Erklärungsansatz: Kulturwandel

Woher denn die immer weiter zunehmende Gewalt käme, das solle ich ihm mal erklären, schrieb mal vor Jahren ein Blogger. Man solle ihm aber nicht mit Politik kommen, denn die interessiere ihn nicht …
Nun denn, also ein kulturwissenschaftlicher Erklärungsansatz:
Die jüngsten Ausschreitungen in Dijon und Stuttgart lassen sich auch als Ausdruck eines fortgeschrittenen Kulturwandels interpretieren, der sich seit Jahrzehnten vollzieht. Dieser Kulturwandel wurde schon vor geraumer Zeit als „Prole Drift“ bezeichnet.
Der Grundgedanke dahinter ist, dass sich in früheren Epochen kulturelle Werte und ästhetische Wertvorstellungen in der Gesellschaft von oben nach unten verbreiteten, also von der Aristokratie geprägt, später vom Bürgertum bewahrt und dann auf die unteren Stände oder Schichten der Gesellschaft ausstrahlten und von diesen übernommen wurden. Seit dem 20. Jahrhundert hat sich diese Entwicklung in den westlichen Industrieländern umgekehrt; die schöngeistige, vornehme Kultur wurde nach und nach durch eine vulgäre, körperlich orientierte und tendenziell gewaltverherrlichende Unterschichtskultur ersetzt, die vertikal in die Oberschicht(en) hineinwirkt. Diese destruktiv konnotierte Kultur, die sich an einer medial vermittelten (Möchtegern-)Gangster- und Hollywood-Kultur orientiert und diese nachahmt, gibt sich vulgär, protzig und ist in hohem Maße von körperlicher Gewalt fasziniert.

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It’s Party Time …

In Deutschland (Stuttgart) wie auch in Frankreich (Dijon) zeigte sich, dass die Polizei, die von weiten Teilen linker Medien als „rassistische Polizei des weißen  Mannes“ verunglimpft und geschmäht wird, im Falle unerwarterer Gewaltausbrüche bzw. massierter urbaner Ausschreitungen mit oder zwischen kriminellen Elementen kaum noch in der Lage ist, das Gewaltmonopol des Staates flächendeckend durchzusetzen, sich selbst vor Prügel und die Bevölkerung vor Plünderungen und Brandschatzungen zu schützen. Die herrschende Politik tut mit abwiegelnden und verschleiernden Formulierungen ihr Übriges (Narrativ: Junge (gelangweilte oder beruflich benachteiligte) Männer aus der Party- und Eventszene schlagen mal über die Stränge).  Das an früherer Stelle erwähnte Rassismus-Narrativ muss dabei die Polizei zusätzlich verunsichern und schwächen. Der Motivation eines Polizisten ist es sicherlich nicht zuträglich, wenn er wie in Berlin jederzeit damit rechnen muss, nach der Kontrolle eines Verdächtigen möglicherweise wegen Diskriminierung belangt zu werden. Auf den Knien rutschend wird die Polizei den prügelnden, plündernden, brandschatzenden Mob nicht aufhalten können.