it down …

Die Schlafwandler – wie die Deutschen in den Krieg … oh nein, nicht schon wieder … wie die Welt in den „Lockdown“ stolperte … bzw. sich hineinziehen ließ.
Exzellenter Podcast: Professor Stefan Homburg, Direktor des Instituts für Öffentliche Finanzen der Universität Hannover, mit einer treffenden Analyse der aktuellen Vorgänge.
Auf Link klicken und über den Player anhören! Lohnt sich.
https://www.achgut.com/artikel/indubio_lockdown_keiner_hats_gewollt