Alles ist gut

Nee, ich habe persönlich gar nichts gegen Steinmeier, nur um das mal klarzustellen. Außenminister zu sein, ist hierzulande ohnehin ein recht dankbarer Job, in dem man normalerweise nur Sympathiepunkte sammeln kann, jedenfalls in Friedenszeiten. Daher waren deutsche Außenminister, soweit ich mich erinnern kann, in den letzten Jahrzehnten auch immer recht beliebt. Selbst für Westerwelle galt dies bekanntlich.
Der Außenminister, der sich glücklicherweise aus der konfliktträchtigen Innenpolitik heraushalten kann, repräsentiert unser stolzes, reiches Land im Ausland, reist viel und mahnt zur Besonnenheit. Gestern sah ich ihn wieder in der Tagesschau, den Herrn Steinmeier, der seinen Körper in teure Maßanzüge kleidet und eine modische Designerbrille trägt, immer gut frisiert daherkommt und das Bild eines seriösen, gut situierten deutschen Staatsdieners vermittelt.
Beeindruckende Erscheinung, er kommt sehr seriös rüber, denke ich immer. Hat bestimmt eine gute Stilberaterin. Wer auch immer sich vom äußeren Schein beeindrucken lässt, muss ihn wohl mögen.

Er weiß sich gewählt auszudrücken und hat eine Stimme mit sehr charakteristischer Klangfarbe, ein dunkles Timbre, das er wirkungsvoll einzusetzen weiß. Frauen mögen das bestimmt, denke ich mir. Vom Darstellerischen her wäre er eigentlich auch die perfekte Besetzung irgendeiner Pfarrer-Braun-Vorabendserie.
Und reden kann er auch gut, der talentierte Herr Steinmeier. Schön klingende, rund gelutschte Worthülsen, gut gedroschene Phrasen, alle Formulierungen sind ausgewogen und gut abgehangen. Herr Steinmeier spricht viel, aber hat er was zu sagen?
Als Außenminister eines beschränkt souveränen Staates unter einer zögerlichen Kanzlerin zu dienen, ist gelinde gesagt eine echte Herausforderung. Ob es ihm zu schaffen macht, sich strikt nach den Anweisungen seiner Dienstherrin, der Frau Merkel, richten zu müssen, die sich bekanntlich erst spät und oft nicht eindeutig positionieren möchte? Oder lässt sie ihn an der langen Leine laufen?

Gegen Frau Merkel kann man selbstverständlich auch nichts sagen. Sie ist eine Getriebene, die über wenige Handlungsoptionen verfügt. Daher tut auch Frau Merkel, was sie am besten kann: Sie bleibt gelassen bis untätig. Ihre Hände hält sie gern zur bedeutungsschwangeren Raute geformt, während sie mit der Miene einer Kindergärtnerin banale Weisheiten oder hanebüchenen Unsinn zum Besten gibt. Das beruhigt jedenfalls das Volk, das nichts mehr fürchtet als Veränderungen. Alles soll am besten so bleiben, wie es ist. Daher haben ja auch so viele der Frau Merkel ihre Partei gewählt. Über 40 Prozent. Obwohl jetzt eigentlich die Wahlverlierer von der SPD regieren. Na, egal. GroKodile unter sich…
Es heißt ja immer, die Frau Merkel denkt Politik vom Ende her. Aber was, wenn sie am falschen Ende zu denken beginnt?
Wer die Dinge vom Ende her denkt, muss entweder ein Träumer oder ein Prophet sein.
Entweder kennt man das Ende, d. h. ist in der Lage, in die Zukunft zu schauen, oder man definiert das je nach Sichtweise Wünschenswerte als den Endpunkt der Politik. Man müsste dann erstens sicher sein, dass man diesen Endpunkt erreichen kann. Zweitens müsste man per „Reverse Engineering“ die zur Realisierung des gesetzten Ziels nötigen politischen Beschlüsse und Maßnahmen aus der Matrix auslesen, entschlüsseln und praktisch umsetzen bzw. durchsetzen.
Andererseits interpretiere ich vielleicht einfach viel zu komplexe Gedankengänge in Frau Merkel hinein. Aber wie ich oben schon schrieb: Man kann halt auch nichts Schlechtes über Frau Merkel sagen. Es ist schon alles gut so, wie es ist oder?

One thought on “Alles ist gut”

  1. Sehr interessanter Artikel. Hoffe Sie veröffentlichen in regelmäßigen Abständen solche Artikel dann haben Sie eine Stammleserin gewonnen. Vielen dank für die Informationen.

    Gruß Anna

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>