Akif Pirinçci – Deutschland von Sinnen

Er eckt an, aber seine Sprache ist furchtlos und kraftvoll, und er ist in dem, was er schreibt, verdammt glaubwürdig.
Akif Pirinçci muss wohl geahnt haben, dass er mit seinem neuesten Buch, einem vernichtenden literarischen Rundumschlag gegen die „rot-grün versiffte“ deutsche Politik, seinen wütenden Ausfällen, seiner genüsslichen Abrechnung mit Staatsrundfunk, Multikultiwahn, „Kindersexpartei“, „verteuerbaren Energien“ und diversen Kulten den Nerv der Zeit treffen wird. Sicher war auch ein Schuss gezielter Provokation dabei. Die überrumpelten Mainstream-Medien blieben angesichts dieser Dreistigkeit bislang jedenfalls weitgehend sprachlos. Was erlauben Pirinçci? Wie kann er, der politisch als harmlos eingeschätzte deutsch-türkische Krimiautor es wagen? Vielleicht das letzte Buch seiner Art, das noch unzensiert in den freien Verkauf gelangen kann, so orakelte oder witzelte Akif Pirinçci bereits vor Monaten, was sicherlich das öffentliche Interesse und die Aufmerksamkeit an seiner Person im Vorfeld der Veröffentlichung gesteigert haben dürfte.

Da ich mich höchstpersönlich der Mühe unterzogen habe, dieses Buch in seiner vollen Gänze, Pracht und Herrlichkeit zu lesen, gestatte ich mir, an dieser Stelle kurz einzuhaken: Ja, eine überaus erfrischende Lektüre, besonders in sprachlicher Hinsicht sehr belebend für Geist und Seele. Dieses Buch ist in der Tat hilfreich, wie man in Abwandlung eines merkelschen Zitats vielleicht sagen würde, aber auch nicht für jedermann oder jede Frau geeignet. Wohl eher was für den Giftschrank. Aber doch erstmal zurück auf Anfang.
Akif Pirinçci, ehedem als Katzenkrimi-Autor bekannter und erfolgreicher Schriftsteller, hat mit seinem neuesten Buch „Deutschland von Sinnen. Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer“ einen vollen Wirkungstreffer im bildungsbürgerlichen Solarplexus gelandet und dominiert seit zwei Wochen die Bestseller-Listen des Online-Buchhandels. Binnen weniger Tage haben zustimmende und begeisterte Leser allein bei Amazon mehr als 200 positive Rezensionen verfasst. Die Zahl der bisherigen Leser dürfte in die Tausende gehen. Es gibt eigentlich kaum qualifizierte negative Reaktionen in der freien Webwelt, wenn doch, so beschränken sie sich zumeist auf kurze zweizeilige gehässige Kommentare, die in offenbarer Unkenntnis des zu rezensierenden Werkes meist auch die üblichen pauschalen Unterstellungen enthalten (Rassismus, Rechtspopulismus, Homophopie usw.). Im Grunde ein normales Prozedere zur Verunglimpfung und Ächtung eines Überbringers missliebiger Botschaften, wobei man sich bei diesem Autor naturgemäß schwertut, da selbiger als Deutschtürke nicht dem üblichen Klischee und Feindbild des biodeutschen Rassisten oder rechtslastigen homophoben Chauvi-Bösewichts entspricht. Wo soll man mit seiner Kritik ansetzen? Ein Kolumnist der Zeit soll das Werk bereits mit „Mein Kampf“ verglichen oder gleichgesetzt haben, was man wohl nur als Ausdruck einer überaus seltsamen Humorauffassung, dicht an der Grenze zur Behandlungsbedürftigkeit, verstehen kann. Peinlich, peinlich…
Egal, ob man Pirinccis fäkalsprachlich angereichertes, aber überaus kurzweilig zu lesendes und mit schonungsloser Ehrlichkeit verfasstes Werk jetzt mag oder nicht, muss man in jedem Falle eingestehen, dass der bisherige kommerzielle Erfolg und die Publizität dieses Buches schon bemerkenswert sind, insbesondere angesichts der Tatsache, dass der Titel bislang faktisch nur online erhältlich war, z. B. auch bei thalia.de oder antaios.de, um nicht immer den Kraken Amazon zu nennen, und meines Wissens bis heute im stationären Buchhandel offenbar boykottiert wird und dort weder beworben noch verkauft wird.
Ich sollte aber auch meiner Verantwortung als Blogger gerecht werden und warnend meinen rechten Zeigefinger (ich bin nun mal Rechtshänder) erheben und nochmals erwähnen, dass das Buch sehr offen, eben frei von der Leber weg geschrieben ist und Formulierungen enthält, die als anstößig oder vulgär empfunden werden könnten und auf den einen oder anderen sensiblen und ideologisch nicht gefestigten Leser zuweilen irritierend wirken. Je nach Wahrnehmung kann man es aber auch als Satire auffassen, wobei allerdings nicht jeder anspruchsvolle Rezipient gehobener Literatur für derlei Humor empfänglich, geschweige denn aufnahmebereit ist.
Seit ich Akif Pirinçci bei einem kurzen Fernsehauftritt neulich im Mittagsmagazin sah, steht er aber auf der Liste der Personen, mit denen ich gern mal ein Bier trinken würde, recht weit oben. Selbstverständlich stehen aber noch andere Leute vor ihm.
Nebenbei gesagt, ich wette, Akif ist eigentlich ein sehr sensibler und gefühlsbetonter Mensch, der seinen weichen Kern nur mit einem Schutzschild aus hartem Vokabular tarnt. Ich sah es in seinen Augen. Er macht jedoch aus seinem Herzen keine Mördergrube, und das ist gut so!
Im Gegensatz zu vielen anderen alteingesessenen oder hier heimischen Zeitgenossen hat Akif Pirinçci eines begriffen und verinnerlicht. Man darf seinen Frust, seinen Ärger, seinen gerechten Zorn nicht in sich hineinfressen, sondern sollte ihn herauslassen oder am besten gleich herausschreien. Scheiß auf die Fuzzies! (Zitat aus „12 Monkeys“)
Je ehrlicher und unverblümter, desto eher wird man gehört.
„Deutschland von Sinnen“ besteht indes nicht nur aus beißendem Spott und harschem Protest gegen eine Politik, die den Blick für die Realität verloren hat und in ihrem Wahn unser Deutschland zu zerstören droht. Wer dem Bestseller-Autor Akif Pirinçci unterstellt, mit starker Polemik und Vulgärsprache lediglich provozieren oder Kasse machen zu wollen, tut ihm Unrecht. Wie Pirinçci selbst erklärte, ist sein Buch zugleich auch eine Liebeserklärung an Deutschland, das „schönste Land der Welt“. Und dabei ist er glaubwürdig, wie kaum ein Anderer.

Immer wieder kommt mir in diesen Tagen der Film „Network“ mit Peter Finch in den Sinn. Kennt Ihr den Film? Eine bitterböse Mediensatire aus dem Jahr 1976, also eigentlich uralt.
Peter Finch spielte dort den geschassten und verzweifelten Nachrichtensprecher Howard Beale, der vor den Kameras ausrastet und die vor den Bildschirmen versammelten Zuschauer der krisengeschüttelten amerikanischen Nation in einer landesweiten Übertragung in einem ergreifenden Appell auffordert, ans Fenster zu gehen und ihren Unmut, Ärger und Protest lauthals herauszuschreien:
„Ich will jetzt, dass Ihr alle aufsteht! Einer wie der andere. Ich will, dass Ihr sofort aufsteht, zum Fenster geht, es aufmacht, den Kopf raussteckt und schreit: Ihr könnt mich alle am Arsch lecken, ich lass mir das nicht mehr länger gefallen!“
Die Szene muss man gesehen haben. Pures Gänsehaut-Feeling. Im ganzen Land regen sich daraufhin tatsächlich die Menschen und erheben sich nach und nach aus ihren Fernsehsesseln, gehen zum Fenster, öffnen es und lassen ihrer Wut freien Raum, schreien sich ihren Zorn von der Seele. Befreit von Ohnmacht und Hilflosigkeit. Was für eine starke Symbolkraft!
In der heutigen (wie auch der damaligen) Realität ist es natürlich undenkbar, dass in einem Sender ein Anchorman aus der Reihe tanzen und sein Gewissen entdecken würde: Zu sendende Nachrichten werden vor der Sendung selektiert, in den „richtigen“ Kontext eingeordnet, geglättet, abgesegnet.
Nachrichtensprecher wie z. B. Claus Kleber oder Jörg Schönenborn werden in erster Linie als Staatsdiener, als quasi verbeamtete Propagandatröten wahrgenommen, die voll auf Staatslinie liegen (müssen)… Der aktuelle Regierungssprecher Seibert ist übrigens auch ein ehemaliger „Anchorman“ vom ZDF. Gibt es einen besseren Beleg für die enge Symbiose zwischen Politik und Medien? Na ja, ich schweife wieder etwas ab.

Aber „Network“ ist eh nur ein böses Märchen aus einer vergangenen kapitalistischen Welt. Warum kommen mir immer nur fast die Tränen, wenn ich mir diese Szene anschaue…
Das, was Howard Beale damals in diesem Film symbolisierte, ist heute vielleicht Akif Pirinçci – ein zorniger Prophet, der seine gerechte Empörung herausschreit und vielleicht auch die Massen, also jeden von uns, ein Stück weit aufrütteln möchte?
Mit dem Unterschied, dass Akif seinen gerechten Zorn, der zugleich auch eine Aufforderung zum Aufstehen, zum Handeln und zum Widerstand ist, zwischen zwei Buchdeckel gepresst bzw. in Buch- und Dateiform gegossen hat: „Ihr könnt mich alle am Arsch lecken, ich lass mir das nicht mehr länger gefallen!“

Ein ähnlicher Zornesausbruch (nebenbei eine der besten und mutigsten Stellen des Buches) wie ich finde, hört sich bei Akif Pirinçci anno 2014 so an:

Deutsche, dies ist euer Land! Es gehört keinem anderen als euch! Nur euch gehört es! Es ist das schönste Land der Welt! O ja, es gibt viele andere schöne Länder, aber dieses Land übertrifft sie alle an Schönheit, weil es eure Heimat ist, ihr nackt und blutig darein geboren wurdet, darin groß geworden seid und in ihm der Geist eurer Ahnen wohnt. Und in dieser Erde wird man die meisten von euch eines Tages auch begraben. Das ist ein Naturrecht! In jedem Land! Bei jedem Menschen! Laßt euch nichts anderes einreden und habt keine Scheu, schämt euch nicht und spuckt jedem ins Gesicht, der das Gegenteil behauptet.
Dieses deutsche Land gehört weder den Feinden von der EU, die es nur knechten, ausbeuten und es euch früher oder später wegnehmen wollen, noch irgendwelchen sogenannten Zuwanderern, mit denen es von politischen Irren und notorischen Vaterlandsverrätern tagtäglich penetriert wird, um später die scheinheilige Frage stellen zu können: »Was ist hier eigentlich noch deutsch?« Jeder ist in diesem Land willkommen, der was auf dem Kasten hat und fleißig mittut. Andere nicht! Und jeder »Neue« muß früher oder später eure deutsche Lebensweise übernehmen. Schreit diese Botschaft hinaus. Fürchtet euch nicht, wenn man euch wegen dieser Botschaft niedermacht und bestraft. Ihr seid Deutsche, keine feigen Ratten. Es lebe das heilige Deutschland!

Akif Pirinçci
„Deutschland von Sinnen. Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer“

PS: Ergänzend hierzu erlaube ich mir, diesmal auf einen exzellenten Beitrag von Thorsten Hinz in der Jungen Freiheit zu verlinken, der es zugegebenermaßen besser auf den Punkt bringt: Über Pirinçci, Ängste und Stutenbissigkeit.
Lest es einfach mal. Nur Mut. Texte beißen nicht.

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