Alles Banani

Haltet euch fest, denn das, was ich jetzt schreibe, haut den stärksten Eskimo vom Schlitten.
Streng genommen heißt Bruno gar nicht Bruno. Und Banani ist auch nicht sein elterlich verliehener Nachname. Ein simpler Verwaltungsakt, der natürlich ordnungsgemäß in Pass und Unterlagen eingetragen wurde, ließ vor einigen Jahren aus dem Studenten Fuahea Semi den tongaischen Nachwuchsrodler Bruno Banani entstehen, der jetzt bei den olympischen Winterspielen in Sotschi für Furore bzw. medienwirksame Empörung sorgt. Bruno Banani ist zufällig auch eine in Teilen Deutschlands recht bekannte Chemnitzer Mode- oder Unterwäschefirma. Na, wer hätte das gedacht. Soviel zur Einleitung.
Sehr originell fand ich ja diesen Markennamen nie, dies sollte ich vielleicht kurz einschieben. Ich bin kein Markenfetischist und denke, dass die meisten Leute mit einem ihnen unbekannten Markennamen meist ein Ding oder Gefühl assoziieren, das ihnen zuerst in den Sinn kommt. Statt an Wäsche und Schlüpfer denke ich bei Bruno Banani eher an eine richtig schlüpfrige Marke, deren Angebotspalette Kondome mit Bananengeschmack beinhaltet.
Jedenfalls, um auf den Punkt zu kommen, gibt es da diesen tongaischen Rodler namens Bruno Banani. Der Bruno stammt aus dem Südseeinselstaat Tonga, wo es zwar keinen Schnee, aber Flughunde gibt. Im Südpazifik gelegen, östlich von Australien und nördlich von Neuseeland, kann man Tonga auf der Karte leicht übersehen oder versehentlich für eine kleine punktförmige Staubablagerung halten, die man schnell mal wegwischen will. Ordnung muss sein.
Nette Menschen, die gern und viel essen, sollen auf Tonga leben. Kurz gesagt, Menschen wie du und ich, die auch gern rodeln und gern essen.
Zum besseren Verständnis sollte ich noch anmerken, dass ich seit meiner Kindheit ein begeisterter Rodler bin. Nicht viele wissen das.
Mangels Schnee konnte ich allerdings als Kind und Jugendlicher meiner Lieblingssportart nur in den seltenen schneereichen Wintern frönen, denn ähnlich wie in Tonga herrschten auch im flachen Mitteldeutschland selten gute Ski- und Rodelverhältnisse.

Man kann sich daher vorstellen, wie geschockt ich war, als ich von der neuesten olympischen Skandalstory hörte. Einer meiner Sympathieträger, ein Underdog der olympischen Rodelbranche, Bruno Banani, Rodelkönig aus der Südsee, ist vor Jahren von einer teuflischen Marketingagentur überredet worden, sich quasi zu Marketing- und Werbezwecken umbenennen zu lassen. Warum nur, Bruno alias Fuahea? Bedeutet dir denn der schnöde Mammon mehr als die große olympische Idee? Schau auf all die anderen Sportler, Funktionäre und IOC-Mitglieder, die beseelt vom olympischen Gedanken und ergriffen vom coubertinschen Geiste uneigennützig tätig sind, um allein die Freude an der Leistung mit dem erzieherischen Wert des guten Beispiels und dem Respekt vor universell geltenden und grundlegenden ethischen Prinzipien zu verbinden.
Die unbefleckte olympische Idee sei mit diesem Marketingcoup natürlich beschmutzt worden, beklagen IOC-Mitglieder. Dieser Meinung schließen sich auch die lizenzierten Hauptsponsoren an.
Aufs Schärfste dementiert werden übrigens Gerüchte, denen zufolge sich mit Genehmigung des IOC bereits neue olympische Nachwuchshoffnungen namens Hugo Boss, Pep Sicola, Mike Rosoft und Tel Ekom auf die nächsten Weltcup-Wettbewerbe in diversen Disziplinen vorbereiten sollen.
Nachtrag: Bruno Banani aus Tonga hat im olympischen Rodelwettbewerb Platz 32 belegt und somit ein durchaus respektables Ergebnis erzielt. Wir wünschen ihm für seine weitere Laufbahn als rodelnder Werbeträger viel Glück.

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